Berührt, geführt! Wer die Figur anfasst, muss sie ziehen. Wohl jeder kennt diese Regel, aber wie erbittert beim Spiel der Könige um sie gekämpft wird, zeigt ein aktuelles Urteil beim Berliner Schachverband. Hobbyspieler Hans-Peter Ketterling (Tempelhof) stand beim unterklassigen Kampf gegen Neuenhagen mächtig unter Stress. Drei Stunden lief die Partie bereits, ein Mannschaftskamerad hatte mehrfach irrtümlich Ketterlings Uhr gedrückt und im Spielsaal führten andere Schachspieler laute Gespräche. Keine guten Konzentrations- Voraussetzungen also und tatsächlich machte er einen folgenschweren Fehler. Statt mit einem Damenzug Gegner Frank Lewin dreizügig matt zu setzen, hielt Ketterling im 31. Zug stattdessen seinen Läufer in der Hand. Schon war der Streit da. Lewin forderte einen Läuferzug. Ketterling weigerte sich mit der Begründung, er habe ihn nur ordentlich aufs Feld stellen wollen und „j’adoube“ gesagt. Aus dem Französischen übersetzt heißt das „Ich rücke zurecht“ und würde Ketterling von der Berührt-Geführt-Regel befreien. Lewin behauptet, er habe nichts gehört. Ein Zeuge ebenso. Der Schiedsrichter vor Ort entschied, Ketterling habe verloren. Das wollte der nicht auf sich sitzen lassen, protestierte schriftlich in den nächsten Instanzen (Turnierleiter, Spielleiter). Am Ende landete der Ärger vorm Vermittlungsausschuss. 50 Euro kostet die Anhörung. Raus kam ein Schriftsatz von einer Länge, mit der gefühlte sechs Maulbeerblatt-Seiten gefüllt werden könnten. Ergebnis: Lewin behält den Punkt. Ketterling hätte nach der „j’adoube“-Ansage die Zustimmung seines Gegners abwarten müssen. Bei dem Wettkampf ging es übrigens um relativ wenig. Außer der Ehre!

 

Le Roux-Battaglini, Montpellier 2015, Weiß am Zug gewinnt.

Lösung der Aufgabe aus Nr. 84:
1. Se7 De7, 2. Th8 Kh8. 3. Dh5 Kg8 4. Dh7 Kf7 5. Lg6 matt