Sommertraining

Super, die Hallen haben mal wieder zu, der Sommer ist auch nicht gerade einladend und wenn es einmal warm ist, habe ich keine Zeit. Wenigstens konnte ich im Urlaub auf Mallorca trainieren. Und wer war wieder einmal zuverlässig jeden Morgen Punkt 9 Uhr im Meer? Na, meine Trainingsparter – die Senioren. Mit ihnen traute ich mich sogar auf´s weite Meer hinaus. Außerdem wurde ich belehrt, dass weiße Haie nicht auf diesem Kontinent existieren und ich nicht so hysterisch sein soll.

Zurück zu Hause trainierte ich in einem Brandenburger See, überwand meine Angst und schwamm allein durch Wasserpflanzen und vorbei an aktiven Fischen und aggressiven Schwänen. Immer am zwei Kilometer langen Ufer entlang und schön ruhig. Man muss doch so einen Wettkampf auch ohne Fitness-Hokuspokus schaffen. Mittlerweile träumte ich schon vom Marathon und große Angst und Zweifel kamen immer häufiger über mich. Am Tag davor erhielt ich noch einmal sportliche Hinweise.

Der Tag der Entscheidung

Morgens schlief ich bis 8 Uhr und probierte, alles wie immer zu machen. Erst mein Haferflockenbrei und zwei Tassen Kaffee, einen kleinen Calciumdrink… Und schon ging es mit meinem Nachbarn los, zur Anmeldung am Start im Segelverein. Nummer 54 – das ist ja schon einmal super. Danach wurde ich in die Abläufe eingewiesen und verzog mich in eine schattige Ecke, cremte mich dick mit Ringelblumensalbe ein, aß eine Banane und schloss die Augen. Im Hintergrund gaben sich die Frauen auf der Toilette gegenseitig Tipps. Überraschender Weise kamen Familie und Freunde zum Start und wünschten Glück.

Die zweite Startgruppe um 11:03 Uhr war meine. Ich sprang ins Wasser, setzte meine Brille auf, die direkt beschlug, und schon ging es los. Ganz ruhig, Sina, so wie im See, immer atmen und gleiten lassen. Zeitweise war es sehr wellig, was an meiner Kraft zerrte, dann ging es wieder besser. Immer den Bojen entgegen, die ich wegen der beschlagenen Brille und der Aufregung kaum noch erkannte. Es gab Augenblicke, da schwamm ich ganz allein – Nur nicht zum Strandbad gucken, das kommt sowieso nicht näher und bis ich mitbekam, dass die Bojennummern rückwärts zählen, war ich schon weiter als ich dachte. Dann wieder „klatsch, klatsch, klatsch“ – ah, wieder die nächste Gruppe, die mich überholte. Egal, das Ziel war das Ziel.

Zwei tote Fische und Beine umwindende, pikende Wasserpflanzen später, kam auch schon Boje 3 in Sicht. Eine Frau überholte ich dann doch noch und die letzten Meter lief ich. Mein Herz raste – geschafft! Der Blick zur Uhr: 1,26 h – besser als in der Halle!

Ich suchte den Strand nach meinen Freunden und dem Maulbeerblatt ab. Pustekuchen, keiner da. Zum Glück kam dann doch noch eine Freundin. Auch mein sportlicher Nachbar teilte mit mir den viel zu kurzen, aber tollen, Siegesaugenblick. Ich ließ meine Urkunde ausdrucken, Platz 8, Altersklasse W35 und gesamt 54 (wie meine Startnummer). Verrückt, wer hätte das gedacht?

Noch am selben Tag fing ich an, mir Gedanken über mein neues Ziel zu machen. „Altstadtlauf“ schlug mir mein sportlicher Nachbar vor und kaum ausgesprochen, fand ich mich „joggend“ mit Familie und Freunde neben mir wieder… 10 km scheinen mir im Moment ein unerreichbares Ziel zu sein, denn wer schon nach 1 km außer Atem ist, hat noch viel vor sich…