Ich atme ein, tief ein. Sauge die Luft regelrecht auf, schmecke sie. Erinnerungen kommen hoch, schöne Erinnerungen. Ich bin wieder ein Junge, hier hab ich gespielt, hab Höhlen gebaut, bin als „Letzter Mohikaner“ über den Boden gerobbt, hier hab ich zum ersten Mal Tabak probiert, habe mich mutig mit meinem kleinen Fahrrad (im Winter mit ebenso kleinem Schlitten) die Todesbahn hinunter gestürzt und hier hab ich zum ersten Mal gespürt, dass die Natur ein Teil von mir ist. Hier kannte ich jedes Geräusch, jeden Weg. Jeder Tag war ein Abenteuer, ein nie enden wollendes Spiel. Ich öffne die Augen. Moose, Farne, kleine Pilze, trockenes Gras, Laub und Nadeln bedecken den Boden. Ich weiß, irgendwo hinter mir ist der Müggelturm, und wenn ich ein Stück geradeaus laufe und mich links halte, komme ich am Müggelsee raus, dem großen, immer etwas unheimlichen, bedrohlichen, vor allem wenn man bei Dämmerung in ihm badete. Plötzlich hinter mir ein Knacken…

Aus dem Augenwinkel sehe ich eine Gestalt, die mit ihrer rechten Hand nach irgendwas Glänzendem in ihrem Gürtel greift. Der Mohikaner in mir schreit: „Ein Colt!“ Instinktiv ducke ich mich und laufe in Richtung Wasser. Verdammt, was war das und wer war das? Der Typ sah aus wie Brad Pitt!? Weit und breit ist niemand sonst zu sehen. Dünne trockene Äste zerkratzen mich, Spinnweben in meinem Gesicht (das hab ich noch nie gemocht), ich erreiche den breiten Weg am See. Auch hier niemand. Egal. Auf zum Spreetunnel und durch, dann auf die Bölschestraße, da sind immer ein paar Leute. Puh, geschafft. Immer wieder ein seltsames Gefühl, unter der Spree durchzulaufen, und Menschen sind immer noch nicht in Sicht. Ab zum Supermarkt, da ist auf alle Fälle jemand. Kurzer Spurt und nichts wie rein.

Erst mal beruhigen und lässig durch die Regalreihen schlendern. Na bitte, da sind ein paar Späteinkäufer. Seltsam nur, dass alle Frauen entweder gänzlich nackt sind oder nur im Slip oder sonst wie entblößt. Auch bewegt sich hier niemand außer mir, fast so, als sei die Zeit für alle anderen stehen geblieben. Ein seltsam schöner Anblick. Dumpfes Poltern lässt mich erschreckt hochfahren. Die Fernbedienung meines DVD-Players ist mir aus der Hand gerutscht und hat mich aufgeweckt .Was für ein Traum! Wenn ihr wissen wollt, welche Filme ich gerade träumerisch verwoben habe, hier mein Tipp für diesen Monat: „Die Ermordung Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ mit Brad Pitt und „Cashback“ (genau, Supermarkt!). Beide Filme mit tollen Bildern zum Träumen eben. Also dann, schöne Träume auch für euch und geht mal wieder raus ins Grüne (auch traumhaft schön so manche Ecke), und solltet ihr im Wald Brad Pitt treffen, achtet auf das blitzende Ding in seiner Hand, vielleicht ist es nur sein Stift zum Autogramme geben, aber vielleicht auch nicht. Bleibt gesund und schaut mal rein, euer Mathias.
M+M Videothek Bölschestraße