Kriseninvestition

Alf Ators ultimativer Anlagetipp
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die nächste große Wirtschaftskrise steht vor der Tür. Viele Millionen - ach, Milliarden! - Menschen werden in bittere Armut gestürzt, ihre Jobs verlieren, hungern, frieren etc…
Alf Ator singt mit seinen Freunden am Feuer
Vignette: Alf Ator
Doch das gilt nur für die Doofen. Ich dagegen gehöre zu den Schlauen, die gewappnet sind. Ich habe mich vorbereitet. Ich werde überleben! Ja, eine gesunde Skrupellosigkeit, gepaart mit Intelligenz und Kreativität, war schon immer ein evolutionärer Vorteil. Und jetzt kommt meine Stunde, ihr erbärmlichen Versager da draußen! Aber wer denkt, ich hätte mir einfach nur Gold gekauft und meinen Keller mit Vorräten vollgestopft, der irrt. Das kann ja jeder. Zugegeben, mehr oder weniger umfangreich. Gold ist teuer, aber ein Keller voll mit Konserven, Nudeln und Klopapier ist hierzulande für fast jeden machbar. Und einige haben sich ja tatsächlich schon eingedeckt.  

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  Das Problem aber ist: Wenn es erst mal losgeht, werden Räuberbanden durch die kalten Straßen ziehen und euch eure Vorratskeller leerräumen. Und dann steht ihr wieder vor dem Nichts. Polizei wird es nicht mehr geben, weil sie niemand mehr bezahlen kann. Ihr seid diesen Arschlöchern schutzlos ausgeliefert. Außerdem: Wenn Wasser, Strom und Gas abgestellt sind, kann man nicht mal mehr kochen und heizen wird auch schwierig. Und was ist nun mein Geheimrezept? Habe ich mir eine Villa gekauft und sie mit Mauern, Stacheldraht und Überwachungskameras gesichert? Mit Notstromaggregat und Luftschutzbunker? Nein, so reich bin ich nicht. Und auch nicht so blöd, jedem Menschen optisch entgegenzuschreien: „Guck mal, hier gibt es was zu holen!“ Man sollte ja auch die Räuberbanden nicht unterschätzen. Wie sagt man so schön:
Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg!
Nein, meine Überlebensstrategie ist viel cleverer, perfider, undurchsichtiger. Sie basiert auf psychologischem Geschick, der Fähigkeit, meine Umwelt zu manipulieren. Quasi eine Verschwörung in kleinem Rahmen. Eigentlich sollte man geheime Pläne für sich behalten, aber in diesem Fall ist es gewissermaßen eine Investition in ein Produkt, dessen Wert steigt, je mehr Leute es ebenfalls für vielversprechend halten. Und als geborener Angeber kann ich auch gar nicht anders, als es euch genüsslich unter die Nase zu reiben. Also: Ich werde überleben, weil IHR mich mit durchschleifen werdet! Ihr werdet mich zum Essen einladen, mich an euren warmen Öfen sitzen lassen, mir Wollsocken stricken und mich vor den bösen Räuberbanden beschützen. Und wie stelle ich das an? Wie kann ich eure Gehirne so waschen, dass ihr das freiwillig tut? Die Antwort: Ich werde das auch für euch tun. Ich fange jetzt schon damit an. Ich helfe meinen Nachbarn, verborge mein Auto, lade meine Freunde öfter mal zum Essen ein, lasse ältere Menschen im Supermarkt vor, brülle andere Autofahrer nicht an, bloß weil sie mal einen Fehler machen, bin freundlich und verständnisvoll, lasse in Diskussionen den anderen ausreden… und vor allem:
Ich versuche, mit meinem Verhalten meiner Umwelt zu suggerieren, dass man auch gut über den Tag kommt, wenn man sich nicht um jeden Vorteil kloppt.
Zugegeben, das ist kein leichter Weg. Vielleicht sogar schwerer als die Anhäufung von Sachwerten. Aber wenn es klappt, komme ich durch die dunklen Monate besser als jeder bemitleidenswerte Millionär, der den ganzen Tag mit der Knarre am Fenster hocken muss. Nein, ich werde zwar arm sein, aber umgeben von freundlichen Menschen, und wir werden alle zusammenrücken, Lieder am Feuer singen und so lieb zueinander sein, dass dieses wohlige Gefühl der Einheit und Geborgenheit den zeitweiligen Mangel an Wohlstand als nebensächlich erscheinen lassen wird. Ja, das Unterfangen ist gewagt, und es kann auch richtig schiefl aufen. Vielleicht klappt es eine Woche lang, und dann siegt der Hunger über die Nächstenliebe. Aber wie es sich für einen Vollblutkapitalisten gehört, glaube ich an mich und meine Fähigkeiten, habe nur die sagenhaften Renditen im Blick, gehe aufs Ganze, nehme jedes Risiko in Kauf. Denn ich habe gewissermaßen BLUT GELECKT!

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