Benutzt die Wände!

Der Neubau für die Müggelsee-Grundschule in Berlin-Friedrichshagen
Die altehrwürdigen Bäume auf dem Schulgrundstück der so genannten Filiale der Müggelsee-Grundschule in Friedrichshagen wurden bereits im Februar gefällt. Im Oktober wird das Baufeld von den planenden Architekt:innen übernommen und im Januar ist Baustart für die neue Schule, die im Schuljahr 2022/ 23 einsatzbereit sein soll. Damit gehört der Schulneubau am Müggelsee zur Berliner, die 2016 startete und bis 2026 rund 5,5 Milliarden Euro in die Berliner Schulen investiert. Mehr als 60 Objekte müssen neu errichtet, mehrere hundert saniert, um – und ausgebaut werden. Allein mehr als 32 Bauten werden in Holzmodul-Bauweise (HOMEB) gebaut. Der Schulneubau in Friedrichshagen wird vom Frankfurter Architekturbüro NKBAK ausgeführt. Zwischen dem bisherigen Gebäude und dem Neubau ist es ein Quantensprung.
Schulgebäude in Holzmodul-Bauweise. Standortbeispiel: Bernhard-Grzimek-Schule Lichtenberg
Schulgebäude in Holzmodul-Bauweise. Standortbeispiel: Bernhard-Grzimek-Schule Lichtenberg
Wie schon während der Wohnungsnot der siebziger Jahre und im Schulbau der DDR werden hier zeitsparende Montagebauweisen eingesetzt. 50 Jahre später sind diese Module, die meist vor Ort zusammengesetzt werden, variantenreicher, ästhetischer und nachhaltiger. Oft sind sie heute aus natürlichen Rohstoffen hergestellt. Die beiden Büro-Chefs Nicole Berganski und Andreas Krawczyk sind erfahren im Umgang mit Holz. Kitas, Wohnhäuser und Schulen sind ihre Tätigkeitsfelder. Dabei kommt ihnen zugute, dass sie einige Jahre in Japan arbeiteten. Schließlich ist Japan weltweit herausragend im ästhetischen Bauen mit Holz, der Anteil des Holzhausbaus liegt in Japan derzeit bei 45 Prozent. Auch Umbau, Sanierung und Denkmalschutz sind dem Architekturbüro vertraut. Krawczyk ist außerdem im Städtebaubeirat der Stadt Frankfurt/ Main und gibt seine Erfahrungen im Bauen mit Holz als Professor wie auch auf Vorträgen in ganz Deutschland weiter. Nicole Baginski studierte an der TU Berlin und sammelte wichtige Erfahrungen beim renommierten, international agierenden Büro sauerbruch hutton Architekten Berlin/ London. Nun also Einsatzgebiet Berlin-Friedrichshagen.

Abrissbagger rückt im Mai an

Im Mai ist Schlüsselübergabe für den Ersatzbau auf dem Sportplatz des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums. In einem Containerbau werden die Kinder zwei Jahre lang lernen und auf ihrem täglichen Schulweg ab Januar 2022 beobachten können, wie ihr neues Schulhaus wächst. Die temporäre Lösung war alternativlos, weil der Altbau dem Neubau weichen muss. Im Mai rückt auch der Abrissbagger an, um den bestehenden Bau, einen Übergangsbau, der nie als Schulgebäude errichtet wurde und nur für sieben Jahre gedacht war, abzutragen. Danach folgt der Bodenaustausch des kontaminierten Bodens. Mit mehr als 50 Metern Länge, 20 Meter Tiefe und zehn Meter Höhe ist der Neubau viermal so groß wie der Bestandsbau. Auf drei Etagen sind 16 Klassenzimmer, zwei Lehrerzimmer, WCs auf allen Etagen sowie eine Mensa mit Küche untergebracht. Hier soll zukünftig das Essen ausgegeben werden. Damit entfällt für die Schüler:innen der Spaziergang zum Hauptgebäude und der dort in der ehemaligen Turnhalle untergebrachten Mensa.
„Die Schwierigkeit an unserer Schule ist ja, dass wir zwei Schulstandorte haben. Wir hatten für den Standort in der Bruno-Wille-Straße lange Zeit den Wunsch, den Bestandsbau abzureißen.“
„Es war ohnehin nur ein Übergangsbau und kein Schulgebäude. Auf Dauer wurde er viel zu klein. Nun bekommen wir sogar einen großen Neubau. Ich freue mich“ sagt der Schulleiter Bernd Möhlmann.

Holzmodule aus Köpenick

Auf dem Schulgelände Ecke Rahnsdorfer Straße/ Bruno-Wille-Straße entsteht ein Typenbau und das ist ein Kompromiss. „Der Neubau wirkt meiner Ansicht nach nicht übergestülpt, auch wenn der Denkmalschutz da städtebaulich Bedenken hatte“ sagt der Schulleiter. Denn Typenbauten sind standardisiert und nehmen keine Rücksicht auf die umgebende Bebauung, die hier vornehmlich aus 30-er Jahre Siedlungsbauten, 70er Jahre Plattenbauten und Wohnhäusern aus der Gründerzeit besteht. Vor allem geht der Neubau auf Kuschelkurs mit dem in direkter Nachbarschaft stehenden denkmalgeschützten Gerhart-Hauptmann-Gymnasium. Der Riegelbau wird in der gleichen Achse zum Gymnasium errichtet, sodass der Blick für die Passanten nicht verstellt wird, das ist wiederum eine städtebauliche Qualität. Mit dem großen Schulneubau verändert sich auch die Anmutung des reinen Wohngebietes. Diesen Typenbau haben die Architekt:innen schon mehrfach gebaut, allein dreimal in Berlin. Das Gebäude wird aus hinterlüfteten Holzmodulen, die in einer Werkhalle in Berlin-Köpenick gefertigt werden, zusammengesetzt. Zeitsparender und umweltfreundlicher könnte der Weg zur Baustelle nicht sein. Entwickelt wurden die Module gemeinsam mit Kaufmann Bausysteme aus Österreich. Die reine Modul-Aufstellung, also das Zusammenbauen der Schule, dauert nur zwei Wochen.
„Das ist natürlich auch eine sehr kurze Lärmbelästigung für die Anwohner.“
sagt Andreas Krawczyk. Während die anderen Typenbauten eine Holz-Aluminium-Fassade erhielten, ist dieser Bau komplett mit Holz verkleidet. Das war der Kompromiss mit dem Denkmalschutz, sagt Ruoxi Shen, die planende Architektin des Frankfurter Büros, das für die Integrierte Sekundarschule in Mahlsdorf den Berliner Holzbaupreis 2019 erhielt. „Ab Oberkante Bodenplatte ist alles aus Holz: die Fassade, die Innenräume und sogar der Aufzugsschacht. Die einheimische Fichte kommt zum Einsatz und zwar unbehandelt“ sagt der Architekt. „Das habe ich bei den österreichischen Architekten gelernt. Sie verwenden ihr einheimisches Holz aus dem Bregenzer Wald, ohne Lasur, ohne Lack, ohne Öl.“

Mehr Licht, weniger Lärm

Bei einer Pressekonferenz der Senatsverwaltung für Bildung vor drei Jahren wurde die Schulbauoffensive Berlin vorgestellt. Anwesend waren nicht nur Bauleute, sondern auch Lehrer:innen, die sich mit dem Hauptproblem ihres Berufslebens zu Wort meldeten: Lärm. „Um den Schall zu dämmen, haben wir perforierte Wände im Einsatz. An den Decken wirken Heraklit-Platten schallschluckend“ sagt Architektin Shen. Man hat bei so genannten kalten Materialien einfach längere Nachhall-Zeiten. „Nicht nur die Klassenräume, auch die Flure haben wir mit Schallschutz-Elementen belegt.“ Denn dort sind die Schüler:innen ja viel lauter als in den Klassenräumen. Auch Licht ist ein wichtiger Wohlfühl-Faktor an der Schule. Die Klassenzimmer liegen in Ost-West-Ausrichtung. Bodentiefe Fenster mit einem außenliegenden Sonnenschutz werden über eine elektronische Steuerung bedient.
„Damit können wir auch eine Nachtlüftung garantieren. Man muss ja einen ständigen Luftstrom herstellen, da eine Holzbauweise wenig Speichermasse hat.“
Auch während der Unterrichtsstunde ist Luftaustausch durch die automatisierte Technik möglich. Damit werden auch die Lehrer:innen an die regelmäßige Be- und Entlüftung erinnert. Die reine Bauzeit beträgt nur sieben Monate inklusive Bodenplatte. Zwar ist der ausgetauschte Boden nicht gleich tragfähig, da der kontaminierte Boden tiefer ausgetauscht wird. Außerdem müssen Wärme- und Wasseranschlüsse geschaffen werden. „Doch wir nehmen den Termin der Übergabe sehr ernst, denn durch die Modul-Bauweise sind die Termine sehr gut kalkulierbar“ sagt Krawczyk. „Ich verschenke bei der Übergabe immer eine 1000er Packung Reißzwecken und ermuntere die Schüler zum Umgang mit ihrem Gebäude und sage: Benutzt die Wände!“

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