Illustration: Alf Ator

Der Liebe Gott und ich haben so ein kleines Katz-und- Maus-Spiel. Immer, wenn er mitbekommt, was ich vorhabe, lässt er Dinge geschehen, die meine Pläne durchkreuzen. Wenn ich es eilig habe, veranlasst er einen Stau. Wenn ich früher losfahre, um darauf vorbereitet zu sein, sind die Straßen frei, aber der Termin wurde nach hinten verlegt, so dass ich meine kostbare Zeit sinnlos mit Warten verbringen muss. Gehe ich nur mit einem T-Shirt aus dem Haus, wird es kalt. Ziehe ich mich warm an, wird es heiß. Doch ich habe Methoden entwickelt, dem Lieben Gott die Stirn zu bieten. Eines Sommers drohten meine Gartenpflanzen zu vertrocknen. Ich hätte sie gießen können, aber dann hätte er es eine Stunde später regnen lassen, nur um mich zu ärgern. Sie nicht zu gießen bedeutete aber, dass es auch keinen Regen gibt. Also tat ich folgendes: Ich nahm meinen Computer mit in den Garten, um im Schatten eines Apfelbaumes zu arbeiten. Dann machte ich eine Pause, um einkaufen zu gehen und ließ den Computer auf dem Gartentisch liegen. Während ich an der Kasse stand, fing es natürlich prompt an zu regnen. Okay, der Rechner war hinüber. Aber ich hatte einen bewässerten Garten. Manchmal muss man eben Prioritäten setzen.

Für den Weltuntergang (bzw. dessen Vereitelung) brauche ich demzufolge einen Plan, der nur mit Weltuntergang funktioniert. Dann muss der Liebe Gott die Erde nämlich verschonen, wenn er mir dazwischenfunken will. Los geht’s: Ich bin Kolumnist. Jeden Monat muss ich meine kostbare kreative Energie dafür verschwenden, um mir für so ein komisches Lokalblatt einen Text aus den Fingern zu saugen. Das nervt! Gern würde ich alles hinschmeißen, oder wenigstens einmal diesen ganzen erbärmlichen Provinz-Futzis die Meinung sagen. Aber dann würden mich die Redakteure und Leser für arrogant halten und extrem sauer auf mich sein. Der Fahrradladen würde mir keine Sonderpreise mehr machen, der Bäcker würde keinen mit Pudding gefüllten Bienenstich mehr anbieten, an der Kasse im Supermarkt würden die Leute nicht mehr ehrfürchtig zu Seite treten, um mich vorzulassen, und niemand würde vor mir auf die Knie fallen, wenn ich im RABU erscheine. Und wenn ich am 1. März im Seebad auftrete, wäre der Saal leer. Ich wäre sozusagen erledigt. JEDOCH!!! Wenn diesen Monat sowieso alles den Bach runtergeht, sind die Konsequenzen egal, und ich brauche niemandem mehr in den Arsch zu kriechen! Genau! Macht es euch doch selbst, ihr blöden Dorftrottel! Ihr eingebildeten Vorstadt-Idioten! Ihr könnt mich alle mal!

So, der Grundstein für meinen Abstieg ist gelegt. Mal sehen, was passiert. Nun ist der Liebe Gott gezwungen, den Weltuntergang zumindest zu verschieben, damit die Leute auch möglichst lange sauer auf mich sind. Und das Beste: Weil ich die Welt gerettet habe, verzeihen mir die Köpenicker am Ende sogar, und die Party geht weiter! Haha! Jetzt kann ich nur hoffen, dass der Liebe Gott das hier nicht liest …


Alf Ator

Ein Beitrag von Alf Ator

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“