Der Hotelführer

Der Friedrichshagener Regisseur Leander Haußmann hat wieder einen Film gedreht
Was war schon alles zu lesen über den neuen Film von Leander Haußmann – auch diesmal wieder gescheitert, zu ängstlich, zu seicht, kein Knaller wie Inglorious Basterds und erst recht kein Lubitsch! Die Maulbeerblatt-Redaktion ist dennoch vorbehaltlos angetreten, um sich selbst ein Bild zu machen. Hier unser Befund:
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Jürgen Vogel als Gröfaz
Auf der Flucht aus der braunen Reichshauptstadt Berlin landet der Komödiant Hans Zeisig im roten Moskau. Das Hotel LUX erweist sich leider nicht als sichere Herberge sondern als ein Ort des Grauens, an dem sowohl der russische Geheimdienst als auch die prominenten Gäste selbst für totale Überwachung sorgen. Mit Gespür für die historischen Fakten lässt Haußmann die Elite der deutschen Kommunisten auflaufen… Wilhelm Pick, Walter Ulbricht, Hans Eisler, Herbert Wehner. Sie alle haben das Hotel LUX überlebt, um im Nachkriegsdeutschland ihre spätere Bestimmung zu finden. Michael ‚Bully‘ Herbig hat sich mit seiner Rolle einen wirklichen Gefallen getan. Dem leichtlebigen Unterhaltungskünstler, der zunehmend mit der tödlichen Realität konfrontiert wird, verleiht er in jeder Szene einen glaubhaften Ausdruck. Das Gleiche darf man sämtlichen Darstellern attestieren. Die düstere, dichte Atmosphäre und die morbide Ausstattung leisten das ihre. HOTEL LUX ist wirklich großes Kino. Eine seichte Komödie ist es nicht. Leander Haußmann hat verstanden, dass es nicht nötig ist, dem Affen Zucker zu geben, sich nach jeder Pointe zu bücken und für einen Lacher seine Akteure der Lächerlichkeit Preis zu geben. Es wäre womöglich verlockend gewesen, die historischen Figuren stärker zu überzeichnen, damit wir uns heute noch etwas mehr auf die Schenkel schlagen können. Haußmann verzichtet jedoch bewusst darauf und so tritt der Irrsinn des Ortes und der Wahnwitz der kommunistischen Religionsgemeinschaft in ihrer stalinistischer Geiselhaft in um so offensichtlicherer Lächerlichkeit zutage – in den alltäglichen Notwendigkeiten, dem Aufdrehen des Wasserhahnes, wenn man ein vertrauliches Wort wechseln will, oder auch dem ständigen Wechsel von Spruchbändern und Transparenten. Das Finale des Films ereignet sich am Tage der Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion. Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt. Es wäre jedoch kein Haußmann-Film, würde er nicht dennoch zu einem Happyend finden. Dafür waren wir besonders dankbar.

Editorial

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