In allen (angehenden) Berliner Szenebezirken sieht man mittlerweile Graffitis, wie: „Schwaben raus“, „Yuppies verpisst euch“ oder „Touristen fisten“. Der rasante soziale Wandel in der Innenstadt lässt für die linksradikale Szene neue Feindbilder entstehen. Ebenso wie sich die Occupy-Protestler das eine Prozent als Personifizierung allen Übels auserkoren haben, richtet sich der Kampf gegen Gentrifizierung direkt gegen die sogenannten „Zujezojenen“. Es werden Fenster von Cafés in Neukölln eingeworfen oder neue Hotels in Friedrichshain mit Farbe eingedeckt, um eben jene Neuankömmlinge wieder aus der Stadt zu vertreiben.

Als Initiative gegen diese „linke Fremdenfeindlichkeit“ gründete sich vor kurzer Zeit die „Hipster Antifa Neukölln“. Sie selbst stammen alle aus der linken Szene und sind teilweise seit Jahren in dieser aktiv. Ihr Motto lautet: „Für die Aufwertung der Kieze – für mehr Bars, Soja-Latte, Wifi und Bio-Märkte! Luxus statt Armut – Antifa heisst Fortschritt – Smash Heimatschutz!“ Die Hipster Antifa stellt sich die Frage, wer eigentlich zu diesem Kollektiv Berlin dazugehört und dazugehören darf. Name und Programm der jungen Leute ist eine Mischung aus Provokation und ernsthafter politischer Arbeit. So sind sie nicht wirklich als Progentrifizierer zu betrachten, sondern vielmehr verlangen sie eine Reflexion der Logik, dass einzelne Menschen(gruppen) für einen strukturellen Wandel und steigende Mieten zur Verantwortung gezogen werden können. Ihnen ist gleichzeitig nicht daran gelegen, mit ihrem Fokus auf „Fremdenfeindlichkeit“ gegen Schwaben, Hipster, Yuppies und Touristen, andere gesellschaftliche Gewalten, wie Rassismus oder Antisemitismus zu relativieren. Stattdessen machen sie innerhalb der Berliner radikalen Linken ein neues theoretisches Feld auf und versuchen dieses zu besetzen. Dabei bewegen sie sich vor allem in der digitalen Welt und veröffentlichen beispielsweise auf Facebook Bilder von „fremdenfeindlichen“ Stickern oder Graffitis. Auf ihrem Profilbild sieht man drei US-amerikanische Soldaten, die sich in einer zerbombten deutschen Stadt zuprosten – darunter der Spruch: „Tourists, hipster, everbody ist welcome – Party like it´s 1945“. Weit über 2000 Menschen gefällt die Seite; Tendenz stark steigend.

In ihren Bemühungen gegen Kiezpatriotismus und verkürzter Kapitalismuskritik stehen die Hipster Antifas nicht alleine. Die Initiative „AZE – andere Zustände ermöglichen“ stieg mit ihrer Plakataktion „Spot the Touri“ in dieselben Fußstapfen. Auf dem Plakat sind zwölf verschiedene Personen abgebildet. Die ironische Aufgabe besteht darin, aus diesen Personen, den Touri, also den „offiziellen Sündenbock für hohe Mieten, laute Feierei und Mangel an Deutschtum“ herauszusuchen. Es wird sich zeigen, wie erfolgreich die beiden Gruppen ihr Anliegen vertreten können. Wünschenswert wäre es allemal.