Hände weg vom Handy!
Ein Leben ohne Smartphone ist pädagogisch wünschenswert. Aber kaum möglich.

Was sind das denn das so spät abends für Geräusche im Kinderzimmer? Da flüstert doch jemand! Und da  - ein unterdrückter Schrei! „Aaaaaa“……Mir wird ganz anders. Einbrecher?
Handys am Tisch verboten! Das eiserne Gesetzt des Familienrates in Wort und Bild.
Foto: Anke Assig

Ich öffne mit einem Ruck die Tür und… sehe gerade noch, wie das Kind sein Handy unter das Kopfkissen schiebt und sich schlafend stellt. Aber das Abenteuer-Hörspiel läuft immer noch. Dabei ist es schon fast 22 Uhr und morgen soll die Achtjährige vor sieben Uhr aufstehen.

„Mein Kind“ sage ich und versuche zugleich freundlich und streng zu klingen. „Weißt du eigentlich, wie spät es ist?“ Klar, weiß sie das, denke ich im nächsten Moment. Auf dem Handy-Display steht es doch groß drauf. Mit dem Gerät steuert das Mädchen seine Hörspiele. „Nein, Mama“, piepst das Kind. „Wie spät ist es denn?“

Ich hole tief Luft und setze mich auf das Bett. Dabei entsteht ein lautes Furzgeräusch…Pffffftöööööt.

„Mensch Mama, jetzt hast du dich auf Lisa gesetzt“,

nörgelt das Kind. Lisa ist ein zwergkaninchengroßes Schwein mit viel Luft im Bauch. Es wurde als Hundespielzeug geboren und hat sich im Bett unserer Tochter zum Kinderspielzeug weiterentwickelt. In den Spielen, die sie mit ihren Freundinnen spielt, nimmt es eine wichtige Rolle ein. Entweder wurde das kleine Schweinchen von einem gemeinen Menschen im Wald ausgesetzt und muss von tierliebenden Mädchen in einer eigens gegründeten Tierpension wieder aufgepäppelt werden. Oder es dient als Pupskissen, das bei Rollenspielen in der Szene „Sarah hat in der Schule Pupseritis und stört so den Unterricht“ unvergessene Auftritte feiert.

Jetzt jedenfalls sitze ich auf Schweinchen Lisa und muss mir das Lachen verkneifen. „Kind, so war das nicht abgemacht“, sage ich in ernstem Ton während ich das Schwein unter meinem Hintern hervorprökele.

„Das ist gegen die Regeln: Das Handy gehört nachts nicht mit ins Bett. Und deine Hörspielzeit für heute war schon um 18 Uhr um!“

Diese Regeln hat der Elternrat der Familie vor einiger Zeit beschlossen, um den zunehmenden Medienkonsum des Kindes einzudämmen. Leider gibt es Anpassungsschwierigkeiten – und zwar auf beiden Seiten. Auf Regelverstöße folgt elterlicherseits eine Sanktion. Im Falle von „Handy-Überdosierung“ ist das mindestens ein Tag Handy-Abstinenz für das Kind. Da sind wir konsequent. Aber wie! Also jedenfalls meistens…

Am nächsten Morgen ist das Kind wie erwartet schlecht gelaunt. Kein Wunder, der jungen Dame fehlen anderthalb Stunden Schlaf. Sie kaut sehr langsam und sehr missmutig auf ihrem Marmeladenbrot herum. Das Frühstücksei wird verschmäht. Da plötzlich klingelt das Handy des Vaters. „Oh das ist dringend, da muss ich mal rangehen“, sagt er und verschwindet im Nebenraum. Ich schaue währenddessen heimlich auf die Wetter-App. Braucht das Kind gleich Schal und Handschuhe?

Als der Vater wiederkommt, funkelt uns das Kind mit bösen Blicken an. „Ihr habt beide die Regeln gebrochen“, motzt es. „Keine Handys am Tisch!“ Bevor wir uns rechtfertigen können, bietet es an:

„Die Strafe dafür könnt ihr euch selber aussuchen. Ich bin für zwei Tage Handy-Verbot“.

Wir schlucken. Zwei volle Tage? Echt jetzt? Das wäre hart. Das schaffen wir nicht. Also geloben wir Besserung. Und ich lese am Abend gleich drei Kapitel aus „Die Schule der magischen Tiere“ vor. Das kann ich wirklich gut. Live Geschichten vortragen mit unterschiedlichen Stimmen und lustigen Geräuschen. Wie im Hörspiel. Und ganz ohne Handysteuerung….


Anke Assig
Ein Beitrag von

Diplomierte Berlinerin mit Drang ins wildwüchsige Brandenburg. Sucht, hinterfragt, schreibt, liest und singt gern. Buddelt gelegentlich Pflanzen ein und aus. Zitat: „Das wird schon!“


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