Ideen zur Sauberkeit

hainkot11

Ich bin bekennende Friedrichshainerin. Zwar bin ich in Köpenick geboren, lebe aber nun schon zehn Jahre im Kiez zwischen Ostkreuz und Warschauer Straße. Das Gebiet ist berühmt-berüchtigt für seine hohe Hundedichte mitsamt den dazugehörigen stinkenden Haufen. Oder sollte ich „war berühmt“ schreiben? Seit ein paar Jahren tut sich hier nämlich was… Hundehalter (von denen man es nun eigentlich am wenigsten erwartet hätte) haben sich durch mehrseitige Anträge gekämpft und am Ende EUGelder erhalten, um das Gebiet um den Boxhagener Platz mit Tütenspendern für Hundekot zu bestücken. Die Spender werden über ein Patenschaftsmodell ehrenamtlich befüllt, die BSR hat mitgezogen und mehr Mülleimer aufgehängt. Der Erfolg ist spürbar: weniger Haufen auf der Straße, weniger Kacke am Schuh und immer mehr Hundehalter, die die Tüten nicht mehr missen möchten. Und das trägt dann natürlich zum entspannteren Miteinander mit den wenigen Leuten bei, die hier keinen Vierbeiner haben. Neulich habe ich mal wieder meinen Bruder im schönen Friedrichshagen besucht. Und mit meinem wohnortbegründeten auf tierische Exkremente geschulten Blick musste ich verwundert feststellen, dass nicht wenige Hundehaufen am Straßenrand lagen. Das hatte ich hier nicht erwartet. Verwundert gehe ich zum Vorsitzenden der Friedrichshagener Werbegemeinschaft, Tobias Apelt, und frage: „War das schon immer so?“ Der sagt, ihm ist aufgefallen, dass die Häufchen auf den Straßen und öffentlichen Grünanlagen Friedrichshagens deutlich zugenommen haben und ihn „störe das massiv“.Das Thema beschäftigt Tobias Apelt aber nicht erst seit gestern. Die Werbegemeinschaft ist ein Verbund vom Gewerbetreibenden, Freiberuflern und Künstlern. Sie will den einzigartigen Standort Friedrichshagen stärken und seinen Naherholungs- charakter betonen. Und in diesem Zusammenhang kam auch das Thema Hunde und ihre Hinterlassenschaften schon zur Sprache. Tobias Apelt wünscht sich, dass Tütenspender mit integriertem Mülleimer im Kiez aufgestellt werden. Er glaubt: „Wenn alle paar hundert Meter so ein Ding steht, wird sich niemand mehr trauen, seinen Hund einfach so ins Gebüsch zu schicken, man macht’s von vornherein weg.“ Aber mit seiner Idee fühlt er sich noch ziemlich allein. Zwar hätte der Bezirk relativ offen auf eine Anfrage der Werbegemeinschaft reagiert, es gleichzeitig aber verpasst, diese darüber zu informieren, dass eine Ausschreibung für ein Pilotprojekt diesbezüglich laufe, sagt Apelt. Als er dann davon erfuhr, war das Bewerbungsverfahren bereits abgeschlossen. Gleichwohl, der Bezirk hat zumindest moralische Unterstützung zugesagt, nur kosten darf es wie immer nichts. In kreativen Momenten denkt nun Apelt schon darüber nach, selbst Tütenspender mit integriertem Müllbehälter zu bauen und diese dann – mit Genehmigung natürlich – in Friedrichshagen aufzuhängen. Aber vielleicht ist das ja gar nicht nötig. Denn vorstellbar, wäre auch, solche Tütenspender im Patenschaftsmodell zu finanzieren.Das heißt, es müssten sich Gewerbetreibende oder Privatpersonen finden, die bereit sind, diese Idee mit Engagement und möglichst einem kleinen finanziellen Betrag zu unterstützen. Interessierte können sich jederzeit gern an die Werbegemeinschaft wenden, verspricht Apelt. Ein Problem bereitet dann allerdings noch die Entsorgung des stinkenden Unrats. Denn die in die Tütenspender integrierten Müllbehälter würden nicht von der BSR geleert werden. Hier sieht der Vorsitzende der Werbegemeinschaft wieder den Bezirk in der Pflicht. Er wünscht sich, dass das Hundekotmobil, das sowieso schon für die Sauberkeit auf Friedrichshagens Straßen unterwegs ist, in das von ihm geplante Projekt mit eingebunden wird. Ich fühle mich informiert und bin zuversichtlich, dass das Konzept des Vorsitzenden der Werbegemein- schaft aufgeht. Denn: Die Sauberkeit Friedrichshagens müsste ja eigentlich jedem Anwohner am Herzen liegen!?! Und in Friedrichshain hat es ja schließlich auch ganz gut geklappt.