maulbeerblatt ausgabe 64

Was könnte man herrlich über das Wetter lamentieren, wenn es nicht noch so viel anderes zu beklagen gäbe. Denken wir nur an unseren drohnensüchtigen Verteidigungsminister, der den Beipackzettel nicht verstanden hat und sich nun wundert, warum man einen flugfähigen Überwachungsapparat ohne Kollisionsschutz bekommt, nachdem man ihn ohne einen solchen bestellt hat. Den Steuerzahler kostet das eine halbe Milliarde, Geld, mit dem Hartmut Mehdorn den Flughafen Tegel für die nächsten zwanzig Jahre auf Vordermann bringen könnte, damit Anwohner und Touristen auch künftig auf das original Berliner Frontstadtfeeling nicht verzichten müssten.

Klaus Wowereit gibt seinerseits ein Beispiel sozialdemokratischen Rechtsstaatsempfindens. Er hält das Schallschutzurteil des Oberverwaltungsgerichts für eine interessante Einzelmeinung, über die es sich mit den Betroffenen trefflich zu streiten lohnt. Platzeck, der Volkstribun in Sachen Nachtflugverbot, leidet seit dieser Sache mit der Brandschutzanlage unter Burnout und Wolfgang Schäuble macht die Bürger dieses Landes für das Scheitern der großen Infrastrukturprojekte verantwortlich. Wie soll die Politik auch etwas erfolgreich ins Werk setzen, was sie den Leuten mit vielen warmen Worten verkauft, wenn dann diese entfesselten Wutbürger den zehnfachen Preis für die halbe Leistung am Ende nicht mehr zahlen wollen?

Eine Erfolgsnachricht zum Schluss: Die Dixi-Toiletten auf der BER-Baustelle wurden unlängst zum Hygienic-Central-Point erklärt, während „Ronnie’s Brutzelnde“ an der Zubringerstraße zur Urban-Foot-Station avancierte. Damit ist eine erste Teileröffnung des neuen Flughafens faktisch vollzogen.
Gute Unterhaltung
wünscht die Maulbeerblatt-Redaktion


Sebastian Köpcke

Ein Beitrag von Sebastian Köpcke

Grafiker, Illustrator, Kuriositätensammler und Ausstellungsmacher. Geistiger Vater von Müggula, dem Biest aus dem Müggelsee, und anderen schlimmen Abscheulichkeiten. Zitat: „Nicht über unseren Köpcke hinweg.“