Wenn das runde Leder wieder rollt

Zur Fußball-Weltmeisterschaft wird's wieder farbig.
Flaggen, Trikots und Außenspiegelüberzieher in den schillerndsten Farben liegen längst bereit, um ab Mitte Juni das Straßenbild zu prägen. Laut wird es auch. Getröte, Gejohle und Bieraschengeklimper erwarten uns. Jeden Einzelnen, auch solche Zeitgenossen, denen der Fußballsport im Alltag recht egal ist. Hotte W. aus B. ist so einer.
Es mag verhältnismäßig einfach sein, sich einer Weltmeisterschaft im Badminton oder Bogenschießen zu entziehen. An einer Fußball-Weltmeisterschaft jedoch kommt man so gut wie gar nicht vorbei. Also macht Hotte aus der Not eine Tugend und mischt farbig und lautstark mit. Und so ist Hotte eben spätestens ab der ersten Partie seines favorisierten Teams plötzlich buntbemützter Experte für alles. Zum einen wäre er zweifellos der bessere Trainer, sowohl in Taktik- als auch in Technik- und Fitnessfragen. Er würde, bekäme er doch bloß die Chance dazu, den Gegner gewiss viel früher und verbissener stören, das Spiel sehr viel breiter machen, ja wohl um einiges präziser flanken und die Dinger da vorne ganz klar besser verwerten. Gegentore hätte immer sogar seine Oma selbst-verständlich zu verhindern gewusst, der Schiedsrichter ist stets weitaus sehbehinderter als Hotte selbst und der Kommentator schaut und beschreibt ja wohl bitteschön auch ein ganz anderes Spiel. Das alles murmelt, brüllt und meckert Hotte dem Bildschirm entgegen, macht sich noch ein Bier auf und ist ein bisschen stolz darauf, seinen Sachverstand einbringen zu können. Ohne Leute wie ihn wäre das ja alles nicht möglich. Ohne Leser wäre das hier nicht möglich. Allen eine spannende Fußball-WM. Ihre Maulbeerblatt-Redaktion

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