Ende der 70er Jahre gru?ndete David Knopfler die Dire Straits und feierte mit seinem Bruder Mark Knopfler große Erfolge weltweit.

Wie viele Alben hast du bisher aufgenommen? Welches ist deine Lieblingsplatte und warum?

Knopfler: Wenn ich die Dire Straits dazu zähle und die diversen Sachen, die ich fu?r andere Ku?nstler oder Filme machte, nicht dazu zähle, komme ich auf 13 Alben: drei mit den Dire Straits und zehn Solo-Alben. Ich habe keinen wirklichen Favoriten, aber ich habe eine Vorliebe fu?r „Wishbones“ (CD Paris 8), da es das erste Album war, bei dem ich ein Orchester und viele echte akustische Instrumente wie wirkliche Pianos, akustische Gitarren und qualitativ hochwertige Studios einsetzen durfte. Diese Möglichkeiten werden heutzutage immer unerschwinglicher fu?r Ku?nstler wie mich.

Seit wann spielst du zusammen mit deinem Lead-Gitarristen Harry Bogdanovs? Wie habt ihr euch kennengelernt?

Knopfler: Harry und ich lernten uns ca. 1980/81 kennen, als ich fu?r eine Sängerin eine Platte produzierte und sie ihn als ihren Keyboarder und Songwriter engagiert hatte. Ich liebte sein Songwriting, wir haben uns damals gleich sehr gut verstanden und sind seitdem privat gute Freunde und auch musikalisch Kollegen geblieben. Er hat eine wunderbare Art, genau die richtigen Noten zu spielen, um meine Songs perfekt zu ergänzen und den Song irgendwie noch sympathisch zu erweitern. Diese Art sich zu ergänzen habe ich bisher nur selten erlebt. Es liegt daran, dass wir uns musikalisch wirklich sehr gut kennen und verstehen. Auch war Harry jetzt auf Tour und im Studio mit Marius Mu?ller-Westernhagen – das hat meiner Meinung nach auch noch einen weiteren Aspekt zu dem, was er in unsere Band einbringt, hinzugefu?gt.

Du hast eine umfangreiche Tourvergangenheit – gibt es irgendwelche Auftritte, die du als „legendär“ bezeichnen wu?rdest?

Knopfler: Also als „legendär“ wu?rde ich eher König Arthur oder Ulysses bezeichnen. Kann ein Rockkonzert wirklich als „legendär“ gelten? Wahrscheinlich nicht – viele sind sicherlich einprägsam oder Details davon unvergesslich. Harry ist da eher der Mann mit dem riesigen Gedächtnis, der könnte da sicher genaue Daten und Orte nennen. Als legendär könnte man es eventuell bezeichnen, Hendrix das erste Mal im fru?hen 1967 gesehen zu haben.

Du hast bereits regelmäßig in Europa und auch vor allem Deutschland getourt. Hast du besondere Verbindungen zu Land und Leuten?

Knopfler: Deutschland war fu?r mich schon immer ein sehr angenehmer und dankbarer Ort, um zu touren und fu?r private Besuche. Es scheint mir eines der wenigen Länder zu sein, wo in unserer Branche eine persönliche Vereinbarung, welche anfangs vielleicht nur per Handschlag gemacht wurde, auch sicher zu 100% zum Tragen kommt. Ich habe Deutschland bereits so oft besucht und bereist – hätte ich es nicht versäumt, die Sprache zu lernen – ich wu?rde es sicher auch als ein Zuhause fu?r mich bezeichnen. Ich weiß, es ist ein Klischee, aber deutsche Zuschauer sind wirklich bedeutend aufmerksamer, hören auch genauer der eigentlichen Musik zu und wissen diese einzuordnen und zu schätzen. In London z.B. ist ein Konzert immer eher ein gesellschaftliches Ereignis, wobei das Outfit, die Frisur und die dazugehörige Szene weitaus wichtiger als die Musik selbst zu sein scheinen.
Die Hälfte meiner Vorfahren entstammen dem Gebiet des fru?heren sterreich-Ungarn, und umso mehr ich die Welt bereisen darf, umso kleiner scheint sie mir zu sein und umso weniger bin ich bereit, ein Land den anderen aus irgendwelchen Gru?nden zu bevorzugen. Das heutige Deutschland, gerade wegen seiner einzigartigen Geschichte, Erfahrung und Entwicklung, ist fu?r mich auch ein Musterbeispiel dafu?r, wie man heutzutage ein gesundes, kritisches Maß an Nationalbewusstsein zu Tage tragen kann. Auch wie man es politisch schafft, nicht allzu weit auf den sklavischen Gehorsam der Neo-Konservativen, die ju?ngst die Weltwirtschaft ins Wanken gebracht haben, herein zu fallen, zeigt eine gesunde Sicht der Dinge. Ansonsten freuen wir uns wie gesagt auf unser Publikum und sehen uns demnächst mit der elektrischen Gitarre im Gepäck!