Aufgetaut!

Aus grimmiger Winterkälte melden wir uns mit der ersten brandheißen Ausgabe des Jahres 2011 zuru?ck. Weihnachtsbraten und Neujahrskarpfen sind längst verdaut und Schnee von gestern. Was wir uns zudem an dioxinverseuchten Leckereien gegönnt haben, neutralisieren wir seither mit geistigen Getränken. Mediale Empörung scheint nicht angebracht, wollen wir doch weder Aufschwung noch Arbeitsplätze gefährden. Unsere Fu?rbitte gilt deshalb St. Ilse, der Schutzheiligen der industriellen Nahrungsmittelmu?llwirtschaft. Möge ihr der Herrgott ein gesundes Abwehrsystem schenken. Ein ebensolches könnte auch unser Kriegsminister gut gebrauchen. Er muss einen tragischen Einzelfall nach dem anderen aufklären. Wann soll er da noch all die privaten Feldpostbriefe seiner Soldaten lesen und wie – zum Donnerwetter! – soll er dann erfahren, was in seiner Truppe vor sich geht? Zum Glu?ck sind das nicht unsere Sorgen. Frohen Mutes schauen wir nach vorn, wo die drängenden Fragen der Gegenwart in naher Zukunft ihre Antwort finden: Wann kommt der Aufschwung nach Köpenick? Kann sich der Osterhase Bio-Eier leisten? Lassen sich die Winterverspätungen der Bahn mit einem straff en Sommerfahrplan aufholen? Und vor allem, wer wird neuer Dschungelkönig? Bis zum Redaktionsschluss war diese brisanteste aller Menschheitsfragen nicht zu klären. Unser Chefredakteur hatte sich im Vorfeld angeboten, als Austauschgeisel fu?r Reiner Langhans einzuspringen. Auf diese Weise hätte er das letzte Relikt intakter westdeutscher Erinnerungskultur vor den Ekelpru?fungen bewahren wollen. Doch Langhans ist alt und braucht das Geld. Aber immerhin, dank Ilse Aigners Verbraucherschutz kann ein jeder von uns auch ku?nftig beim Discounter seine eigenen Dschungelpru?fungen absolvieren.

Das Cover der 105. Ausgabe Maulbeerblatt mit einer Illustration von Roman Klonek. Editorial

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