Als es an der Tür klingelt und ich mit Schürze öffne, muss es wohl passiert sein. Während meine liebe Nachbarin mich zu einem Kaffee überreden will, brennt in der Küche die Milch an, die ich mir für meine empfindlichen Stimmbänder machen wollte. Den ganzen Tag diskutieren und überzeugen, da brauche ich einfach eine Stärkung. Und während ich noch darüber nachdenke, wie ich die freundliche Einladung der Nachbarin ausschlage und das Angebrannte vom Herd kratzen kann, klingelt mein Telefon. Der Göttergatte steht im Stau am Hirschgartendreieck und wird es nicht pünktlich nach Hause schaffen. Ich fluche. Wann werden die da wohl endlich fertig mit den Bauarbeiten? Sollte ich das Thema noch mal gründlicher recherchieren für einen Artikel? Ach, das muss warten. Heute erst war Redaktionsschluss für einen flammenden Beitrag zu den Flugrouten. Den ganzen Tag saß ich über dem Thema und habe vor Ratlosigkeit drei Bleistifte klein gekaut, während der Maulbeermann mir haareraufend im Nacken saß. Herrjeh, da muss ich wohl morgen noch einen Zahn zulegen! Hätte ich jedenfalls nicht im Büro meine Zeit vertrödelt, wäre ich jetzt wenigstens schon zurechtgemacht für den Montagskonvent auf dem Friedrichshagener Marktplatz. Die Presse wird wohl auch da sein. Aber leider bin ich noch immer ungeschminkt, in Schürze und Pantoffeln. Zack! Die Haustür kracht ins Schloss. Das offene Fenster, vor dem ich die Wäsche wegen des andauernden Sommerregens aufgehängt hatte, muss wohl für Durchzug gesorgt haben. Das ist doch kein Wetter in diesem Sommer! Nun stehe ich also mit der Nachbarin draußen, der Mann ist nicht in Reichweite und in 15 Minuten beginnt die Montagsdemonstration. Ich vertröste die Nachbarin flugs auf ein Glas Sekt später am Abend, werfe die Schürze auf die Treppenstufen und renne los – in Pantoffeln – zum Marktplatz. Wartet noch kurz, ich komme!
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