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Der Fall sorgte Anfang des Jahres bis weit über Bayern hinaus für Debatten: Ein Bamberger Schüler kassierte einen Verweis, weil er unentschuldigt eine Info-Veranstaltung der Bundeswehr an seiner Schule verließ. Wie oft und mit welchen Inhalten die Bundeswehr an Berliner Schulen präsent ist, darüber gibt es weder auf Seiten der Senatsverwaltung für Bildung noch auf bezirklicher Ebene eine Übersicht. Jede Schule entscheidet selbst, mit welchen außerschulischen Anbietern aus Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft sie kooperiert. Wie stehen Schulen in Treptow-Köpenick zur Präsenz der Bundeswehr im Klassenzimmer? Wir haben mit der Leiterin der Flatow-Oberschule, Kerstin Gießler, gesprochen.

Frau Gießler, die Bundeswehr ist seit Aufhebung der Wehrpflicht mehr denn je auf Nachwuchssuche. Die Flatow-Oberschule ist eine stadtbekannte Sporteliteschule. Sie und Ihre Kollegen bilden genau die jungen Menschen aus, die die Bundeswehr vor allem für ihre militärischen Berufe braucht. Bekommen Sie oft Besuch von den Headhuntern der Bundeswehr?

Nein. Es gibt genügend Ausbildungsmessen in der Stadt, auf denen sich unsere Schüler über alle möglichen Berufe und Arbeitgeber informieren können. Auf diese Veranstaltungen weisen wir regelmäßig hin.

Einige Berliner Schulen folgen dem Aufruf der GEW und lassen prinzipiell keine Bundeswehr- Vertreter ins Haus. Wie handhaben Sie das?

Wir lassen die Bundeswehr nicht in den Unterricht. Die Unterrichtsinhalte gestalten wir selbst, auch die, in denen geschichtliche oder sicherheitspolitische Fragen eine Rolle spielen. Für uns ist es wichtig, den Schülern zu vermitteln, wie vielfältig die Welt ist. In die Projektwochen mit dem Schwerpunkt Ethik binden wir daher bewusst ganz unterschiedliche Akteure ein, z.B. Theatermacher, Judoka und Polizisten. Zu einer Veranstaltung mit Militärvertretern würden wir immer auch Vertreter des Weltfriedensdienstes einladen.

Wir groß ist denn das Interesse Ihrer Schüler am Arbeitgeber Bundeswehr?
Zwei Drittel unserer 280 Schüler sind Jungs und junge Männer. Klar, als Sportschüler interessieren gerade sie sich eben ganz besonders für sportliche Berufe, etwa bei der Polizei, der Feuerwehr oder eben bei der Bundeswehr.

Die Flatow-Schule organisiert alle zwei Jahre eine interne Ausbildungsmesse. Wer stellt sich dort vor?
Die Schüler sagen, wen sie einladen möchten, also etwa Feuerwehr und Polizei oder Bundeswehr. Aber auch Finanzdienstleister und Wohnungsbauunternehmen stehen auf der Wunschliste. Und wir ergänzen dann. Wir möchten, dass auch soziale Träger und kleinere Unternehmen wie Gärtnereien oder Hotels aus unserer Region mit dabei sind. Wer bei uns im Februar 2015 zu Gast war, kann von jedem auf unserer Webseite nachgelesen werden.

Vielen Dank.

 
Eliteschule des Sports Berlin, Flatow-Oberschule
Benannt nach den Cousins Alfred und Gustav Felix Flatow, Olympiasieger 1896, ermordet in Theresienstadt
Schul- und Leistungssportzentrum Berlin, Schwerpunktsportarten: Kanurennsport, Rudern, Segeln; Weitere Sportarten: Fußball, Einzeleinschulungen in weiteren olympischen Sportarten möglich; Schulisches Profil (Schulformen und Abschlüsse): Alle Abschlüsse der Berliner Schulen sind möglich
Birkenstraße 11, 12559 Berlin, T. 030 65 48 – 630, E-Mail: sekretariat@flatow-os.de, Internet: www.flatow-os.de

 
Foto: Schularchiv


Anke Assig

Ein Beitrag von Anke Assig

Diplomierte Berlinerin mit Drang ins wildwüchsige Brandenburg. Sucht, hinterfragt, schreibt, liest und singt gern. Buddelt gelegentlich Pflanzen ein und aus. Zitat: "Das wird schon!"