roland_bless

Nur mit der Band hat’s nicht mehr geklappt.

Eigentlich will ich einen ironischen Text schreiben. Ein bisschen mit Augenzwinkern und nicht sehr ernst. Als ich diesen Typen am anderen Ende der Leitung habe, so bei sich, gebe ich mein Vorhaben schnell auf.

„Ich bin ich.“ Das ist der rote Faden, der sich durch das Gespräch zieht, das ich mit Roland Bless führe. Roland Bless ist Gründungsmitglied der Band Pur, war mehr als drei Jahrzehnte dort Schlagzeuger, außerdem Manager bis in die 90er Jahre, hat auf den kleinen und ganz großen Bühnen Deutschlands gespielt und eigentlich alles erreicht, was er sich als Musiker nur wünschen konnte, musikalisch wie finanziell wahrscheinlich auch. Seit der Trennung von der Band im Jahre 2010 tourt er durch Deutschland mit seinen Songs und hat ein Soloalbum mit dem Titel „Zurück zu euch“ veröffentlicht. Nun kommt er ins Seebad Friedrichshagen. Anlass also, sich mit dem Stuttgarter über das zu unterhalten, was ihm wichtig war und ist.

Ich komme nicht umhin, ihn nach seiner Vergangenheit mit Pur zu fragen und nach dem, was für ihn bleibt. Er beschreibt die Anfänge als gemeinsames Erwachsenwerden und Wachsen. Sie kämpfen ums Überleben und finanzieren die erste Platte mit zusammengesammeltem Geld. Es ist eine gute Zeit mit Auftritten in amerikanischen Klubs, mit gecoverten Songs von Pink Floyd bis Deep Purple, der Weiterentwicklung eigener Lieder und Auftritten, die ihm, wie im Quasimodo in Berlin, im Kopf geblieben sind. Die Stimmung im Publikum mitzubekommen, ist ihm wichtig. Das geht auf großen Bühnen nicht so gut. Zu dieser Zeit ist die Trennung von Pur für ihn nicht vorstellbar, als sie anliegt, spricht er davon, dass sie sich musikalisch und menschlich auseinander gelebt hätten. Er stellt die Schuldfrage nicht, wie auch, und dennoch wird immer wieder deutlich, dass er nicht mehr gestalten kann, sich musikalisch nicht mehr entwickeln. Soloauftritte sind für ihn nicht möglich. Die Unzufriedenheit mit der Situation am Ende kommt zum Ausdruck, zum Beispiel, wenn er beschreibt, wie die Band sich nach den Auftritten in ihre schwarzen Limousinen setzt und ins Hotel fährt, um an der Bar noch ein Glas zu trinken. Ihm fehlt die Nähe zu den Fans nach dem Konzert, direkte Eindrücke und Gespräche über Persönliches und Politisches.
Er könnte sich gelassen zurücklehnen, doch er möchte den Menschen, die ihn in die Lage versetzt haben, von seiner Musik zu leben, seinen Beruf zum Hobby werden zu lassen, etwas zurückgeben: authentisch, engagiert und emotional.

Er spielt Gitarre, Klavier und Schlagzeug und macht Musik, die beim Schreiben eines Songs immer mit einer Atmosphäre beginnt: etwas Bedrohlichem, einem Liebesgefühl oder einem sozialen Missstand. Er möchte die Menschen an seinem Leben teilhaben lassen, erzählt in seinen Konzerten die Geschichten um die Entstehung seiner Lieder.

Roland Bless engagiert sich für SOS-Kinderdörfer, hat in der Passionskirche in Berlin ein Konzert gegeben. Das Eintreten für Kinder ist ihm wichtig. Er sieht als Vater einer 17-Jährigen und eines 15-Jährigen den Leistungsdruck an Schulen und die damit verbundene Ausgrenzung. Und wie er es nennt, die „Stahlkappen an den Ellenbogen“. Das Projekt heißt „Gemeinschaft für starke Kinder“ mit dem er in Schulen, gemeinsam mit einer Psychologin, in Gesprächen und mit Musik auf Themen wie Ausgrenzung und Menschen am Rande aufmerksam machen will. Er leistet seinen Beitrag und möchte etwas zurückgeben. Roland Bless ist fest verwurzelt im süddeutschen Raum.
Auf die Frage, warum denn nun das Konzert in Berlin, meint er, als Manager hätte er sich wahrscheinlich früher über Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt an Berlin herangepirscht. Nun nicht mehr. Berlin sei charismatisch, die Bandbreite an Veranstaltungen hier riesig. Das mag er. So wie das Spielen auf kleinen Bühnen. Immer mit der Nähe zum Publikum. Also der direkte Weg. Pur eben.

Foto: Murat Aslan Berlin


27.11. 2015, 20:00 Uhr
Eintritt 19,50 € zzgl. VVK Gebühr
Kulturvollzugsanstalt im Seebad Friedrichshagen
Müggelseedamm 216, 12587 Berlin