…nicht mit den Füßen in ’ner Wolke – wer das Engagement der Bürgerinitiative „Pro Musikschule in Köpenick“ gegen die Standortschließung der Musikschule zum 31.12. 2012 und das Agieren des Bezirksamts interessiert verfolgt hat, wünscht sich sicherlich, dass die bereits vor Jahrzehnten vom bekannten Liedermacher G. Schöne gesungenen Worte Wirklichkeit werden.

Die Gelegenheit, sich den Fragen, Argumenten und Meinungen der betroffenen Eltern, Musikschullehrer und -schüler zu stellen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, hätten die Bezirkspolitiker und das Bezirksamt u.a. bei der Versammlung des Fördervereins der Musikschule am 15.6. und am Stand der Bürgerinitiative am 17.6. gehabt. Leider haben sie diese in der Mehrzahl nicht genutzt. Das erinnerte schon ein wenig an den Namensgeber der Musikschule, Joseph Schmidt, der einst (wenn auch in einem gänzlich anderen Zusammenhang) anmerkte: „Niemand will bittere Wahrheit hören – damals und heute!!!“ Stattdessen drängt sich der Eindruck auf, dass hier ein Konzept in kürzester Zeit „durchgepeitscht“ werden soll – und Zeitdruck hat Konzepten und Projekten noch nie gut getan!

Die Bürgerinitiative ist seit der Bekanntgabe der Standortschließung aktiver Gast auf den Bezirksverordnetenversammlungen und den Fachausschuss- Sitzungen. Unzählige Fragen nach den Entscheidungsgrundlagen, zum Ist-Zustand der Musikschule und zum künftigen dezentralen Konzept wurden gestellt, jedoch in der Regel nicht oder nur unzureichend beantwortet. So blieb bislang die zentrale Frage der tatsächlichen finanziellen Ersparnis, sollte das Gebäude abgegeben werden, vollkommen unklar. Jede Nachfrage führte zu neuen Widersprüchen. Die Angaben schwanken zwischen 22.500€ und 163.500€ im Jahr. Die zusätzlichen Kosten für das vom Bezirksamt geplante Modell, den Musikschulunterricht an die Schulen auszulagern, wurden bisher nicht ermittelt. Das heißt, weder die Ersparnis noch die entstehenden Kosten sind genau bekannt. Aufgrund dieser unsicheren Faktenlage haben die zuständigen Fachausschüsse der BVV eine Entscheidung über den im Juni eingebrachten Einwohnerantrag zum Erhalt des Musikschulstandortes vertagt.

Ein vorläufiges Konzept zur Dezentralisierung, welches mehr Fragen aufwirft als es Antworten gibt, liegt inzwischen vor; eine öffentliche Informationsveranstaltung ist allerdings – noch ohne konkretes Datum – erst für den September vorgesehen! Damit haben 850 Schüler und ihre Eltern frühstens drei Monate vor der Standortschließung Gelegenheit, dem Bezirksamt zu signalisieren, ob sie hinter dem Konzept der Dezentralisierung stehen oder sich anderweitig nach Unterrichtsangeboten umsehen.

Um endlich eine Institution zu schaffen, bei der Vertreter der Lehrer, Eltern, des Fördervereins und der Bürgerinitiative gleichberechtigt und ohne Hierarchie miteinander reden, sich zuhören, mögliche Alternativen auf den Prüfstand bringen und in sachlicher Form Zahlen, Fakten und Argumente austauschen können, hat die Bürgerinitiative vor der letzten BVV-Sitzung um die dringende Einberufung eines Runden Tisches gebeten. Dieser Bitte wurde sogleich vom derzeit zuständigen Stadtrat, Herrn Hölmer, entsprochen, und so wird es ihn nach den Sommerferien geben – den Runden Tisch! Wünschenswert wäre hier sicher ein Ergebnis, welches einerseits die Wirtschaftlichkeit der Musikschularbeit im Blickfeld hat, andererseits den Erhalt des breiten Spektrums der traditionsreichen musikalischen Bildung und Erziehung im Stadtteil Köpenick berücksichtigt.

Alle aktuellen Infos, Dokumente und Kommentare zum Thema sowie das vorläufige dezentrale Konzept der Musikschule finden sich auf der Internetseite der Bürgerinitiative unter www.promsk.wordpress.com.

 

Anmerkung der Redaktion: Nach zwischenzeitlicher Darstellung des Bezirksamtes erfolgen durch eine Schließung des Standortes Friedrichshagener Straße jährliche Einsparungen zwischen EUR 119.000 und 163.500, im Durchschnitt von EUR 141.000.  Aus Sicht der Redaktion beinhaltet eine solche isolierte Berechnung von Kosteneinsparungen jedoch nicht die erforderlichen Kosten, welche bei diesem Gebäude auch bei Nichtnutzung, insbesondere aber auch durch erforderliche Nutzungen bei neuen Gebäuden und Räumen entstehen.