Sweets for my Sweet

Unglaublich, was Menschen alles tun, um Aufmerksamkeit zu erregen. Vor allem, wenn sie als Politiker unter Beobachtung stehen. Manche schreiben Bücher über den vermeintlichen Untergang des Abendlandes (auch wenn sie selten eine Kirche von innen sehen), andere schütten sich kaltes Wasser über den Kopf. Ganz wild treibt es Cem Özdemir: Der Grünen-Politiker lässt sich gern Arm in Arm mit einer Hanfpflanze ablichten. Als Protest gegen die hiesige Drogenpolitik. Oha! Man kann sich nun fragen, ob denn diese Plantagen- Pflanze auf einem Kreuzberger Balkon überhaupt artgerecht gehalten wird (in so einem kleinen Topf, ohne weitere Artgenossen). Oder sich der Sicht der Hanf-Konsumenten annehmen: Je legaler, je mehr und je billiger – umso besser. Und ja, die Drogenpolitik geht komplett an der Realität vorbei.

Denn gegen die unheimlichste, legale und billigste Droge von allen, unternimmt unsere Regierung – rein gar nichts! Denn Zucker ist überall zu haben, als Süßigkeit getarnt, kann sie jedes Kind problemlos beschaffen oder sich mittels martialischen Geschreis im Supermarkt von Erwachsenen beschaffen lassen. Als Vater von zwei Kindern sollte Herr Özdemir eigentlich wissen, wozu Kinder fähig sind, denen man ihre Lieblingsdroge wegnimmt: nämlich zu allem. Ich weiß, wovon ich rede.

Bis vor kurzem wurde ich von meinem Kind regelmäßig beschimpft, bedroht und bestohlen. Beschaffungskriminalität vom Feinsten. Doch seit einigen Tagen läuft bei uns das Experiment „Legalize sweets“. Das Kind ist hin und weg. Nach der Devise „eat as much as you can“ darf sich der vierjährige Zuckerjunkie jederzeit aus einer großen Kiste mit Süßigkeiten bedienen und sich den Wanst vollhauen. Das tut es natürlich und ist dann sichtbar „druff“. Das Abendessen fällt seither häufiger aus. Der (Achtung doppeldeutig) leidenschaftlich kochende Vater macht bei Tisch Atemübungen, um nicht auszurasten.

Es ist eine verdammt harte Prüfung. Der Inhalt der Kiste schwindet rasant. Und auch wenn sich das Kind nun bis zu fünf Mal am Tag die Zähne putzt: Wir haben Angst. Denn bald ist die Kiste leer…Erfahrungsberichte und Telefonnummern von Zuckerentzugskliniken bitte direkt an die Redaktion schicken. DANKE!

 


Anke Assig
Ein Beitrag von

Diplomierte Berlinerin mit Drang ins wildwüchsige Brandenburg. Sucht, hinterfragt, schreibt, liest und singt gern. Buddelt gelegentlich Pflanzen ein und aus. Zitat: „Das wird schon!“


Ähnliche Beiträge