Begonnen hatte alles  vor sechs Jahren zu Weihnachten in einem Türrahmen. Maik Zöllner spielte mit seiner Frau vor seinen drei Kindern ein Theaterstück. Irgendwann war das Stück zu Ende. „Doch unsere Kinder waren so berührt von allem. Für sie war das Stück noch lange nicht zu Ende, sie beschäftigten sich noch Stunden später damit.

Das, was wir da erzählten und wie wir es erzählten, hatte so eine Zugkraft und ich musste mich fragen: Was habe ich da ausgelöst?“ Als Sozialarbeiter hat er begonnen, vor Kindern Theater zu spielen und bemerkte bereits die Faszination, die auf beiden Seiten entstand. Doch dieses Erlebnis in der Familie wurde zum Schlüsselerlebnis.

Mit diesen ausgelösten Gefühlen hat der gebürtige Gothaer zunächst einen sehr rationalen Anfang gewählt. Über das Gefühl hat sich der Kopf hinweggesetzt: Maik Zöllner betrieb so etwas wie eine Marktforschung. Er wollte wissen, ob es in Berlin, dort wo er in Zukunft mit der Familie leben wollte, bereits Schattentheater innerhalb des Genres Puppentheater gibt.

Er recherchierte Rechtefragen, Risiken, Bedarfsanalyse. Und er war der Erste mit dem Thema „Licht und Schatten“. Seine erste Aufführung mit „Scuraluna“, seinem Figurentheater, dass sehr viel Licht braucht, fand in Leipzig auf einem orientalischen Familienfest statt. Als Debüt und als aufregend habe er seine „Blaue Rose“ damals nicht empfunden. „Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, dass alles gut klappt.“

Um Schatten zu machen, braucht man Licht. Davon hat Zöllner mehr als genug. „Jede Geschichte birgt ein Licht“ sagt er. Der Mann mit dem sonnigen Gemüt ist auch manchmal aus der Ruhe zu bringen, wenn er spürt, dass er nicht so richtig willkommen ist, so wie er es in manchen Kitas erlebt. Dann übernimmt er auch die Arbeit, die Kinder wieder mit sich und dem bevorstehenden Theaterstück auf Augenhöhe, auf Empfang und in Verbindung zu bringen, auch, wenn das gar nicht sein Job ist.

 

Viel Empathie und Improvisation sind gefragt

„Ich habe eine einfache und bildliche Sprache, die die Kinder auch emotional erreicht.“ Warum aber Schattentheater? Inspiriert ist der Puppenspieler von der Berlinerin Lotte Reiniger. Die Filmpionierin experimentierte bereits in den Zwanziger Jahren mit Scherenschnitten und entwickelte daraus den ersten Animationsfilm („Die Abenteuer des Prinzen Achmed“), noch bevor Walt Disney das Genre zu Ehre und Dollar brachte.

„Mir liegen diese Gewerke: Technik, Modellbau, Licht, Ton, Musik. Ich spiele Gitarre und Ukulele, ich singe und das alles kann ich einsetzen im Theaterspiel. Außerdem arbeite ich auch nicht nur mit Licht und Schatten als Kontrasten, sondern auch mit farbigem Licht und mit Reflexionen.“

Seine Puppen bestehen aus schwarzem Karton. An etlichen Stellen sind Gelenke aus Regenschirmgelenken für bessere Beweglichkeit angebracht. Mittels Holzstäben lässt er die Puppen tanzen. Alles zusammen passt in einem Koffer, hinter dem er auch spielt. „Ich bin immer ganz da und das heisst auch, ich bin nie weg während des Stückes. Entweder bin ich Teil der Rahmenhandlung oder ich tauche im Stück auf.“

Der Hauptreiz ist die Reduktion auf das Wesentliche. „Ich mache nur so viel wie nötig ist, z.B. gebe ich meinen Figuren nur so wenig Gelenke wie unbedingt nötig. Denn das bedeutet ja auch für mich, dass ich bei vier oder fünf Figuren schnell an meine spielerischen Grenzen komme, wenn ich jede Figur live und hunderprozentig spielen möchte.“

Dass er in seinem künstlerischen Beruf angekommen ist, erkannte er nach seiner Reise nach Odessa. Vom Goethe-Institut wurde der Thüringer in die Ukraine eingeladen, um dort mit verschiedenen Menschen, vom Lehrer bis zum Arzt, ein Theaterstück zu erarbeiten, in einem großen Saal vor 2.000 Menschen.

Das war eine wichtige Erfahrung. Und all diese Erfahrungen, seine Gaben, sein Licht und seine Stücke wie z.B. aus dem Struwwelpeter verstaut er in seinem Koffertheater „Scuralana“ und ist auf den Berliner Bühnen unterwegs.


Mittwoch, 17.01. „Der kleine Angsthase“
im Mittelpunktbibliothek Treptow, Michael-Brückner-Straße 9, 12439 Berlin
Beginn: 10.00 Uhr, Tel: 90297-6800
Mittwoch, 21.02. „Der kleine Angsthase“
im Mittelpunktbibliothek Köpenick, Alter Markt 2, 12555 Berlin
Beginn: 10.00 Uhr, Tel: 90297-3418
Dienstag, 27.02. „Der kleine Angsthase“
in der Stadtteilbibliothek Altglienicke, Ortolfstr. 182-184, 12524 Berlin
Beginn: 10.00 Uhr, Tel: 90297-6722
Mittwoch, 28.02. „Das Rübchen“
in der Stefan Heym Bibliothek, Dörpfeldstr. 56, 12489 Berlin
Beginn: 10.00 Uhr, Tel: 90297-5731
(Jeweils bitte mit Voranmeldung)

Danuta Schmidt

Ein Beitrag von Danuta Schmidt

Danuta Schmidt überschreitet gern unsichtbare Grenzen, klettert auf Bäume, in Häuser, Schlösser und Ruinen, schaut über Dächer, hinter Fassaden und über den Tellerrand. Trifft dort Randfiguren und Parallelgesellschaften und bohrt mit ihren Fragen bis zum Kern.