Einer der strahlendsten Kometen am deutschen Dichterhimmel

Dass nur wenige der Sternengucker seinen Namen kennen, ist ein Umstand, der ihn schon zu Lebzeiten nicht erschütterte, sondern unbeeindruckt auf seiner dichterischen Umlaufbahn davonziehen ließ. 1863 in Danzig geboren, lebte er seit 1887 in Berlin wo er 1915 völlig verelendet starb. Sein beständiger Misserfolg konnte seinen Grundoptimismus nicht erschüttern. In seinen satirischen Utopien bewegte er sich in kosmischen Räumen, seiner hinterher dümpelnden Zeit um Lichtjahre voraus. Es ist nicht untertrieben, Paul Scheerbart einen Vorboten dessen zu nennen, was im 20. Jahrhundert an literarischen Wagnissen folgen sollte. Erich Mühsam erkannte in ihm „den humorvollsten Phantasten und phantasievollsten Humoristen der modernen deutschen Literatur“. Ein unverwüstlicher Bohemien und kritischer Zeitgeist, der auch 100 Jahre später zu einer sensationellen Neuentdeckung wird. Plötzlich auftauchend, erstrahlt er für den Moment der Lektüre. Ein trunkener Komet. Der Musiker Leo Solter und der Alleinunterhalter Steffen Thiemann versuchen in ihrer literarisch-musikalischen Revue, den Kometen am Schweif zu packen und aus ihm neue Funken zu schlagen. Kamele beginnen zu tanzen, Affen singen trunkene Lieder, die Welt in ihrer immerwährenden Verrücktheit wird für einen kurzen Moment aus der Monotonie ihrer einspurigen Umlaufbahn gestoßen. Ein Abend für alle, denen das Einfache einfach nicht genug ist.

Eine Paul-Scheerbart-Revue von Leo Solter und Steffen Thiemann
Karten: 7,00 / 6,00 €, Beginn: 19:00 Uhr
Ernststr. 14/16, 12437 Berlin

Tel. 536 96 534, Fax: 53 02 59 90, KBTreptow@kulturring.org

Foto: Wilhelm Fechner


Matthias Vorbau

Ein Beitrag von Matthias Vorbau

Matthias Vorbau nennt sich Chefredakteur des Maulbeerblattes. Eigentlich ist er Kommunikationsdesigner mit Diplom. Zitat: "Das Leben zwingt einen zu zahlreichen freiwilligen Entscheidungen."