Stadträtin für Weiterbildung, Schule, Kultur und Sport Cornelia Flader
Stadträtin für Weiterbildung, Schule, Kultur und Sport Cornelia Flader
Cornelia Flader ist seit gut einem Jahr Stadträtin in Treptow-Köpenick. Die 53-Jährige, die seit 2005 CDU-Mitglied ist, verantwortet die Bereiche Schule, Weiterbildung, Kultur und Sport. Zuvor hatte sie 32 Jahre im Schuldienst gearbeitet, zunächst als Grundschullehrerin, dann als Schulleiterin, zuletzt an der Schule am Buntzelberg in Altglienicke. Ihre neue Funktion kam für alle überraschend – dem ursprünglichen CDU-Kandidaten hatte, nach der Ablehnung durch alle anderen Fraktionen im Bezirksparlament, schließlich auch die eigene Partei die Unterstützung versagt. Cornelia Flader ist verheiratet, ihr Sohn ist bei der Bundeswehr und will studieren. Die Familie wohnt seit den 1970er-Jahren in Altglienicke.

Frau Flader, haben Sie Ihre Entscheidung für die Politik schon mal bereut?
Nein. Ich habe zwar ein schlechtes Gewissen, weil ich mich innerhalb von zwei Tagen in den Herbstferien entscheiden musste und ich mich von den Kollegen nicht sofort richtig verabschieden konnte. Die Amtsgeschäfte habe ich erst eine Woche später übergeben können: Passwörter bekannt geben, begonnene Prozesse für die Arbeit erklären und so etwas. Aber insgesamt ist die neue Arbeit sehr fordernd und interessant.

Sie waren 32 Jahre im Schuldienst, vermissen Sie jetzt etwas?
Ja, die Kinder! Jüngst war ich bei einer Sportveranstaltung und traf dort Schüler einer 6. Klasse meiner ehemaligen Schule, da sind wir schnell ins Gespräch gekommen. Das war schön, weil ich die Schüler ja länger begleitet habe.

Sie sind zuständig für Bildung, Kultur und Sport. Ist Schule dabei Ihr Lieblingsbereich, so als Expertin?
Nein, das dacht ich auch zuerst. Aber Schule ist etwas sehr Spezielles, da haben Sie als Stadträtin keinen Einfluss auf Inhalte. Das regeln die Akteure in den Schulen selbst. Die Verantwortung als Stadträtin beschränkt sich im Wesentlichen auf die äußere Hülle der Gebäude und auf die Hausmeister. Auf die Schulreinigung hätte ich auch gern mehr Einfluss, aber dafür ist das Facility Managment zuständig, was dem Bürgermeister unterstellt ist. Da würde ich gern etwas verändern, weil die Reinigung an diversen Schulstandorten nicht gut klappt. Am 23. Dezember 2016 habe ich deshalb dem Bürgermeister ein Schreiben geschickt, mit Mängeln, die mir Schulleiter mitgeteilt hatten. Daraufhin haben sich mehrere Amtsleiter speziell mit dem Problem beschäftigt. Die Schulleiter haben im Frühsommer 2017 erfahren, welche Veränderungen es geben wird.

Im Frühsommer 2017, das ist ein halbes Jahr nach Ihrer Mängelanzeige!
Ja, das ist Verwaltung. Das musste ich auch erst mal lernen, dass dort Prozesse länger dauern, weil sie ganz bestimmten Abläufen folgen müssen. Dazu gehört auch, dass man kaum Feedback bekommt, ob und wann Missstände beseitigt wurden. Ich weiß von einer Schule, dass sich die Reinigung verbessert hat. Aus den anderen Schulen wüsste ich das auch gern, aber so läuft Verwaltung eben nicht.

Das heißt, Sie müssen extra nachfragen, ob sich was verändert hat?
Ja, und da besteht die Gefahr, dass man es vergisst, bei all den anderen Aufgaben. Ein Beispiel: Die Grundschule in Friedrichshagen wollte vor einem Jahr, dass der Bordstein vor dem Haus abgesenkt wird, für Rollstuhlfahrer. Ich habe daraufhin immer wieder nachgefragt, ob das erledigt wird. Im Spätsommer dieses Jahres, so ganz nebenbei, wurde mir mitgeteilt, dass der Bordstein abgesenkt ist. Das sind so Dinge, die man erst lernen muss: dass Verwaltungsprozesse Zeit dauern und man geduldiger werden muss. Damit komme ich nicht so gut klar, man stößt was an und weiß nicht, ob und wann etwas passiert.

Sie sind die einzige Frau im Bezirksamt, wo seit Jahren nur Männer regierten. Wie ist das so, zwischen vier Männern?
Wir haben im Bezirksamt einen recht konstruktiven, sachlichen Ton untereinander. Die Kollegen sind höflich im Miteinander. Und ich bin sowieso der Meinung, dass man nicht als Frau per se eine bestimmte Position auszuüben sollte. Man muss durch Leistung überzeugen. Ich lege keinen Wert auf Etikette und rücke mich nicht selbst in den Mittelpunkt. Aber wenn beispielsweise am Nikolaustag das Bezirksamt tagt und ich an jeden Platz einen Schoko-Nikolaus stelle, dann heißt es: Ach ja, wir haben eine Frau unter uns, die machen so was…
Die Reaktion fand ich interessant, sie bedeutet ja, Männer machen so was nicht. Aber es gibt auch ernsthafte Dinge, wo ich denke, dass ich als Frau fleißiger sein muss, um die Anerkennung zu bekommen, die Männer bekommen, nur weil sie Männer sind. Das ist zwar nur ein Gefühl, aber ich gucke bei manchen Sachen, etwa bei Protokollen der Bezirksamtssitzungen, lieber genauer hin, um zu prüfen, ob auch alles stimmt. Oder als meine Abteilung in großem Umfang dafür gesorgt hat, dass der Besuch unserer Städtepartner aus dem italienischen Albinea in Treptow-Köpenick ein Erfolg war. Andere Ämter und Mitglieder des Bezirksamtes hatten da weniger Anteil. Ich hätte mir gewünscht, dass im Kollegium dieses Engagement meiner Ämter – auch das der verantwortlichen Dezernentin – mehr gewürdigt wird. Das kann doch nicht so schwer sein! Auch bei den Haushaltsberatungen ist meine Abteilung nicht so gut bedacht worden.

Das hatte aber nichts damit zu tun, dass Sie eine Frau sind.
Nein, die Bezirksverordnetenversammlung hat dem Bereich Schule und Sport mehrheitlich 100.000 Euro gekürzt. Das Geld soll stattdessen für Kultur und Weiterbildung eingesetzt werden. Das finde ich extrem schwierig, weil es über die Köpfe aller Verantwortlichen bei mir hinweg geschah, und weil wir als einer der am meisten wachsenden Bezirke eine rasante Einwohnerentwicklung verzeichnen. 2016 hatten wir mehr als 1.100 Schüler zusätzlich, allein in den Grundschulen waren es fast 730 Kinder mehr.

Aber insgesamt bekommt der Bereich Schule/Sport in den kommenden zwei Jahren fast zwei Millionen Euro mehr, eben weil der Bezirk so wächst.
Allein für Schulen können Sie im nächsten Jahr 400.000 Euro mehr für Tarifbeschäftigte ausgeben. Meine Mitarbeiter rechnen mir vor, dass statt dessen 300.000 Euro fehlen, um alle Aufgaben zu bewältigen. Das wird jetzt alles penibel geprüft. 100.000 Euro weniger bedeuten zwei Stellen weniger.

Ihre Fraktion spricht von Hausmeisterstellen. Wie viele Hausmeister fehlen an den Schulen?
Das kann ich momentan nicht sagen, das wird derzeit von meinem Amt begutachtet. Aber ich finde es insgesamt ein falsches Signal, wenn man immer sagt, Bildung sei das höchste Gut und dann 100.000 Euro kürzt. Diese Kürzung im Haushaltsausschuss wurde mir so kuzfristig mitgeteilt, dass meine Ämter die Auswirkungen gar nicht mehr prüfen lassen konnten. So geht man nicht miteinander um.

Müssen Sie denn jetzt im Schulbereich etwas einsparen?
Das werde ich in den nächsten Monaten prüfen. Unsere größte Herausforderung im Bezirk ist ja die Schaffung von zusätzlichen Schulplätzen. Dafür muss meine Abteilung fachliche Unterlagen für die Hochbauabteilung erstellen. Dafür gibt es im gesamten Bezirk nur zwei Kollegen, das reicht nicht. Auch die Schülerzahlberechnung, die Einrichtung von Klassen oder die Organisation des Übergangs in die Oberschulen muss deutlich personell verstärkt werden. Ebenso das Organisieren der Busshuttle für Kinder mit Beeinträchtigungen, wo die Zahlen steigend sind, der Busse für den Schwimmunterricht oder für Fahrten in andere Sporthallen. Noch immer sind ja nicht alle Hallen, in denen einst Flüchtlinge untergebracht waren, für den Sportunterricht nutzbar. Auch für die Schulwegsicherheit und für IT-Maßnahmen brauchen wir dringend zusätzliches Personal.

In welchen Regionen des Bezirks müssen die meisten Schulplätze geschaffen werden?
Steigenden Bedarf gibt es vor allem in Wendenschloß, in Müggelheim und Schöneweide, auch im Allendeviertel, in Altglienicke, Johannisthal und Baumschulenweg. Im Bereich der Oberschulen konnten wir schon im vorigen Jahr nicht allen Schülern Angebote machen, manchmal müssen Schüler auch in Nachbarbezirke fahren, was nicht alle Eltern verstehen. Bislang konnten wir allen Grundschülern Plätze im Bezirk anbieten. Ob das in diesem Jahr gelingen wird, werden wir sehen. Ich befürchte, dass es diesmal schwierig werden wird. Da müssen wir ganz intensiv dran arbeiten. Für einen Schulneubau braucht man inklusive Planung acht Jahre, aber diese Zeit haben wir nicht.

Was machen Sie mit den zusätzlichen 100.000 Euro im Kultur- und Weiterbildungsetat?
Unter anderem wird das Geld für höhere Honorare für Lehrer von Musikschule und Volkshochschule genommen. Die Kollegen dort haben mir jedoch deutlich zu verstehen gegeben, dass sie es es nicht gut finden, auf Kosten von Schulmitteln bessergestellt zu sein. Im Kulturbereich müssen wir vor allem „Menge“ produzieren, weil wir nur dann mehr Geld vom Senat kriegen. Da gibt es etliche Projekte, die geplant sind. So wird die Musikschule für je sechs Kitas und Schulen kostenfreie Angebote machen, um dort für später Schüler zu gewinnen, die Geld bringen. Die Volkshochschule wird Angebote an Kulturstandorten machen, zum Beispiel Smartphonekurse für Senioren, die nicht zur Volkshochschule fahren wollen oder können. Geplant bei Bibliotheken ist ein Bringeservice für Menschen mit Behinderungen. In der Bibliothek in der Alten Schule in Adlershof, aber auch in den Mittelpunktbibliothken, werden schon heute Konzerte durchgeführt, die gut besucht sind. Und es wird auch erneut ein Netzwerk gestrickt, für IT-Kurse für Lehrer.

Zum Sport: Im Bezirk gibt es rund 220 Sportvereine. Kennen Sie schon alle?
Nein, natürlich nicht. Manche Vereine wissen gar nicht, dass es eine Sportstadträtin gibt. Ich plane eine Reihe „Stadträtin trifft Sportvereine“ und will so viele wie möglich kennenlernen. Ich bin gern in Sportvereinen, die Mitglieder dort sind meist unkompliziert und faire Typen, da sind Kompromisse meist immer möglich.

Wie beim Nachwuchsleistungszentrum für den 1. FC Union? Am Standort Bruno-Bürgel-Weg in Oberspree gibt es mehrere Vereine, die durch Union nicht verdrängt werden wollen. Ist das möglich?
Ja, der Prozess ist nicht ganz konfliktfrei, aber ein Kompromiss bahnt sich an. Daran arbeiten wir. Dass es bei Union voran geht, auch mit dem Nachwuchsleistungszentrum, ist mir wichtig. Ich habe schon als 13-Jährige in der Alten Försterei den Rasen abgeharkt und schätze die Arbeit der dortigen Verantwortlichen sehr. Das gleiche gilt für den Mellowpark, der jetzt sogar einen Olympiastützpunkt für BMX plant. Auch dort gibt es eine sehr intensive, sehr kontruktive Zusammenarbeit. Jeder Verein, der unsere Unterstützung braucht, bekommt auf jeden Fall ein Gespräch angeboten und wenn möglich auch Hilfe. Manchmal geht nicht alles, wenn es Zwänge oder Verträge gibt, aber wir versuchen immer unser Bestes.

Foto: Matthias Vorbau