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Passt mal auf: Ich finde, wir sollten aus der EU aussteigen. Es war ein netter Versuch, aber wir sehen ja, dass es nicht klappt. Der große, starke Staat, entworfen, um die demokratischen Kräfte eines ganzen Kontinents zu bündeln, ist nun leider zum Machtinstrument derer geworden, vor denen er uns eigentlich schützen sollte. Dumm gelaufen. Also nix wie raus da! Allerdings ist Deutschland zu wichtig für Europa, die werden uns nie gehen lassen. Aber vielleicht … Friedrichshagen? Ein unbedeutendes Nest irgendwo am äußeren Rand Berlins, da werden sie bestimmt ein Auge zudrücken. Wir gründen einen eigenen Staat, dann kann der Rest der Welt ruhig in die Sklaverei abdriften.

Eine Frage sollte man sich allerdings vorher stellen: Was für eine Gesellschaft wollen wir hier aufbauen? Es nützt ja nix, sich abzugrenzen, wenn man dann in seinem Kaff dieselben Fehler macht, wie alle anderen. Also schauen wir doch mal, was bisher am besten funktioniert hat. Die perfekte Staatsform gibt es nicht, aber ich glaube, der kalte Krieg war schon eine feine Sache. Zwei konkurrierende Systeme, die aus Imagegründen gezwungen sind, ihrem Anspruch, das jeweils bessere zu sein, gerecht zu werden. Der Westen war so sozial, wie nie zuvor oder danach, und der Osten war eine Art Diktatur Light. Hätten wir geahnt, dass es gar keinen Atomkrieg geben wird, wir wären alle noch glückliche Feinde.

Friedrichshagen hat geografisch die besten Voraussetzungen für ein solches Modell. Wir ziehen eine Mauer von Nord nach Süd. Mitten auf die Bölschestrasse. Oder … naja, die Kirche sollte schon im Westen stehen. So ein Wolkenkratzer passt nicht zum Sozialismus. Also macht unsere Mauer dort einen kleinen Schlenker um die Kirche. Im Gegenzug kriegt der Osten die Plattenbauten der Albert-Schweizer- Straße. Apropos Sozialismus: Das Maulbeerblatt wird natürlich sofort als subversives Schundblatt verboten. Mir doch egal! Meine Ahornallee ist ja im Westen, hähä! Wir haben Aldi, Lidl und Netto, und die Ossis brauchen eh nur die Kaufhalle. Moment, das Rabu ist dann ja im Osten … Juri auch … Der Puff! Das Strandbad! Der Spreetunnel! Scheiße! Der ganze Müggelsee! Das ist unfair. Okay, ich gehe in den Osten und werde Generalsekretär. Dann wird mir bestimmt auch ein Wassergrundstück zugeteilt. Klingt nach einem guten Plan.

PS: Ja, und das Maulbeerblatt wird Zentralorgan.


Alf Ator

Ein Beitrag von Alf Ator

im Nebenberuf Vater von Gott, Songschreiber und Keyboardsmasher bei der etwas anderen Boyband Knorkator. Zitat: „Frauen sind Männersache!“