fine_photo_print2Rezensionen lagen mir noch nie besonders, das war bei Büchern so und hat sich bei Filmen nicht gebessert. Da soll man objektiv einen subjektiven Eindruck verkaufen, es Redaktion und Künstlern gleichzeitig recht machen und – was am wichtigsten ist – ehrlich sein. Also bin ich einfach mal ehrlich: Ich habe mit Pop nix am Hut! So, jetzt ist es raus… Da kann ein zweites Mal nicht schaden: Obwohl ich Gordon Boerger seit mehr als zehn Jahren kenne, habe ich von fine das erste Mal gehört, als die Anfrage für dieses Bandporträt kam. So viel zu mir und meiner musikalischen Launigkeit. Ganz anders meine Freundin: Sofort grub sie die erste Scheibe der Band NEW BORN CHILD aus einem Karton und begann hemmungslos die einprägsamen Textpassagen und Refrains vor meinen Ohren auszubreiten. Tatsächlich sprengt das Repertoire von fine zweifellos die Grenzen des Pop-Genres. Gekonnt und mit verspielter Leichtigkeit verbinden Matthias Schemiczek, Ralf Brockmann, Thomas Meyer, Robert Lehmann und Gordon Boerger treibende Gitarrenriffs und anspruchsvolle Klavierpassagen. fine klingen mal nach Endsiebziger Funk, dann wieder nach den großen Tagen von Bono und U2, nach Tool oder zeitgenössischeren Erscheinungen wie den Strokes. Ein musikalisches Bilderbuch ist auch das Album LEAVING PAST geworden, wie der Vorgänger bei motor-digital erschienen. Die englisch vorgetragenen, eindringlichen Ansagen des Gesangs werden umspielt und getrieben von Schlagzeug, Hammondorgel und Fender Rhodes, ohne ihre eigene Dynamik einzubüßen. Vor allem die Treue der Musiker zu eher abgestandenen Instrumenten macht den Reiz von fine aus – hier wird ECHTE Musik gemacht. Und das Handwerkszeug haben die Jungs ohne Frage. Bevor sie sich im Jahr 2005 zusammenschlossen, spielten sie in verschiedensten Formationen von Punk über Rock bis hin zu Soul und Jazz. Nichts davon bleibt bei fine auf der Strecke. Und somit bestätigt sich wieder einmal ein altes Klischee: Die ländlichen Gegenden, zu denen Köpenick ohne Frage zu zählen sein dürfte, halten es mit bodenständiger, manchmal ruppig anmutender Einfachheit und Originalität – da ist kein Platz für Konservenmusik und Retortenkunst á la Dieter Bohlen. Was hier zählt ist Liebe und Leidenschaft, and this is just fine.

Aktuelles Klanggut: LEAVING PAST / motor-digital

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