Es ist jedes Mittel recht

Seltsame Dinge geschahen anfangs dieser Woche in Berlin Köpenick. Union-Chef Coach „Uns Uwe“ Neuhaus begann seinen Arbeitstag an der „Neuen alten Försterei“ und lief sich die vom Rausch des Siegens benebelten Gedanken frei, als plötzlich vier breitschultrige Herren in schwarzen Anzügen auf ihn zutraten und in eine bereitstehende Limousine drängten. „Man verband mir die Augen und die Fahrt ging kreuz und quer durch die Stadt“ , so Neuhaus.

Man brachte ihn in eine mit Villen bebaute Umgebung, möglicherweise den Grunewald, und führte ihn in einen protzigen Kasten mit Kiesbettauffahrt und automatischem, schmiedeeisernem Tor. Das Namensschild war mit Paketklebeband verdeckt. „Im Inneren der Villa führte man mich ins Badezimmer und forderte mich auf, ein Bad zu nehmen, gab mir frische Kleidung und hieß mich wohlfühlen. Die Situation wirkte auf mich grotesk, die ständige Präsenz der vier Muskelmänner war einschüchternd, doch fühlte ich mich zu keiner Zeit bedroht“ , so Neuhaus. „Ich nahm einen Schluck des mir angebotenen Tees und verlor darauf das Bewusstsein. Als ich aufwachte, fand ich mich in meinem Auto vor meiner Wohnung.“ Die ärztliche Untersuchung, der sich Neuhaus nach dem Anschlag unterzog, ergab, dass ihm während der Bewusstlosigkeit Blut entnommen wurde.

Die Polizei nahm die Ermittlungen auf und sogleich führte eine Spur ins Berliner Milieu rund um einen hier nicht namentlich zu nennenden Charlottenburger Fußballclub. Der nach kurzer Zeit in Haft genommene Fußballfan Horst M. zeigte sich geständig und gab an, dass man Neuhaus nicht nach der Gesundheit trachtete. „Wir wollten ihm nichts Böses“ , so M. Man erhoffte sich aus der Blutprobe Erbgut von Neuhaus zu gewinnen, um ihn von durchgeknallten Medizinstudenten der Berliner FU klonen zu lassen. Der zweite „Uns Uwe“ wäre dann als Trainer fu?r den sich verzweifelt im Abstiegskampf abmühenden Berliner Erstligisten einzusetzen.

Unionfans sind die härtesten Fans der Welt“ , sagt Horst M. „Waren sie schon mal in der Alten Försterei und wurden von denen ausgepfiffen?“ Um eine Schande im direkten Vergleich bei Punktspielen zu vermeiden, ist den Westberliner Fans anscheinend jedes Mittel recht. Das man nicht mit dem Siegen aufhören wird, das haben die stets bis zum Letzten kämpfenden Jungens aus Köpenick unter der Regie ihres Meistertrainers bewiesen. So besiegte man im August den 1. Liga Spitzenverein Schalke 04, führt gemeinsam mit St. Pauli seit Beginn der Saison auf einem Aufstiegsrang die Liga an, und nach dem schwer erkämpften 5:4 Sieg gegen Mitaufsteiger Paderborn skandierte die Alte Försterei geschlossen und mit Stolz geschwellter Brust: Siehste Hertha, so wird das gemacht!