Das diesjährige Jugendwort des Jahres – ich weigere mich, es niederzuschreiben, eventuell endet es auf „bims“ – hat uns den Abschied vom letzten Stück Intellekt der „Jugend von heute“ nahegelegt. Doch fällt Abschied immer so schwer? Abschied ist die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Oder die Hoffnung auf kein Wiedersehen. Gequältes Lächeln, verkrampftes Winken – reicht manchmal nicht, um jeglichen Körperkontakt zu vermeiden und sich aus der Abschiedsverlegenheit zu retten. An dieser Stelle also fünf unmissverständliche Verabschiedungsfloskeln, bei denen dein Gegenüber garantiert die Flucht ergreift:

1. „Atschöö mit ö“

Zugegeben, mit Französisch hatten wir es noch nie so. Aber versucht es doch mal mit einem „Adieu!“ und theatralischem Winken. Ihr werdet merken: Jeder nimmt euch ernst. Je stärker ihr winkt, desto seriöser kommt ihr rüber.

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2. „Oh daaaas ist meine!“

Einhergehend mit dem Losrennen über die Kreuzung und der Verrenkung zu einem halbherzigen Winken. Letzteres gilt aber dem Tramfahrer, der sich erbarmt, die Türen noch einen Sekundenbruchteil länger offen zu lassen. Ist wahrscheinlich die falsche Bahn, aber so kann man sich doch geschickt aus dem Verabschiedungsdilemma flüchten. Wenn sich euer Date so verabschiedet, hofft nicht auf ein zweites. Selbiges gilt für jede Art plötzlicher „Ich muss echt ganz schnell weg“-Notfallanrufe. Sagt auf Nimmerwiedersehen.

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3. „Ick wünsch dir wat!“

Der Spruch für wenn’s ma schnell jehn muss. Wird typisch berlinisch im Weglaufen gerufen. Wie 2. in höflicher. Is‘ lieb jemeint, heißt aber allet und nüscht.

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4. „Und sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir uns in Bitterfeld.“ (optional: Bielefeld)

So poetisch auch verpackt – hörst du dies, hast du verkackt. Denn diese Art der Verabschiedung ist doch eher als eine Drohung zu verstehen, bestenfalls als Zusicherung des Nimmerwiedersehens. Denn wer will schon nach Bitterfeld? Viel wichtiger: Wer zur Hölle weiß, wo das liegt? Bei der Bielefeld-Steigerung ist es dann aus mit der Sympathie. Dass man sich nicht in Bielefeld treffen kann, ist allgemein bekannt. Dass man sich womöglich nicht mehr in dieser Welt, sondern im Kuhdorf von B-Feld wiedersieht, sagt also nur Folgendes: „Du kommst in die Hölle. Und ich auch.“

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5. „Tfüüüf!“

Nichts Lieblicheres kann an dein Ohr dringen als der Abschied eines Kindes mit Lolly im Mund. Großzügig streckt es dir seine klebrige Hand entgegen, die einige Minuten zuvor unter größter Anstrengung, irgendwo zwischen Verzweiflung und Wutausbruch, das Stück Zucker aus dem Chupa Chups-Papier befreit hat. Ebenso verabschiedet sich wohl ein Streifenhörnchen, das seinen Haselnussvorrat in den Backen gesichert hat.

Foto: A. Scheel

Lasst euch noch ein bisschen vom Bild des pausbäckigen Streifenhörnchens trösten. Denn dieses Jahr müssen wir schwere Abschiede hinnehmen. Nicht nur den Kastanienbaum in der Bölschestraße mussten wir gehen statt stehen lassen – nun auch noch die Printausgabe dieses schönen Magazins. Aber der Wald und seine Streifenhörnchen werden es uns danken und der Abschied vom Maulbeerblatt ist die Freude auf das Wiedersehen in anderer Form …

 

 

 

 


Anaïs Scheel

Ein Beitrag von Anaïs Scheel

Kulturwissenschaftsstudentin, Weltenbummlerin, Kanadaverliebte. Schreibt am liebsten in lauten Cafés oder im RE zur Uni. Zitat: "Geduld ist Zeitverschwendung."