Anke Assig

Ich habe mich verbrannt. Nicht am Herd, sondern im Gesicht. Mit Sonne hatte ich irgendwie gar nicht mehr gerechnet. Der Schlitten steht noch immer griffbereit neben der Wohnungstür… für den Fall, dass sich die Meteorologen geirrt haben und es doch noch mal schneit. Wundern würde es mich nicht.

Der Frühlingseinbruch bringt unerwartete Ausgaben mit sich. Das Kind hat über den Winter drei Schuhgrößen zugelegt. Neue Schuhe müssen her. Die Sonnenhüte vom letzten Jahr passen auch nicht mehr. Und auch Jacken, Hosen und das Laufrad passen der Besitzerin nicht mehr. Wenn das Kind in dem Tempo weiter wächst, dann können wir es demnächst im „Klub der Langen Menschen“ anmelden. Bis zur Aufnahmegröße von 1,80 m für Frauen fehlen nur noch 78 cm!

Ob sich der kleine Jonas dann immer noch für unsere Tochter interessieren wird? Die beiden küssen sich bereits öffentlich und unsere Tochter hat – nach dem Lesen einschlägiger Kinderliteratur – bereits bekundet, bei ihrem Kita-Freund übernachten zu wollen. Ich fand die Idee prima. Ausgehen, Abrocken, bis in die Puppen ausschlafen. Wann hatten wir das das letzte Mal gemacht? 1872? Leider waren Jonas Eltern davon nicht genau so begeistert. Schade.

Worum sollte es thematisch in diesem Heft eigentlich gehen? Ach ja, Frühlingsgefühle. Normalerweise kommt da die Assoziationskette schon irgendwie in Gang. Die Nachrichtenlage gibt zum Thema Liebe/Erotik leider nicht so viel her. Die Sexismus-Debatte ist versandet (und hatte durch Rainer Brüderle ohnehin nie das Zeug zum Aphrodisiakum), bei Fußballspielen in Köpenick wurden noch keine attraktiven Nacktflitzer gesichtet. Und dann auch noch das: Der Bundesgerichtshof hat es abgelehnt, den Schriftzug „Ready to f***“ als Marke (für Kleidung) einzutragen. Tja, dann lässt sich der demografische Wandel wohl wirklich nicht mehr aufhalten.


Anke Assig

Ein Beitrag von Anke Assig

Diplomierte Berlinerin mit Drang ins wildwüchsige Brandenburg. Sucht, hinterfragt, schreibt, liest und singt gern. Buddelt gelegentlich Pflanzen ein und aus. Zitat: "Das wird schon!"