Susi HDJK Köpenick

Wer ist da eigentlich auf den Fotos zu sehen? Für die Fotostrecke „Ein Wiedersehen auf Augenhöhe“ haben wir die Porträtierten kurz interviewt.

 

David

36, Exilbayer … und deswegen wohl auch immer noch Single.


Was war für Dich das wichtigste bzw. einschneidendste oder schönste Ereignis der letzten zehn Jahre?
Die entschiedensten Ereignisse drehen sich wohl um den Wegzug in den Süden, bei den schönsten hatte ich oft Berliner Luft in den Nasenflügeln…wichtig waren sie wohl alle.

Wie hast Du Dir vor zehn Jahren vorgestellt, wie Du in zehn Jahren leben wirst?
Komplett anders.

Was würdest Du Deinem zehn Jahre jüngeren Ich für einen Rat geben?
Du bist gar nicht so fett, aber kümmere dich um deinen Körper.

Was war das Cafe in Köpenick für Dich damals und was bedeutet es Dir heute?
Damals sagte das Cafe zu mir: „Bleib so wie du bist.“, heute sag ich das gleiche zum Cafe.

Das Motto der damaligen Reihe hieß „Too good for your standards“ – hat es für Dich heute, zehn Jahre später, noch Aussagekraft bzw. bedeutet es etwas für Dich?
Heute wie damals die Frage: “Braucht man Standards, um sich an ihnen zu messen?…“

Wie hat sich Köpenick in zehn Jahren verändert?
Standardmäßig?

Was wünschst Du Dir für 2017?
Ein Köpenick im Koffer.

 

 

Ulli

38 Jahre alt, Rechtsanwaltsfachangestellte, einen 9jährigen Sohn und eine vierjährige Tochter


Was war für Dich das wichtigste bzw. einschneidendste oder schönste Ereignis der letzten zehn Jahre?
Obwohl ich mir mit dieser Antwort sehr hausbacken vorkomme: Die Geburt meiner Kinder war das Größte, was ich erlebt habe. Ich wusste vorher einfach nicht, welche Naturgewalt in mir steckt und erinnere mich noch gern an den körpereigenen Hormonrausch, der auf die jeweilige Geburt folgte.

Wie hast Du Dir vor zehn Jahren vorgestellt, wie Du in zehn Jahren leben wirst?
Vor zehn Jahren habe ich noch überhaupt keine Vorstellungen von meiner Zukunft gehabt, war (und ist) mir auch nicht wichtig.

Was würdest Du Deinem zehn Jahre jüngeren Ich für einen Rat geben?
Lass das Studium fahren und werd Rechtsanwaltsfachangestellte! Wobei dieses damalige Vorsichhin-Studieren den Vorteil hatte, mir sehr viele Freiräume zu verschaffen, sodass ich ganz im Berliner „Untergrund“-Kulturwirken aufgehen konnte und wichtige Beziehungen zu vielen tollen Menschen entstanden sind und superschöne Erfahrungen und Erlebnisse passierten. Also doch keinen Rat – oder vielleicht den für die schwachen Stunden damals: Mach dich nicht verrückt, es findet sich.

Was war das Cafe in Köpenick für Dich damals und was bedeutet es Dir heute?
Damals war es mein Leben, also der wichtige Teil davon. Heute ist es die Erinnerung an damals.

Wie hat sich Köpenick in zehn Jahren verändert?
Da stehen auf einmal überall so riesige Betonklötze, in denen entweder ganz viele Leute wohnen oder in denen ganz viel verkauft wird. Ansonsten habe ich nicht mehr so einen Bezug zu Köpenick, weil ich da nur noch durchfahre, wenn ich meine Eltern besuche.

Was wünschst Du Dir für 2017?
Weltfrieden, entspannte Menschen und eine heile Welt.

 

 

Sylvana

36, ganz bald 37. Gelernt habe ich mal den schönen Beruf der Buchhändlerin, den ich fast 15 Jahre ausübte. Jetzt studiere ich Ökolandbau. Anschließend könnte mein Beruf dann also z.B. (Öko)Bäuerin sein. Ich lebe mit meiner Partnerin und 3 Katzen zusammen im wunderschönen Dorf Chorin.


Was war für Dich das wichtigste bzw. einschneidendste oder schönste Ereignis der letzten zehn Jahre?
Das finde ich gar nicht leicht zu beantworten. Schöne Erlebnisse gab es ganz viel. Rückblickend würde ich sagen, dass mich Reisen am meisten geprägt haben und ich das immer als das Schönste empfunden habe. 2007 habe ich aus meinem 40-Stunden Job heraus 30Monate unbezahlten Urlaub genommen und obwohl ich gern als Buchhändlerin gearbeitet habe, hat mich das erlebte Freiheitsgefühl anschließend nicht mehr losgelassen. Später habe ich es dann unerwarteter Weise wieder gefunden als ich, mittlerweile 30jährig, meine Abitur nachholte und nun studiere.

Wichtig war dann für mich als Urberlinerin wohl auch der Wegzug aus Berlin nach Brandenburg. Ich lebe jetzt richtig auf dem Dorf und was ich früher als Albtraum bezeichnet hätte, fühlt sich jetzt einfach richtig an. Vielleicht ist es aber auch gar nicht komisch sich als ursprüngliche Friedrichshagenerin in der Pampa wohl zu fühlen.

Wie hast Du Dir vor zehn Jahren vorgestellt, wie Du in zehn Jahren leben wirst?
Zunächst einmal sicher nicht in Brandenburg auf dem Land. Auch ansonsten hätte ich wohl nie gedacht, dass ich mein Leben, was den Bildungs- und Berufsweg angeht noch mal komplett neu aufziehen würde. Ich dachte also wahrscheinlich, dass ich heute (mittlerweile) total  frustriert und unglücklich Bücher verkaufen würde und mich noch immer über Kund*innen, ärgere die ihre Kaffeebecher auf den Büchern abstellen, Seiten abfotografieren oder bereits gelesene und mit Markierung versehene Bücher wieder zurückgeben wollen.

Was würdest Du Deinem zehn Jahre jüngeren Ich für einen Rat geben?
Entspann Dich. Alles wird gut.

Was war das Cafe in Köpenick für Dich damals und was bedeutet es Dir heute?
Als Teenie war es  einfach „unser“ Jugendclub. Heute weiß ich , dass das Cafe mich nachhaltig (auch politisch) geprägt hat und mir ein gutes Entwicklungsumfeld geboten hat. Im Cafe traf sich schon immer die subkulturelle linke Crème de la Crème Köpenicks und das war damals vor allem saucool. – Obwohl es natürlich trotzdem wilder war, wenn man in der „Stadt“ ausging. – Aber das Cafe war sowas wie unsere heimelige Basis. Ein Teil unseres Zuhauses vielleicht.
Heute freue ich mich wenn ich über sozialen Netzwerke, oder wenn es mich mal nach Köpenick verschlägt, sehe, dass das Cafe offenbar immer noch ein guter Ort für Jugendliche ist, die bunte Haare haben und sich für Dinge, die ihnen wichtig sind engagieren.

Das Motto der damaligen Reihe hieß „Too good for your standards“ – hat es für Dich heute, zehn Jahre später, noch Aussagekraft bzw. bedeutet es etwas für Dich?
Ich mochte die Aussage damals.Ich war irgendwie stolzer,  rebellischer und dachte mir wahrscheinlich, das trifft total auf mich zu: „BÄM! In your face!“.  Heute weiß ich es eigentlich nicht mehr… Es ist natürlich immer noch ein guter Spruch. Aber was sind Standards? Was ist gut? Und warum zu gut?  Und an wen wendet sich das? Vielleicht wendet sich die Aussage ehr an mich selbst. Ich denke, das passt am ehesten, denn die eigenen Erwartungen nerven am meisten und da kann man sich schon mal sagen „Tssss,  dafür bin ich mir zu gut.“

Wie hat sich Köpenick in zehn Jahren verändert?
Heftig hat sich alles verändert. Alles ist schicker geworden und Menschen ziehen jetzt dorthin, weil es so schön grün ist. Aber dis ham wa schon vorher jewusst! Die Ur-Köpenicker sind immer noch so, wie ich sie in Erinnerung habe – ein lustiger aber merkwürdiger Menschenschlag mit bestem Dialekt.

Was wünschst Du Dir für 2017?
Zufriedenheit und Zeit.

 

 

Theresa

38 Jahre,  Studium der Landschaftsnutzung & Naturschutz, ich arbeite auch in diesem Bereich.


Was war für Dich das wichtigste bzw. einschneidendste oder schönste Ereignis der letzten zehn Jahre?
Sportverletzung (2009) mit komplikationsbehafteten Nachwirkungen (2010/2011) kurz nach Gewinn des größten Blechpotts in der norddeutschen Damenwertung. Es hätte auch anders ausgehen können und ich weiß es jetzt viel mehr zu schätzen, dass mein Körper funktioniert.
2015: Fünf Wochen lang auf dem Motorrad durch Skandinavien und das Baltikum gereist. Der Wunsch ging mir schon jahrelang im Kopf rum, bevor ich ihn mir endlich erfüllen konnte.

Wie hast Du Dir vor zehn Jahren vorgestellt, wie Du in zehn Jahren leben wirst?
So weit  in die Zukunft zu denken, habe ich damals eher vermieden.

Was würdest Du Deinem 10 Jahre jüngeren Ich für einen Rat geben?
Mach Dir ’nen Plan. Aber mach Dich nicht verrückt.

Was war das Cafe in Köpenick für Dich damals und was bedeutet es Dir heute?
Als Jugendliche war das Cafe der wichtigste Ort überhaupt für mich. Und ich bin sehr froh, dass es das Haus immer noch gibt.

Das Motto der damaligen Reihe hieß „Too good for your standards“ – hat es für Dich heute, 10 Jahre später, Aussagekraft bzw. bedeutet es etwas für Dich?
Das Motto stimmt damals wie heute. :-)

Wie hat sich Köpenick in zehn Jahren verändert?
Schneller, enger, lauter. Mehr Menschen. Überall wird gebaut. Aber es gibt zum Glück noch viele Orte in Köpenick, die sich wenig verändert haben. Die sind wichtig für’s Heimatgefühl.

Was wünschst Du Dir für 2017?
Für mich persönlich etwas mehr von der Fähigkeit, zufriedener mit dem zu sein, was man hat. Und natürlich Gesundheit, das wird immer wichtiger.

 

 

MO

Alter : aus dem Gröbsten raus / Beruf: Kunstschaffende /Familie: bezaubernd


Was war für Dich das wichtigste bzw. einschneidendste oder schönste Ereignis der letzten 10 Jahre?
Rucksackreise durch 5 Kontinente, meine Berufung gefunden zu haben und seitdem tun, was ich liebe.
Wale in ihren natürlichen Lebensräumen zu beobachten

Wie hast Du Dir vor zehn Jahren vorgestellt, wie Du in zehn Jahren leben wirst?
Glücklich!

Was würdest Du Deinem zehn Jahre jüngeren Ich für einen Rat geben?
Weiter so!

Was war das Cafe in Köpenick für Dich damals und was bedeutet es Dir heute?
Beeindruckend war die Vielfalt an Kreativität der Besucher des Cafes, da war Bewegung und Engagement ohne pädagogisches Zutun. Da wurde gewollt und gemacht. Ich war gern Beobachter.

Das Motto der damaligen Reihe hieß „Too good for your standards“ – hat es für Dich heute, zehn Jahre später, Aussagekraft bzw. bedeutet es etwas für Dich?
Ohne Wertung spiegelt es für mich Einzigartigkeit wieder, keine Zwänge im Sein. Ich fühle mich mit meinen Standards wohl, tatsächlich mache ich mir darüber keine großen Gedanken.

Wie hat sich Köpenick in zehn Jahren verändert?
Ich hänge an vergangene Zeiten in Köpenick, und bedauere die ein oder andere Veränderung. Allerdings kann ich nun objektiv Sinn und Unsinn für all die Veränderungen erkennen.

Was wünschst Du Dir für 2017?
Liebe

Hier gibt es mehr Infos zu MO.

 

 

Susi

alt genug, geht regelmäßig Gassi


Was war für Dich das wichtigste bzw. einschneidendste oder schönste Ereignis der letzten 10 Jahre?
Hund gestorben, Kind bekommen. Beides absolut emotionale Ausnahmezustände der letzten 10 Jahre.

Was würdest Du Deinem zehn Jahre jüngeren Ich für einen Rat geben?
Such dir schleunigst ne preiswerte, ruhig gelegene Wohnung in Köpenick.

Was wünschst Du Dir für 2017?
einen langen Wohnmobil-Urlaub nach Süd/Osteuropa mit vielen meiner abenteuerlustigen Freunde.

 

Conni

Was war für Dich das Wichtigste bzw. Einschneidendste der letzten zehn Jahre?
Ich durfte 2010 (? ich habs nicht so mit Jahreszahlen) mit der „Projektgruppe Westsahara“ in ein saharauisches Flüchtlingslager in Algerien reisen. Ich war dort 4 Wochen. Das hat mich schon nachhaltig beeindruckt in meiner Sicht auf viele Dinge.


Wie hast Du Dir vor zehn Jahren vorgestellt, wie Du in zehn Jahren leben wirst?
Ich habe noch nie große Pläne gehabt. Eher so vage Vorstellungen – ich denke, ich komme meiner Vorstellung von damals schon recht nahe ;) (Wobei mir ein bißchen die Leichtigkeit abhanden gekommen ist – davon hätte ruhig ein bißchen mehr übrig bleiben dürfen.)

Was würdest Du Deiner zehn Jahre jüngeren Ich für einen Rat geben?
Hör auf Deinen Bauch. Der weiß es am besten.

Was war das Cafe in Köpenick für Dich damals und was bedeutet es Dir heute?
Damals war das Cafe mein Dreh- und Angelpunkt. Es war wahnsinnig wichtig für meine/unsere Entwicklung damals. Ich glaube, wir wären andere als die, die wir jetzt sind. Heute ist das Cafe immernoch ein bißchen zu Hause – aber es „gehört“ uns nicht mehr (und das ist ja auch richtig so).

Was wünschst Du Dir für 2017?
10 Kilo weniger? – nee. ernsthaft: Kraft und Ruhe.

Was ist dein Lieblingsplatz in Köpenick?
Da gibts verschiedene – aber am Wasser fühle ich mich immer wohl. Zum Beispiel auf dieser Brücke am Betonwerk in Grünau. Ganz banal.

Wir werden Deine nächsten zehn Jahre aussehen?
Ich werde mich weiter treiben lassen. Ich meine das ernst: große Pläne mache ich mir nicht. Wenn das mit dem Laden klappt, gebe ich dafür alles. Sollte das aus irgendeinem Grunde nicht klappen: na dann wird sich eine andere Tür öffnen. Da vertraue ich drauf. Lief immer so :)

Inwiefern spielt das Älterwerden für Dich eine Rolle?
Hm. Das Älterwerden an sich ist in meinen Augen nicht das Problem. Nur das, worauf es unweigerlich hinarbeitet. Ich meine: wir werden alle irgendwann sterben – jeder von uns. Für manche ist diese Tatsache unbegreiflicherweise tröstend – mir machts jedesmal, wenn ich darüber wirklich nachdenke, eine Wahnsinns-Angst. (Vielleicht ist es ja das, was mich antreibt? Verrückt…)

Fotos: Conni Fieguth


Therese Reinke

Ein Beitrag von Therese Reinke

Wirkt auf den ersten Blick ganz harmlos, aber ein Tier an der Tastatur. Nach langer Zeit im Exil wieder zurück und eine neue Heimat im Schreiben gefunden. Spezialisiert auf einfach Alles. Markenzeichen: peinliche Spotify-Playlists. Zitat: „Nordkind bleibt Nordkind und Windsbraut bleibt Windsbraut.“