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Michal Vogel (CDU) ist der neue Bezirksstadtrat für Weiterbildung, Schule, Kultur und Sport von Treptow-Köpenick. Der 47-Jährige wurde am 22. Mai von den Bezirksverordneten mit knapper Mehrheit gewählt – und das auch erst im vierten Wahlgang. Am 2. Juni fand die Vereidigung statt, damit trat Vogel das schwierige Erbe von Svend Simdorn an.
Michael Vogels Vita ist von Ambitionen geprägt: Nach der Lehre zum Kfz-Mechaniker nahm er ein Meisterstudium auf und machte sich gleich nach der Wende als Inhaber eines Autohauses in Altglienicke selbstständig. Zu Beginn des Jahrtausends folgten die ersten politischen Schritte: 2002 Eintritt in die CDU, ab 2005 führende Position im Ortsverband von Altglienicke-Adlershof, 2011 dann die Wahl ins Bezirksparlament, wo er gleich zum stellvertretenden Fraktionschef avancierte. Als sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion saß er im Sportausschuss, ebenfalls war er Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung wie auch Umwelt- und Naturschutz. Seine Frau Katrin Vogel, mit der er zwei Söhne hat, sitzt für die CDU im Abgeordnetenhaus.
Wir haben die Sommerpause genutzt, uns mit Michael Vogel zu treffen und ihn gebeten, einen Einblick in seine ersten drei Monate als Stadtrat zu gewähren.

Herr Vogel, Sie wurden vor drei Monaten vereidigt, sind Sie jetzt auf Ihrem Posten angekommen?Ja, bin ich. das merke ich daran, dass ich in Fachfragen mitreden kann und nicht mehr nur gezwungen bin zuzuhören. In den Verwaltungen habe ich mit den verantwortlichen Leitern gesprochen, da habe ich alle durch. Ich glaube, dass ich jetzt verstehe, worum es geht.

Beckenbauer oder Goethe? Halten Sie es eher mit Bildung und Kultur oder sind Sie ein Mann des Sports?Beides. Ich interessiere mich privat sehr für kulturelle Veranstaltungen, Theater, Konzerte und Ausstellungen. Ich habe da zwar Vorlieben, die eine Ausstellung finde ich ansprechend, die andere nicht. Manche Inszenierung reißt mich mit, bei der anderen schaue ich auf die Uhr. Aber das ist glaub ich normal.

Und der Sport?
Den verfolge ich genauso intensiv. Ich spiele aktiv Tennis. Auch den gesamten Bereich Wassersport finde ich absolut spannend, vom Schwimmen bis zum Segeln. Boxen dagegen ist nicht so meine Sportart. Ich habe keine Freude daran, zuzusehen, wie zwei Männer aufeinander einkloppen. Was aber nicht bedeuten soll, dass Boxvereine jetzt meine Entscheidungen als Stadtrat fürchten müssten.

Was hat Sie dazu bewogen, das Amt des Stadtrats zu übernehmen?
Das ist eine grundsätzliche Entscheidung gewesen, ich will keine Politik am Biertisch machen. Ich bin schon seit vielen Jahren im politischen Bereich tätig. Vor zwölf Jahren bin ich in die CDU eingetreten, habe es vom Ortsvorsitzenden in Altglienicke bis zum stellvertretenden Fraktionschef in Treptow-Köpenick gebracht und war in zwei Ausschüssen tätig. Da war dieser Schritt, den Kollegen Simdorn abzulösen, nur konsequent.

A propos, Simdorn. Sie treten ja sein nicht ganz leichtes Erbe an. Durch seine lange Krankheit ist viel liegen geblieben. Wo brennt’s am meisten?
Es brennt gar nicht so sehr. Die Sachverhalte wurden nur schlecht nach außen kommuniziert. Es muss nichts gerettet werden, wenn nichts in Gefahr ist. Die Fachbereiche haben allesamt gute Arbeit geleistet und ja auch Lösungen gefunden. Die Musikschule am neuen Standort wird ein echtes Highlight, und keine der Bibliotheken muss geschlossen werden. Das meine ich mit schlechter Kommunikation. In der Politik hat man es leider oft mit Menschen zu tun, die das Negative in den Vordergrund stellen und fragen: Was wäre, wenn …? Ich befürchte, dass diese Leute die Probleme gar nicht lösen, sondern nur den Schwierigkeiten nachspüren wollen.

Aber um die Musikschule wurde doch vor einem halben Jahr noch mühsam gerungen.
Das stimmt. Aber es gab nie diese Riesenproblemlage, wie es suggeriert wurde. Und im Übrigen sind sie jetzt vom Tisch, die Probleme. Der neue Standort an der Freiheit 15 wird eine ganz tolle Sache. Der Umzug ist auf Grundlage eines BVV-Beschlusses in die Wege geleitet worden. Mit der Eröffnung im Spätherbst oder zum Winteranfang stehen wir gut im Plan. Alle Räume werden eine super Schallisolierung haben. Da kann in einem Raum einer Schlagzeug üben und der Saxofonist gleich nebendran hört davon nichts und umgekehrt.

Und die Bibliotheken?
Da wird, wie gesagt, keine geschlossen. Änderungen gibt es nur an den Standorten Friedrichshagen und Bohnsdorf, die wir zu Schulbibliotheken mit öffentlicher Nutzung umwandeln werden. Das können wir uns erlauben, weil die Ausleihzahlen keine eigenständige Bibliothek rechtfertigen. Dafür will ich mich aber für einen zweiten Bibliotheksbus stark machen.

Aber insgesamt sind Kultur und Weiterbildung doch die ungeliebten Stiefkinder der Politik. Es gibt wenig Geld, in der Prioritätenliste stehen die Ressorts weit hinten. Werden Sie weitere Kürzungen oder Schließungen zulassen?
Nein, das sehe ich gar nicht so. Gerade der Weiterbildung und der Kultur werde ich mich ganz besonders widmen. Wir haben doch einiges in der Pipeline: Die Musikschule bringen wir wie geplant zu Ende. Und auch die Mittelpunktsbibliothek in Schöneweide ist ein großartiges Projekt. Die bauliche Ausführung ist einwandfrei, die Verkehrsanbindung könnte kaum besser sein. Die Ausleihzahlen werden die von Köpenick noch toppen. Was aber nicht dazu führen wird, dass andere geschlossen werden.

Kommen wir zum Sport, hier würde ohne ehrenamtliches Engagement wenig laufen. Sehen Sie Möglichkeiten dem Breitensport mehr Unterstützung durch den Bezirk zu gewähren?
Wir haben eine große und breit gefächerte Sportlandschaft und jammern bisweilen auf hohem Niveau. Natürlich haben wir Baustellen, das will ich nicht leugnen. Bei den Plätzen kommen wir nicht immer hinterher. Aber in anderen Bezirken sieht es noch viel schlimmer aus.

Aber Sie müssen zugeben, ohne Ehrenamt ginge im Sport nichts mehr.
Stimmt, dennoch bezweifle ich, ob es zielführend wäre, wenn wir mit mehr Geld das ehrenamtliche Engagement ausbremsen würden.

Wie meinen Sie das?
In einem Verein, in dem sich Sportler und Eltern einbringen und etwas auf die Beine stellen, ist der Zusammenhalt größer als in den Vereinen, die immer gleich nach dem Bezirksamt schreien. Wenn die Leute gemeinsam an einem Strang ziehen, schweißt sie das zusammen, sie sind stolz auf das Erreichte und das spornt sie dann wieder an, so weiter zu machen. Auch darum ist das Ehrenamt eine so wichtige Säule. Würden wir aber so viel Geld ausspucken, dass für alle gesorgt wäre, ginge die Bindung zum Verein verloren.

Gibt es eine Herzensangelegenheit, die Sie in Ihrem Amt umsetzen möchten?
Die Nummer eins auf meiner Wunschliste sind die Bibliotheken. Endlich ist die Bibliotheksentwicklungsplanung so weit fertig, dass sie im Ausschuss abgenickt werden kann. Nun kommt der nächste Schritt, die Umsetzung. Außerdem möchte ich für die Musikschule, die Museen und die Bibliotheken mehr Öffentlichkeitsarbeit herstellen. Ich möchte in den Straßen einen öffentlichen Kulturwegweiser nach dem Vorbild der Hotelroutenführer ins Leben rufen. Die Kultur muss mehr in die Köpfe gebracht werden.


Dietrich von Schell

Ein Beitrag von Dietrich von Schell

Sagt von sich selbst, dass er ein sonniges Gemüt hat. Seine journalistische Profession versteht er als Jäger- und Sammlertum: Fakten sammeln, für Geschichten auf die Jagd gehen. Zitat: (nach der Katastrophe) "Ist doch nischt passiert!"