Stellt euch an dieser Stelle eine Überschrift mit einem extrem aufreizenden Titel vor, der einen Sachverhalt beschreibt, der wirklich tief unter die Haut geht.

Jetzt denkt euch die Einleitung, die auf einer These basiert, die euch bereits nach den ersten Worten Unmutsäußerungen und Aufschreie der Empörung entlockt.

Ich verklausuliere, ich verstricke mich ganz offensichtlich in Widersprüche, ich vergehe mich in Polemik und einseitigen Beschreibungen und beharre dennoch unerschütterlich auf meinem Standpunkt. Der keiner ist, sondern eine nässende Krankheit, die die Meinungsfreiheit leider mit sich bringt. Jedem vernünftigen Menschen muss es einfach die Borke auf den Fußsohlen zum Brodeln bringen, aber ich setze doch noch immer wieder einen drauf.

Nun beziehe ich mich auch noch auf diesen unfassbar unsympathischen Menschen, der sich angeblich ähnlich zu jener Sache geäußert hat und den ich nun in meine Beweiskette einbaue und ihm dadurch auch noch ein Podium biete, das diese blähbäuchige Fabulierpissnelke nun ganz und gar nicht verdient hat. Schon allein dafür müsste man mir ne Westerwald-Ansichtskarte an die Glatze tackern.

Ihr könntet kotzen, euch dreht sich der Magen um und Hass in seiner reinsten Form kitzelt die Synapsen, mit welcher Borniertheit ich auf meiner Wahrnehmungsvariante bestehe und dabei ganz offensichtlich keine einzige Sekunde darauf verschwende, auch mal die andere Seite und ihre Meinung zu verstehen.

Meine folgenden Argumente sind derart brüchig und an den Haaren herbeigezogen, dass ihr euch fragt, was denn heute Morgen in meinem Müsli war.

Ich werfe Behauptungen in den Raum und kombiniere sie mit Unwahrheiten – dummdreist und nassforsch. Besonders auffällig scheint dabei meine intellektuelle Beschränktheit zu sein. Die Art und Weise, wie ich mich positioniere, hat nix mehr mit dem Darlegen eines Sachverhaltes und dem Äußern einer Meinung zu tun, sondern ist offenbar vielmehr der Versuch, um jeden Preis Aufmerksamkeit zu erringen und der Welt meine vollkommen uninteressante und absolut verzichtbare Meinung aufzuzwingen.

Es ist lächerlich. Es ist erschreckend, dass man so einem tätowierten Tunichtgut hier eine Plattform bietet und es somit möglich macht, dass menschliche Abgründe in Kombination mit Geltungsdrang und himmelschreiender Dummheit gebündelt zu Papier gebracht werden dürfen. Das denkt ihr. Und ähnliche Dinge. – Kommt, lasst es ruhig zu!

Ihr entschließt euch, nun wirklich nur noch zu Ende zu lesen, weil ihr den letzten Funken Hoffnung einfach nicht aufgeben, weil ihr mir eine Chance geben wollt.

Vielleicht gibt es ja wenigstens ein Fazit, das Spielraum lässt bzw. versöhnlich stimmt. Aber: Nun komme ich doch tatsächlich zu einer Schlussfolgerung, die man einfach nur als unverschämt und naiv bezeichnen kann. Als anmaßend und größenwahnsinnig.

Ich beleidige damit alles und jeden – auch die Unbeteiligten und Schutzlosen.

Ich formuliere kategorisch und pauschal ein Urteil und mache mich über den Rest lustig.

Ihr seid empört – und werdet dieses Magazin nie wieder in die Hand nehmen. Ihr findet, so was darf man einfach nicht unterstützen.

Und Recht habt ihr!!!

 


Lypse

Ein Beitrag von Lypse

Maulbeerurgestein, schrieb als Lypse seit 2007 im Maulbeerblatt; heute freier Autor und Kolumnist, Hörbuchautor und Hörbuchredakteur Zitat: „Die Welt ist eine Schreibe.“