Marcel Piethe

Die Idee der VideoBustour ist so einfach, dass man sich wundert, warum noch niemand früher drauf gekommen ist“ kommentierte Martin Pallgen von der RBB-Abendschau etwas verwundert – und anerkennend – am 29. April 2004. Weiter: „Der Videobus ist anders als die anderen Touristenbusse. Denn er zeigt nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern auch noch die bewegten Bilder dazu.“ Seine Kollegin Henriette de Maiziere ergänzt im ZDF Morgenmagazin: „Eine echte Entdeckungsreise!“

Mit ein, zwei schnellen Klicks google ich mir die eine oder andere Information aus dem Internet – und werde langsam richtig neugierig, was nun eigentlich dieser VideoBus ist. Denn zugegeben: So richtig verstanden habe ich es immer noch nicht. Auf ihrer Internetseite verspricht die Agentur, Multimedia und Sightseeing zu verbinden. Dabei sein soll auch ein Guide, der fachkundig zu sein verspricht. Ich lasse mich überraschen, und einigermaßen gut vorbereitet gehe ich also auf meine persönliche Entdeckungsreise durch Berlin.

Unter den Linden Nr. 40 ist Start der Tour. Noble Adresse, denke ich, und hoffe, das Angebot hält diesem Anspruch auch stand. Begrüßt werde ich von Arne Krasting, dem Geschäftsführer, der heute die Tour begleitet. Der Bus ist gut gefüllt und ich finde mich wieder im Gewusel einer Handvoll netter Kinder von neun, zehn Jahren, die ihre Unruhe und latente Ablehnung gegen das von ihren Eltern auferlegte Bildungsprogramm für den heutigen Nachmittag und eine gewisse Erwartung merklich zum Ausdruck bringen. Ansonsten sind Mitreisende jeden Alters an Bord.

Los gehts. Vier Monitore erblicke ich im Bus und ein schnelles überschlagen mit der Zahl der Anwesenden sagt mir, dass auf zehn, zwölf Gäste ein Bildschirm kommt. Fein, denke ich mir, der Platz ist gut, das Logo flimmert bereits, und vorne wird nun auch gesprochen.

Schon am Brandenburger Tor werde ich das erste Mal richtig aufmerksam. Einiges, was da auf den Bildschirmen zu sehen ist, kenne ich noch nicht. Alte Stiche, die das Tor im 18. Jahrhundert zeigen, Napoleon, wie er die Quadriga raubt – aber auch Vertrautes: Die Nazis mit ihren Fackeln im Vorbeimarschieren, eine fähnchenschwenkende Rotarmistin und natürlich: die freudetaumelnden Menschen `89 auf der Mauerkrone.

Jetzt gehts in rasantem Tempo durch die Zeit: Die Friedrichstraße der 20er Jahre rauscht an uns vorbei, am Schlossplatz sehe ich das Berliner Stadtschloss zum ersten Mal so richtig und höre den alten Kaiser Wilhelm reden, wie er die Leute zu den Waffen und in den Krieg ruft. Das war 1914 und wirklich: Ich komme mir vor, als sei ich mit einer Zeitmaschine durch die Vergangenheit geschleudert. Etwas schwindlig ist mir dabei, aber ich gewöhne mich schnell daran – und finde Gefallen!

Oder wechselweise nach draußen, wo sich jetzt ein sechsstöckiger Plattenbau aus DDR-Zeiten erhebt. Dort hat einmal Adolf Hitlers Neue Reichskanzlei gestanden – und wir bekommen sie sogar von innen zu sehen und in Farbe! Nicht viel später sehe ich die Mauer und all die hässlichen Grenzanlagen wieder; sie haben die Stadt noch vor ein paar Jahren zerrissen. Und dann fährt John F. Kennedy an mir vorüber und schnoddert „Isch bin oin Börliner“.

Marcel Piethe ist Mitbegründer der Videobustour. Er ist Friedrichshagener und kehrte nach einem Studienaufenthalt in Jena schnurstracks an den Müggelsee zurück. Mit seinem Geschäftspartner bei der Agentur Zeitreisen, Arne Krasting, und mit Andreas Dahrendorf, dem Gründer der Firma Tourismus Medien Produktion und Erfinder der VideoBustour, entwickelte er in den letzten fünf Jahren das bis heute weltweit einmalige Produkt für den Tourismusmarkt.

Gemeinsam mit Andreas Dahrendorf hat Arne Krasting in den letzten Jahren unzählige Stunden bei der Auswahl der Filme und beim Schneiden zugebracht. Früher, erzählt Marcel Piethe, haben sie mit einem Bus ihres Partners BerlinMobil den „Versuchsballon“ steigen lassen. Das war vor vier Jahren. Mittlerweile fährt eine kleine Flotte der VideoBusse durch Berlin.

Neuester Clou der drei ist eine Tour zur Geschichte der Filmstadt Berlin. Sogar die FAZ berichtete in einem ganzseitigen Bericht im April diesen Jahres über die neue Tour des VideoBusses. Andreas Dahrendorf erzählt von der Freude, die das Team bei der Entwicklung dieser neuen Zeitreise durch Berlin hatte. Nirgendwo anders als im VideoBus kann man so unmittelbar den Vergleich von Original und Fiktion einer Stadt erleben. Am Gendarmenmarkt läuft Steve Coogan alias Phileas Fogg auf seinem Weg „In achtzig Tagen um die Welt“ durch London, während sich der gemeine Berlin-Tourist in der Sonne badet.

Die mittlerweile unvermeidliche Lola rennt durch Berlins Häusermeer und über Baustellen, die es schon lange nicht mehr gibt. Ein Franz Bieberkopf in Schwarzweiß erklärt den Alexanderplatz auf dem harten Pflaster der Tatsachen der 20er Jahre und wird aus luftiger Höhe assistiert von Annekatrin Bürger, die einer amerikanischen Besuchergruppe von der Plattform des Fernsehturms aus die „Hauptstadt des ersten Arbeiter-und-Bauern-Staates“ verklickert. aber Katrin Sass schwebt ein Lenin, der früher hier mal ganz in der Nähe stand und ein Weltbild zementieren helfen sollte.

Aber einem Dutzend Filme spürt der VideoBus auf der „Filmstadt Berlin“-Tour nach. Ein rollendes Kino, das mich einlädt, spannende Geschichten anzuhören.

Der VideoBus ist mittlerweile selbst eine Erfolgsgeschichte geworden. Seit wenigen Wochen fährt er nun auch in Hamburg – und findet überwältigenden Anklang in der Heimatstadt von Andreas Dahrendorf und Arne Krasting.

Und ein Ende der Reise ist nicht abzusehen. „Natürlich haben wir weitere Pläne und sind bereits dabei, diese umzusetzen. Städte wie München oder Wien sind genauso spannend für unser Projekt wie ganze Kultur-Regionen, ich denke da vor allem an Mitteldeutschland und das Ruhrgebiet“ sagt Marcel Piethe.

Und so ist es vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, bis die Crew vom VideoBus auch die Erlebnismöglichkeiten „Hinter der Weltstadt“, bis der videoBus Friedrichshagen entdeckt.


Zur Autorin: Peggy Prien, Jahrgang 1973, arbeitet als Journalistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin. Die VideoBus-Tour im Internet: www.videobustour.de. Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Beitrag und zur Idee einer VideoBus-Tour! Haben Sie vielleicht auch schon einmal an der Tour teilgenommen?

 


Marcel Piethe

Ein Beitrag von Marcel Piethe

ist Historiker und Publizist. Er leitet die Agentur Zeitreisen – und wenn er Zeit hat, erkundet er mit www.videobustour.de die Welt. Zitat: „Man kann nicht alles wissen. Man muß nur wissen, wo es steht.“