maulbeerblatt ausgabe 68

Frei durften wir wählen und die Demokratie hat einmal mehr gewonnen und wenn wir Glück haben, bescheren uns alsbald die großen Koalitionäre eine neue Regierung noch vor der Weihnachtszeit. Während die Gelben nun da sind, wo der Pfeffer wächst, verstehen die Grünen noch immer nicht, warum auch sie beim Wahlvolk nicht die erhofften Sympathien wecken konnten. Als kleinste Oppositionspartei beansprucht ihre neue Fraktionschefin Frau Doppelname deshalb schon mal in allerbester Künast-Manier die Oppositionsführerschaft noch vor den Allzuroten. Und während also die politischen Schwergewichte nun hart um das künftige Wohlergehen der Nation, um eine Taschengelderhöhung fürs Volk und um Posten und Pöstchen für sich selbst verhandeln, ist es die Familie Quandt, die uns zeigt, wie unsere soziale Marktwirtschaft tatsächlich funktioniert. So schamlos wie sich ein nackter Regenmantelträger im Stadtpark erschrockenen Damen präsentiert, zeigen die BMW-Anteilseigner ihr bestes Stück – das große Geld. Gerade trat Angela Merkel zugunsten der deutschen Autoindustrie in Brüssel bei den Abgasnormen auf die Bremse, schon folgten gewaltige Geldgeschenke für ihre Partei. Das ist weder verboten, noch taktisch unklug, es ist ganz einfach obszön, wie offenherzig hier demonstriert wird, wer in unserem Gemeinwesen Koch und wer Kellner ist.


Sebastian Köpcke

Ein Beitrag von Sebastian Köpcke

Grafiker, Illustrator, Kuriositätensammler und Ausstellungsmacher. Geistiger Vater von Müggula, dem Biest aus dem Müggelsee, und anderen schlimmen Abscheulichkeiten. Zitat: „Nicht über unseren Köpcke hinweg.“