Taverna Ilios

Mein Weib, die schönste aller, völlig wahnsinnig. Lehnt doch ernsthaft eine Ouzo-Begrüßung ab? Und das bei knallender Sonne! Auf dem Hof.

Sonne, ich hasse Sonne. Sonne, Sonne, Sonne. Langweilig. Wie Essen in deutschen griechischen Restaurants. Kitsch. Deko. Hätte mir alles so schön saufen können. Auf Kosten der Großfamilie, natürlich. Mannmannmann, sitze in der Sonne und hasse es. Achilles weg. Kenne niemanden. Die Karte ist voll, voll vom Typischen. Weiß eigentlich jemand von euch Drecksäcken, was typisch ist? Bei Stassi, am Meer, bei Costas auf der Klippe! Griechisch. Da muss ich zu Oma in die Küche. Die verstehen nichts. Ich verstehe nichts. Die kennen nicht mal das Zeug, was hier auf der Karte ist. Oder nennen es einfach anders. Aus Prinzip schon. Guerilla- Kämpfe ums Essen. Um Köstlichkeit. Ums Leben in kulinarischer Vollendung. Und hier? Nur bestellen. Taverna Ilios. Wenn Ilios nicht gleich kommt, dann Stelle fest: Ilios ist da. Ganze Zeit schon. Brennt von oben, unbarmherzig, dafür kommt Obergrieche, barmherzig. Plaudert von seiner Oma. Frage, ob ich bei Oma in den Topf schauen darf. Verneint. Oma nicht da. Oma in Griechenland. Steht nur in der Karte. Langweilig. Ober plaudert weiter. Vernehme etwas vom Oktopus, aus Karte. Wieder Oma.

Bester in Berlin. Aha! Nun hab ich ihn. Freue mich, nun kann ich nörgeln; Mann, kann ich Von Jacob Kalliebe *ilios = Sonne nörgeln! Das Zeug nehm ich. Grieche ahnungslos. In Fahrt. Plaudert immer noch. Bestelle mittlerweile alle Mezes von der Karte. Obergrieche freut sich über mein Griechisch. Dass ich nicht lache. Komme damit normalerweise nicht mal an Essen ran, in Griechenland. Hält mich wohl für total naiv. Das wird abgerechnet. Ober oder Grieche nun völlig glücklich! Schwärmt von so ner Makrele, nicht in der Karte. Wieder Oma. Nun hat er mich. Am Haken. Bin verloren. Wenn das Zeug gut ist. Ausgenörgelt. Aber wenn das Zeug nicht gut ist. Dann Krieg! Gegen die Helenen. Griechenober will noch mal Ouzo loswerden. Aber nun nicht mit mir. Frage nach Zipero. Bekomme wissendes Lächeln! Dann Zipero. Und was für einen Zipero. Den besten. Seit Volos. Hier in Germanien. Ilios sein Dank. Phantastisch. Mein Hirn fängt an zu schwimmen. Langsam wird’s griechisch. Könnte Urlaub sein. Nun darf er plaudern. Versuche bei seinen Mädels einen Kaffe zu bekommen, süß, heiß, griechisch! Scheitere. Obergrieche versucht es selber. Wunderbar. Wieder Oma schuld. Beginne nun doch, mich aufs Essen freuen zu müssen.

Mezes kommen, Tisch zu klein. Teller zu groß. Lecker ist’s, normal. Typisch griechisch in deutsch, einiges selbst gemacht, herrlich.

Oktopus kommt. Gegrillt. Heiß. Auf Ruccola. Na gut. Merke, bin nicht bei Oma Griechenland. Sonst lecker. Aber wirklich. So was von lecker. Worte schwinden. Sitzen, mein Weib, die Wunderbare, und ich. Schmatzen.

Makrele kommt. Gegrillt. Kalt. Mariniert. Im Ganzen. Mein Weib, die liebste aller, lehnt ab. Wegen Gräten! Hurra! Haue rein, allein! Hurra auf des Griechen Oma. Gräten, so fein, kann man mitessen. Fühle mich zu Hause, griechisch. Tisch läuft über. Essen. Zipero. Griechen. Alles da. Musste um mein Essen kämpfen! Aber das Zeug, was nicht in der Karte steht, muss ich haben. Nun? Gewonnen! Ohne Krieg. „Ist es nicht zu viel, hat es nicht gereicht.“ (griech. Sprichwort) Es war zu viel. Viel zu lecker!