Omi meint, dass nach Wulffs Rücktritt mal die Frage geklärt werden sollte, ob Lüge oder etwa Irrtum das Gegenteil von Wahrheit sei. „Gauck, sein Nachfolger, weiß das“, orakelt sie. Omi hat ihr laut zeterndes Huhn unterm Arm und fragt drohend, ob jemand etwas gegen eine kernige Hühnersuppe einzuwenden hätte. Wir sind geschockt. Omi lässt sich nicht erweichen. „Elsa kommt in den Topf“, sagt sie, „Eier legt sie seit Jahren keine, und Wahrsagen klappt auch nicht mehr“. „Aber sie ist doch erst 21“, wende ich schüchtern ein. Elsa tut mir leid. Selbst Piepsi maunzt herzergreifend. „Aber Elsa kann prima Schach spielen“, sagt Puh, der sie unbedingt retten will? „Kein bisschen“, behauptet Omi voller Verachtung, „dabei hat sie mir stundenlang dabei zugesehen“. Dann setzt sie das zitternde Huhn auf den Tisch, direkt vor das Brett, wo mir Puh als Schwarzspieler gerade Remis angeboten hatte. „Nur zu“, sagt sie höhnisch zu Elsa, „wenn du die Wahrheit über diese Stellung herausfindest, mach ich uns Kartoffelpuffer!“

Ich weiß, ihr werdet es mir nicht glauben, aber es ist die Wahrheit, Elsa hört auf zu zittern, stolziert mit festem Tritt zum Schachbrett und pickt, ohne uns eines Blickes zu würdigen, auf das Lösungsfeld. Wir sind baff. Während wir Omis köstliche Kartoffelpuffer mampfen, könnt ihr euch auch mal Gedanken machen, kann ich noch gewinnen oder muss ich das Remis akzeptieren? Puh, der sich sonst fürchterlich aufspielt, wenn mir jemand hilft, ist ganz ruhig. Er freut sich, dass Elsa alt werden darf. Aber ehrlich, glaubt wirklich jemand, Omi hätte Elsa geschlachtet?
Liebe Grüße, Clarissa