Das „Derrick“ tot ist, kann man natürlich so nicht sagen. Obwohl es keinen Schauspieler gibt, der so sehr die Person ist, die er immer gespielt hat. Horst Tappert, der Mann, der „immer“ Derrick war, ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Und mit ihm stirbt ein Stück von der Symbolträchtigkeit, die für das Wohlstandsdeutschland, der Nachkriegsjahrzehnte bis in die Achtziger Jahre hinein stand und in den Neunzigern schon nur noch anachronistisch wirkte. Er könnte die ultimative Übervaterfigur gewesen sein, die man als Sohn oder Tochter als Trauma ein Leben lang abzuschütteln versucht. Der einem mit seinem ständigen verblüffenden Rechtgehabe und seiner unverschämten Ruhe und Disziplin zum Rasen bringen konnte. Und gerade weil er somit für das gewisse Deutschtypische stand war er wohl der größte Exportschlager der deutschen Unterhaltungsindustrie.

Natürlich stand er wohl immer früh auf, war pünktlich, hatte seine Rolle perfekt einstudiert. Und immer strahlte er, in gepflegtem Grau gekleidet, die Sicherheit aus, die einem denken ließ: Der macht das schon. Vielleicht befriedigte er so die wichtigsten Grundbedürfnisse des gemeinen gutbürgerlichen Zuschauers. Umberto Eco nannte es, sich in einem (übrigens hervorragenden) Essayband ebenfalls auf Derrick beziehend, die “Leidenschaft für das Mittelmaß. Was es auch sei, aber: Ehre, wem Ehre gebührt! Hat es ein Mensch geschafft in 24 Jahren, 221 mal Millionen von Menschen für zirka 90 Minuten einzulullen, dann hat er ein Lebenswerk vollbracht.

Und so kann er sicher in Frieden ruhen. Darüber hinaus bleibt ja noch die Möglichkeit, ihn zur Kultfigur zu stilisieren. …

Am Samstag ab 23 Uhr zeigt das ZDF im Gedenken an Horst Tappert drei Episoden von „Derrick“.