wunderEin schwimmendes Gesamtkunstwerk

Der diplomierte Maler und Kunstpreisträger Arno Schmetjen aus Werder an der Havel schuf ein Gemälde. Das Besondere daran: Es kann schwimmen. Kein Wunder, handelt es sich doch bei dem „Havelwunder“ um eine segeltaugliche Yacht. Die kreuzt seit kurzem fröhlich auf Berliner und brandenburgischen Gewässern – und sorgt dort für viel Aufsehen. Der Effekt ist durchaus gewollt: „Das Havelland soll wieder bekannter gemacht werden“, wünscht sich Schmetjen. Die 7,66 Meter lange Segelyacht des Typs Victoire 25 aus dem Jahr 1969 als Botschafterin sozusagen. Wie es dazu kam?

Das Thema „Boote“ spiele schon längere Zeit eine Rolle in seinem Werk, sagt der Künstler: „Inspiriert von Laotses ‚Dreißig Speichen treffen die Nabe‘ geht es mir in meinem Schaffen besonders um die „Leere dazwischen“. Das sei auch bei einem Schwimmkörper sehr interessant, sagt Schmetjen. Und der ruhige Herr mit dem weißen, farbenbeklecksten Baumwollanzug zitiert (frei!) Laotse: „Dreißig Speichen treffen die Nabe / Die Leere dazwischen macht das Rad. Lehm formt der Töpfer zu Gefäßen / Die Leere darinnen macht das Gefäß. Fenster und Türen bricht man in Mauern / Die Leere damitten macht die Behausung. Das Sichtbare bildet die Form eines Werkes. Das Nicht-Sichtbare macht seinen Wert aus.“

Und, könne man, wenn man denn könnte – und wollte, mit dem Havelwunder auch an einer richtigen Segel-Regatta teilnehmen? „Man kann“, sagt Schmetjen. Die Yacht unterscheide sich von anderen Booten – jedenfalls vom Seglerischen her – nicht, sagt der Maler: Das „Havelwunder“ habe einen stabilen Rumpf aus glasfaserverstärktem Kunststoff, einen zehn Meter hohen Mast und verfüge mit Groß-, Fock- und Genuasegel auch über eine ausreichende Segelgarderobe. Schmetjen, bis dato Nicht-Segler, sei zu dem Boot gekommen „wie die Jungfrau zum Kinde“: „Silvester 2006 fragte mich mein Werderaner Freund und Musiker Peter Joseph Weymann, ob ich neben Acrylwerken auf Holz, Grafiken und Serigrafien, mit denen ich mich als bildender Künstler in letzter Zeit sonst so beschäftigt hatte, nicht zur Abwechslung mal ein Boot gestalten wolle. Ich sagte sofort zu. Die Herausforderung reizte mich, denn schließlich sollte zum einen das gesamte Boot künstlerisch geformt werden: Neben dem Rumpf und seinen Aufbauten sind das insbesondere das Deck und die Segeltücher. Selbst der Innenraum trägt nun meine Handschrift.“

Auch für Überraschungen an Bord ist nun gesorgt: Die sonst üblichen Handläufe wurden ersetzt durch Stahlelemente, deren Formen sich auch schon in Schmetjens Malerei wiederfinden. Das Gleiche gilt für die neuartige Gestaltung des Heckkorbes. Sogar an nicht zugänglichen Stellen findet man nun Kunst: Hebt man etwa die Abdeckung des Motorraumes oder die Backskisten- Deckel an, kann man auch dort Malerei finden. 270 verschiedene Farbtöne spielen auf weit über 1.300 Farbfeldern auf Rumpf und Segeln ihr Spiel mit dem Licht. Wen er gerne mitnehmen würde auf einen Törn? Nur kurz überlegt der stille Künstler: „Mit Nina Hagen würde ich gern mal auf dem Wannsee segeln gehen. Oder mit dem Dalai Lama auf einem tibetanischen Binnensee“, sagt Arno Schmetjen und lacht dabei verschmitzt.