maulbeerblatt ausgabe 69

Bereits seit gefühlten dreieinhalb Monaten begegnen uns in den Kaufmannsläden der Stadt Aufsteller mit allerlei weihnachtlichen Leckereien. Jetzt könnte man meinen, damit würde nichts weiter als der größtmögliche Absatz an Marzipanbroten, Spekulatiuskeksen und Dominosteinen bezweckt, aber womöglich ist das zu einfach gedacht. Denn mal ernsthaft, wer kennt schon jemanden, der sich an spätsommerlichen Septembertagen heißhungrig sabbernd mit solcherlei Naschwerk eindeckt? Viel eher erlebt man doch diejenigen, die sich Jahr für Jahr über diese künstlich in die Länge gezogene Vorweihnachtszeit empören.

Hier aber kommt dann das äußerst altruistische, noble Ziel von Industrie und Handel zum Vorschein: wir sollen erinnert werden! Man kennt uns dort, man hört uns zu, und man möchte uns mittels dieses Zaunpfahlwinks mit Marzipansteinen, Spekulatiusbroten und Dominokeksen einzig dabei unterstützen, unseren im letzten Dezember getätigten Vorsatz umzusetzen. Damals, als wir uns in der wieder einmal viel zu plötzlich aufkommenden Hektik des Weihnachtsgeschenkeshoppens fest vornahmen, im nächsten Jahr dann aber wirklich mal eher damit anzufangen.

Dass dies hier und da dennoch einfach nicht gelingen mag, dafür können ja die Damen und Herren Kaufmannsleute nichts. Sie haben ihr Möglichstes getan. Und mehr noch: die Marzipankekse, Spekulatiussteine und Dominobrote bleiben obendrein so lange im Sortiment, bis man an gemütlichen Winterabenden tatsächlich Appetit darauf bekommt.

Wir wünschen eine stressarme, genussvolle Vorweihnachtszeit, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein gesundes neues Jahr.


Meia

Ein Beitrag von Meia

Sternzeichen Schreibblock, studiert seit mehr als 75 Semestern Allgemeinbildung, ist verliebt in Friedrichshagen und kam wie die Jungfrau zum Blatt. Zitat: „Vielleicht bin ick nich schlau, aba klug bin ick nu ooch wieda nich."