Gott sei Dank, die Ferien sind zu Ende! Ich weiß nicht, wer behauptet hat, dass das die schönste Zeit des Jahres sei. Es muss jemand ohne Kinder gewesen sein.

Ich gebe zu, die Kita-Erzieherinnen haben eine mehrwöchige Pause mehr als verdient. Aber es ist schon eine Herausforderung, 21 Tage am Stück und gefühlte 30 Stunden am Tag vierjährige Schlaumeier zu bespaßen. FEZ, Tierpark, Abenteuerspielplatz, schwimmen gehen… alles schon tausendmal gemacht. In der Elternschaft hatte sich Panik breit gemacht. Hektisch wurden Urlaubs- und Arbeitszeiten abgeglichen. Wer kann wann, wie viele Kinder gleichzeitig mit Kleckerburgenbauen und Eis selber machen bei Laune halten? Binnen kurzem wurden logistisch ausgefeilte Kinderaustauschprogramme aufgezogen. Omas, Opas, Tanten, Schwippschwager – alle mussten ran: Damit die Eltern arbeiten, an Weiterbildungen teilnehmen oder in Ausnahmefällen sogar mal ins Freiluftkino gehen durften.

Und so kam es, dass die kleine Lisa vormittags bei der Oma war und ihr beim Event „Marmelade kochen“ helfen durfte und nachmittags dann die Mutter von Jule nicht nur ihr eigenes Kind, sondern auch Lisa, Nele, Torben und Marie von dem Versuch abhalten musste, wahlweise den alten Kater im Planschbecken zu ertränken oder die hundertjährige Tanne im Garten abzufackeln. Im Austausch dafür durfte die kleine Jule dann mal bei der Lisa übernachten. Mit der Folge, dass am Ende der Nacht zwei Erwachsene wie die Zombies mit zwei quietschvergnügten Marmeladenbrotmörderinnen das häusliche Schlachtfeld verließen, um in eilends herbei telefonierten Selbsthilfegruppen Anschluss an weitere Opfer der Kita-Schließzeit zu finden. Am Ende der Ferien sagte mein Kind zu mir: „Mama, ich glaube, ich werde nicht erwachsen – als Kind fühle ich mich wohler.“
Prima.


Anke Assig

Ein Beitrag von Anke Assig

Diplomierte Berlinerin mit Drang ins wildwüchsige Brandenburg. Sucht, hinterfragt, schreibt, liest und singt gern. Buddelt gelegentlich Pflanzen ein und aus. Zitat: "Das wird schon!"