Holundereis, Birkenbier und weitere Überraschungen
Der Spreepark soll zum Ort für Erholung, Kultur und Kunst werden

Die Arbeiten werden Jahre dauern, Besucher sollen schon jetzt neugierig gemacht werden

Freunde des Spreeparks können sich freuen: Von Anfang Juni an sollen die beliebten, aber oft ausgebuchten Führungen über das Gelände im Plänterwald ausgeweitet werden. Zahlenmäßig, aber auch konzeptionell: Fünf Künstler sollen den Besuchern dann auf den geführten Touren einen Vorgeschmack darauf liefern, was in dem 23 Hektar großen, einstigen Vergnügungspark geplant ist: Er soll ein Ort werden, an dem Kunst auf Natur trifft.

So sieht es der Rahmenplan für den Neustart des Spreeparks vor, der jetzt vorgestellt wurde. Bis das Konzept umgesetzt ist, wird es zwar noch Jahre dauern. Richtig gebaut werden kann erst, wenn der dafür notwendige Bebauunbgsplan vorliegt, was frühestens in zwei Jahre sein wird. Bis dahin wird bei den Führungen häppchenweise vorgeführt, was die landeseigene Grün Berlin GmbH, die gemeinsam mit Landschaftsarchitekten und Kunst- sowie Tourismusexperten die Zukunft des Geländes plant, vor hat.

Das erste Häppchen soll es am 2. Juni geben: Dann werden bei den Führungen  Speisen angeboten, bei denen Pflanzen aus dem Spreepark verarbeitet werden, wie Grün-Berlin-Projektleiter Christian Pfeuffer sagt: „Es gibt auch Holundereis und Birkenbier.“ Anmelden für diese so wie andere Führungen kann man sich unter gruen-berlin.de


Oasen der Ruhe und Orte für Veranstaltungen

„Der Spreepark soll wieder zugänglich werden, nicht mehr als Rummelplatz, sondern als ein Ort der Überraschungen“, sagt die politisch zuständige Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). Es solle ein „Park für alle“ werden, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbunden würden, heißt es.

Oasen der Ruhe sind ebenso vorgesehen wie Orte, an denen Konzerte, Lesungen und Ausstellungen stattfinden oder wo gepicknickt und gespielt werden kann. Die Vergangenheit soll nicht aussortiert werden, sagt die Senatorin. Sämtliche Reste von Fahrgeschäften und Gebäuden werden nicht abgerissen, sondern neu genutzt.

Vieles steht nicht mehr, einige Karrussells hatte der letzte Betreiber mit nach Peru genommen, die meisten der verbliebenen Fahrgeschäfte wurden vom Insolvenzverwalter nach 2002 abgeräumt. Gebäude fielen zusammen oder wurden wie Großteile des das Englischen Dorfes  Opfer von Brandanschlägen.

Doch es gibt noch Vergangenheit.  So sollen die Reste der  einstigen Familien-Achterbahn „Spreeblitz“ zum „Catwalk“ werden. Eine Anspielung auf das noch immer bunt leuchtende Katzenmaul, aus dem einst die Wagen mit den Fahrgästen heraus geschossen kamen.

Auf den geschwungenen Stahlschienen soll ein Steg entstehen, auf dem man bis über die Baumwipfel wandeln kann.

Auch die einstige Wildwasserbahn mit dem künstlich angelegten „Grand Canyon“ und die ehemalige Schwanenfahrt sollen zu Spazierwegen im Grünen ausgebaut werden.

Das einzige Fahrgeschäft, das wieder in Betrieb gehen soll, ist das 45 Meter hohe Riesenrad. 1989, kurz vor dem Ende der DDR, hatte es mit seinen 40 Gondeln einen kleineren Vorgänger ersetzt. Die Grundkonstruktion sei noch in gutem Zustand, sagt Projektleiter Pfeuffer. Steuerungs- und Antriebstechnik aber müssten erneuert werden. Und ob in den ebenso notwendigen neuen Gondeln wieder Menschen sitzen werden  oder ob sich allein kunstvoll arrangiertes Grün beim Drehen im Wasser spiegeln wird, ist noch unklar.


Natur ist ein großes Thema im Rahmenplan

Der  beeindruckende Wildwuchs der vergangenen 17 Jahre sowie die  zahlreichen geschützten Tiere, die seither dort eine Heimat gefunden haben, gelten als bewahrenswert. Immerhin haben Experten auf dem Gelände 75 Laufkäfer-, 80 Wildbienen- und 108 Spinnenarten gezählt. Sie und die weitere Tiere und  Pflanzen sollen geschützt werden, weshalb ein neues Wegesystem geplant ist, das nicht verlassen werden darf.

Rückzugsorte soll es auch für die künftigen Besucher geben, die Ruhe suchen. Spielmöglichkeiten für Kinder sind überall im Park vorgesehen, dafür sollen auch Kletterelemente und Rutschen auf alte Gebäude aufgesetzt werden. Die alte Toilettenanlage könnte entkernt werden und Interessierten als geschützter Ort zum gemeinsamen Gärtnern dienen. Aus der ehmaligen Saurierwiese soll ein Picknick-Ort werden, und die ehemalige Selbstbedienungsgaststätte aus DDR-Zeiten, die nach dem fränkischen Hersteller Mero-Halle genannt wird und noch als Stahlskelett existiert, ist als Veranstaltungsort vorgesehen. Ebenso die ehemalige Werkshalle am südlichen Parkrand.

Wieder aufgebaut werden  soll das  halbrunde 360-Grad-Kinozelt nahe dem Eierhäuschen, das wieder Ausflugslokal mit Biergarten werden soll. Im Kino soll die Vergangenheit des Vergnügungspark dokumentiert und diverse Filme, die im Spreepark gedreht wurden, gezeigt werden. In zwei weiteren, neuen Gebäuden sollen die Eintrittstickets verkauft und Toiletten installiert werden.

Wie teuer der Parkeintritt sein soll, ist auch noch unklar. „Familiengerecht“  soll er sein, sagt Senatorin Günther. Ebenso unklar ist derzeit die endgültige Finanzierung der kompletten Umbauarbeiten sowie die schwierige Verkehrsanbindung durch das angrenzende Landschaftsschutzgebiet Plänterwald.

Insgesamt 48 Millionen Euro will  sich das Land Berlin den Neustart für den Spreepark kosten lassen. 24 Millionen seien im aktuellen Doppelhaushalt des Landes Berlin eingestellt, sagt die Senatorin. Danach werde geprüft, wie es weitergeht. Ob alle Ideen oder Planerträume dann wirklich umgesetzt werden, wird man sehen.


Der Dialog mit den Bürgern geht weiter

Bei mehreren Werkstatt-Sitzungen waren gut 3.400 Ideen zusammen gekommen. Etliche davon wurden in den Rahmenplan aufgenommen, was die Akzeptanz für die Planer spürbar erhöht hat. Doch es gibt auch Kritik. Dass man im Eierhäuschen Wohnmöglichkeiten schafft, gefällt nicht jedem. Einige fürchten, dass damit Wohnen im Landschaftsschutzgebiet Plänterwald, bislang ein absolutes Tabu, hoffähig gemacht wird.

Oder auch, dass dort

„unkontrollierbare Zustände mit Drogen wie etwa auf dem RAW-Gelände entstehen“

könnten. Vor allem befürchten  Anwohner und Initiativen wie „Pro Plänterwald“ aber Naturfrevel und Verkehrschaos. Denn auf dem Parkgelände sind bis zu 270 Parkplätze vorgesehen, und noch immer steht der Ausbau des schmalen Dammweges, der zum Spreepark führt, im offiziellen Bebauungsplan.

Dieser Passus sei erforderlich, sagt der zuständige Baustadtrat von Treptow-Köpenick, Rainer Hölmer (SPD): „Wir müssen in der Planung eine Pkw-Anbindung nachweisen, sonst ist sie nicht gültig.“ Vorschrift sei, dass zwei Autos problemlos aneinander vorbeikommen. Aber: Je mehr Verkehrsalternativen es gebe, umso größer sei die Chance, dass der Dammweg bleibt wie er ist, weil er nicht die einzige Zufahrt sei.

So ist im Gespräch, die alte Parkeisenbahn zu ertüchtigen und sie als Shuttle zwischen Park und S-Bahnhof Treptower Park zu nutzen. Über einen Schiffsanleger am Eierhäuschen und den Ausbau des BVG-Busnetzes sei man mit den zuständigen Behörden im Gespräch, so Hölmer. Und es werde an mehreren Stellen rund um den Park Orte geben, an denen Leihräder angeboten werden.

Umweltsenatorin Regine Günther, verkehrsmäßig auf der Seite der skeptischen Anwohner,  will ein „intelligentes Mobilitätskonzept“ in diesem sensiblen Naturraum.  Was sie damit meint, bleibt ebenfalls im Unklaren. Mit dem Pkw solle jedenfalls nur kommen, wer gar nicht anders könne.

 

Foto: Karin Schmidl

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