Wenn ihr dies hier lest, ist es schon Februar. Aber für mich, der diesen Tipp gerade geschrieben hat, ist es erst der 3. Januar 2008. Das Jahr also noch ganz frisch – ich allerdings nicht, immer noch nicht (siehe Tipp Silvester) und natürlich habe ich die Hälfte beim Neujahrseinkauf vergessen. Verdammt.

Also noch einmal los und wieder hinten anstellen. Was soll’s, da hab ich Zeit, über das neue Jahr nachzudenken. Ihr wisst schon, Wünsche und so. Die zwei jungen Frauen vor mir nehmen mir jedoch die Mühe ab, denn sie wettern lautstark in meine Richtung: „Dieses Jahr wird noch blöder, alles wird immer teurer, alles wird verboten – rauchen wo man will z.B. und mit unserem alten Honda dürfen wir nicht mehr in die Innenstadt. Und überhaupt macht das Leben hier keinen Spaß.“

Inzwischen sind wir an der Kasse angekommen und sie legen ihren Einkauf aufs Band. „Wirklich leckere Sachen“, denk ich so bei mir. Ganz selbstverständlich wandert das Leckere in die Einkaufstüten, dann samt Mädchen aus der Halle. Diese hüpfen, Zigaretten zwischen den Lippen und den Einkauf in den Händen balancierend, elegant in ihren Honda und brausen davon. Ich schaue hinterher und plötzlich weiß ich, was ich mir fürs neue Jahr wünsche: Möge dieses Jahr so werden, wie all die Jahre zuvor in meinem Leben (immerhin schon 45) – genug zu essen und zu trinken, ein Dach überm Kopf, halbwegs gesund, Menschen um mich, die mich lieben so wie ich bin (oder zumindest mögen) und vor allem: weiter so friedlich!

Passend zu diesen Gedanken mein Film-Tipp: „Black Snake Moon“ mit Christina Ricci und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen. Eine junge Frau, gefangen in Langeweile und Verzweiflung, trifft auf einen desillusionierten alten Bluesmusiker. Grandios gespielt, mit tollen Bildern und erdiger Bluesmusik. Und wer immer noch denkt, er habe den „Blues“, schaut sich vielleicht einmal diese interessanten Movies an: „Die Asche meiner Mutter“ – authentische Verfilmung des autobiographischen Romans von Frank McCount – eine Auswandererfamilie scheitert im Amerika der 30er Jahre und kehrt verarmt nach Irland zurück. „The Long Way Home“ – drei kleine Mädchen fliehen aus britischer Verwahrung durchs australische Outback, um zu ihrer Aborigines-Mutter zurückzukehren – nach einer wahren Begebenheit, und natürlich Roberto Benignis Geniestreich „Das Leben ist schön“.
Wenn euch also mal wieder die Probleme unserer Wohlstandsgesellschaft zu Boden drücken und ihr denkt, euer Leben sei langweilig, ungerecht oder zu stressig und überhaupt mache das alles hier keinen Spaß, haltet kurz inne und blickt zurück in die Geschichte und blickt hinaus in die Welt.

Ich wünsche euch und mir ein gutes neues Jahr. Genießt es! Jetzt und hier zu leben ist nicht das Schlechteste, was einem passieren kann.

Bleibt gesund und schaut mal rein,
euer Mathias.