Das Pferd verrät’s

schach Weiß setzt in drei Zügen matt. Neulich sitzen im Cafe Rabu zwei Go-Spieler und wie es in der Partie um sie steht, dazu bedarf es weder psychologische Ausbildung noch Kenntnisse der Spiel-Grundregeln. Der eine schaut durch leicht zugekniffene Augen, lehnt sich ablehnend nach hinten und verschränkt vor der Brust beide Arme. Ich ohne die geringste Go-Ahnung: „Du hast aber eine ziemlich miese Stellung.“ Er überrascht: „Stimmt, aber woher weißt du das?“ Die Körpersprache verrät’s – das ist beim Go nicht anders als beim Schach. Wer sich auf dem Verliererweg sieht, gibt unbewusst Zeichen. Knallrotes Gesicht, eine Hand in den Haaren, heftiges Nicken oder Kopfschütteln, plötzliches Augenreiben. Lang ist die Liste der Looser-Reaktionen, und wer sein Auge dafür schult, kann’s sehen. Ebenso, ob ein Spieler auf Angriff setzt, oder eher in Ruhe Position bezieht. Achten Sie beim Gegner mal auf die Pferde, bevor Sie selbst zum Tier werden. Denn beim Aufstellen der Springer haben fast alle Spieler ne’ Macke. Die Figuren können nach vorn schauen, sich angucken, nach rechts, nach links, im 45-Grad-Winkel. Bei Weltmeister Magnus Carlsen sehen sich beide Gäule an (machen laut Umfrage 22 Prozent der Schachspieler). Was darauf hindeutet, dass er eher ruhige Stellungen anstrebt, wenig Risiko eingehen will. Ex-Weltmeister Vishy Anand dagegen bevorzugt die Attacke. Seine Springer glotzen zum gegnerischen König – wie bei den meisten Schachspielern (39 Prozent). Unter denen ist es übrigens nur acht Prozent egal, wie sich ihre Springer positionieren. Meine jedenfalls gucken auch immer direkt zur Mitte ...   Lösung der Aufgabe aus Maulbeerblatt Nr. 76: 1. Dg6+Kg6, 2. Lh5+Kh7, 3. Lf7+Lh6, 4. g6+Kg7 (4 ... Kh8 5. Th6 nebst Th7 matt), 5. Lh6+Kh8, 6. Lf8 matt

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