8:43 Uhr

Auszeit

Der Sommerurlaub ist noch gar nicht so lang her, die mit seiner Hilfe erlangte Erholung jedoch beinahe schon hinüber. Es geht halt immer furchtbar schnell, dass der mit Aufgaben vollgestopfte Alltag den kürzlich noch so herrlich aufgefüllten Akku wieder leersaugt. Und schneller als angenommen ist er da: der Wunsch nach einer Auszeit.

Wohl dem, der eine solche solide zu planen imstande ist. Nicht jedem allerdings gelingt das so richtig gut. Viel zu häufig entfällt die Planungsphase komplett und es wird spontan gehandelt. So erlebe ich mehrmals täglich, wie es unbedarften Mitmenschen ausgerechnet am Ende einer Rolltreppe in den Sinn kommt, sich genau hier und jetzt eine Auszeit zu gönnen. Dies kann mitunter zu unschönen Karambolagen führen.

Es sind aber längst nicht nur Menschen, die plötzlich und unerwartet eine Ruhepause einlegen. Auffällig sind dieser Tage zum Beispiel Fahrradlampen, die offenbar aus einer Laune heraus entweder ihren Dienst eingestellt haben oder gleich ganz zu Hause geblieben sind. Auch hier ist die Unfallgefahr beinahe vorprogrammiert.

Als kürzlich mal der Büroaufzug stehen- und ein Kollege in ihm steckenblieb, war das für ihn zwar nicht allzu gefährlich, doch nahm er dieses Ereignis unverständlicherweise nicht als Auszeit, sondern als Ärgernis wahr. Der Aufzug hatte es ganz bestimmt nur gut gemeint.

Neulich war zu Hause die Batterie der analogen Kinderzimmeruhr erschöpft und die Uhr stand ein paar Tage still. 8 Uhr 43 zeigte sie an. Laut Kindermund, und schöner hätte ich es nicht sagen können, war das ihre Auszeit.

Nehmen Sie sich für die folgenden Beiträge gern auch eine.
Ihr Maulbeermeia


maulbeerblatt ausgabe 92 Editorial

Gegen das Chaos

Hier und da wird auf einen Missstand hingewiesen, hin und wieder auch auf diverse Missstände. Das alles lässt sich schön...

Der Maulbär Novembertitel Editorial

Tach Nachbarn!

Die Tage werden unaufhaltsam kürzer, Behaglichkeit macht sich auf den Straßen und in den Gemütern breit. Sollten Sie nicht so...

maulbeerblatt ausgabe 70 Editorial

Brot, Butter und Träume

Hielt man sich im Januar ab und zu innerhalb des S-Bahnrings auf, traf man noch häufiger als sonst auf mindestens...