Holger Claaßen

Hinlänglich bekannt ist, warum sich der Hund die Eier leckt. Wer’s nicht weiß, dem sei gesagt: Weil er es kann! Überträgt man diese Phrase in andere Lebensbereiche, gelten viele Unklarheiten als beseitigt, zum Beispiel warum William „Billy“ Sheehan mit seinem unglaublichen Bassspiel verzaubert. Weil er es eben kann!

Billy erblickte im Jahre 1953 in Buffalo im Staate New York das Licht der Welt. Er wuchs bei seinen Großeltern auf, es war ihm untersagt, eine elektrische Gitarre zu besitzen, was natürlich den Besitz eines E-Basses ausschloss. Sonst ist wenig bekannt über seine Kindheit. Als die Großmutter starb, war der Weg trotz aller Trauer für Billy frei, sein Instrument zu erlernen. Warum der Bass? Einer muss es ja machen und Billy war stolz, in die Fußstapfen von Leuten wie Paul Mc Cartney oder Sting zu treten. Was den Rest seiner Jugend betrifft, darüber muss nicht viel spekuliert werden. Wer auf dem Level wie Billy spielt, der muss die Jahre Tag ein Tag aus mit Üben verbracht haben, zum Leidwesen seiner Mitbewohner, die täglich das Geklapper der Saiten mit anhören mussten.

Schnell findet Billy Anschluss an andere Musiker, spielt sich mit der Rockband Talas in Buffalo in die Herzen der Fans. Sein Spiel ist außerordentlich schnell und präzise, er steht versierten Gitarristen in nichts nach. Als seine größten musikalischen Einflüsse benennt er Billy Gibbons, den legendären Gitarristen von ZZ Top, und ebenso Eddie Van Halen. Die typischen Spieltechniken seiner Helden überträgt er auf sein Bassspiel, was ihm gegenüber anderen Bassisten seiner Zeit ein unglaubliches Plus verschafft. Billy erhielt für diese Fähigkeiten fünfmal den Titel „Best Rock Bassplayer“ des damals tonangebenden „Guitarplayer Magazine“. Als David Lee Roth, Sänger von Halen, 1986 seine Solokarriere beginnend auf der Suche nach neuen Musikern für seine Band war, waren Billy Sheehan und der Gitarrengott Steve Vai (Frank Zappa Band) die Richtigen zur richtigen Zeit am richtigen Ort und wurden in der Folge zu gut gebuchten Studiomusikern.

1989 gründete Billy gemeinsam mit Paul Gilbert die Band Mister Big, die mit Hits wie „To be with you“ und dem Cat Stevens Cover „Wild World“ die Charts stürmten. Seit 2001 veröffentlichte Billy auch diverse Soloalben. Diese werden von Kritikern immer wieder als „Musikermusik“ bezeichnet, weil deren Kernaussage Tapping-Orgien und viel Saitengeflitze sind. Wer den Sound der Bassgitarre liebt, der sollte trotzdem unbedingt mal in die Sachen hineinhören. Billy ist auf vielen Veröffentlichungen befreundeter Musiker zu hören und zu sehen. Sein Basssound ist so markant, dass man ihn allerdeutlichst von allen anderen Bassisten unterscheiden kann. Billy spielte jahrelang einen Fender Precision Bass, den er exakt für seine Verhältnisse umarbeitete. Er veröffentlichte mehrere Lehrvideos zum Thema Bassspiel, die ich als sehr brauchbar einschätze. Billy, der mittlerweile auf 40 Jahre Spielpraxis hat und über 8000 Gigs zurückblicken kann, empfiehlt jedem Spieler genau den einen! Bass, mit dem man/ frau sich vertraut machen muss, um ihn perfekt zu beherrschen. Yamaha Instruments hat für und mit Billy den Attitude Bass entworfen, den man in einschlägigen Musikgeschäften für lächerliche 3000 € erwerben kann. Na, wer’s braucht …

2009 feierte Billy mit Mr. Big, die sich Mitte der 90er aufgelöst hatten, eine Reunion. An die ersten Erfolge der Band konnte man nicht anknüpfen. Weiterhin ist Billy in der Mission besseres Bassspiel unterwegs und tingelt mit anderen Legenden weltweit durch die Clubs. Billy wurde am 19. März 61 Jahre alt. Seit 1971 ist er Mitglied der Scientology Church. Er gibt an, das Lernen höre nie auf. Seiner Musik merkt man diese Aussage deutlich an. Bleibt zu hoffen, dass er das mit den Scientologen noch begreifen lernt.


Holger Claaßen

Ein Beitrag von Holger Claaßen

Berliner Schnauze. Professioneller Spaziergänger, der seine Streifzüge auch als Taxifahrer unternimmt. Ist mit sämtlichen Kiezgrößen bekannt und selbstverständlich EISERN. Motto: „Watt isn los Mausebeen?“ (Zum Chefredakteur)