Wenn der weiße Flieder…

schachDie Blütenpollen fliegen wie verrückt. Eigentlich geht es mich ja nichts an, aber wieso sind die einen glücklich, während andere fast ersticken? Puh jedenfalls sieht aus wie Bacchus nach dem dritten Schlaganfall. Geschwollene, verschleierte Augen, lila rote Gurkennase – , und der zerknautschte Gesamteindruck wird von einem erbärmlichen Raucherhusten komplettiert. Nur, er hat nie geraucht! Er tut mir leid, ehrlich. Alle, selbst Piepsi, schleichen so vorsichtig wie möglich an seinem abgedunkeltem Zimmer vorbei. Wir hoffen auf den Flieder. Weil wenn der Flieder blüht, gehts ihm wieder gut. So war es immer, frag nicht! Ich versuche ihn etwas aufzubauen und biete ihm ein Partiechen an. Gequält sagt er zu, und wir beginnen zu spielen. Plötzlich wird mir die Last meiner Verantwortung bewusst, ich muss auf jeden Fall verlieren, aber er darf die Absicht nicht merken. Ich wachse über mich hinaus, lasse mir einen Turm wegschnappen, gucke traurig vor mich hin – kurzum er merkt nichts. Triumphierend macht er einen Zug, und es kommt zu der folgenden Stellung:

Plötzlich kommt Ma strahlend ins Zimmer, der wunderbare Duft von unserem frisch erblühtem Fliederbaum zieht durch den Raum, Puh geht es augenblicklich gut, nur ich sitze vor meiner jetzt völlig sinnlos ramponierten Stellung. Aber einen Zug hab ich noch! Was kann ich tun? Schreib mir, bitte!

Liebe Grüße, Clarissa

Clarissa@schach-friedrichshagen.de


maulbeerblatt ausgabe 69 Editorial

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