MB: Du fängst in deinen Bildern verschiedene Personen und Atmosphären ein, wie legst Du deine Motive fest oder kommen Sie dir im Traum?
Sally: Die Inspiration liegt quasi auf der Straße. Ich lasse mich durch Songs, Filme, Menschen, Situationen, Gefühle, Märchen oder was auch immer beeinflussen. Und manchmal ist es tatsächlich so, dass mir im Traum Ideen kommen! Oder kurz vor dem Einschlafen- deswegen liegen auch immer Stift und Zettel auf meinem Nachttisch. Geht es um Auftragsfotos, versuche ich herauszufinden was die jeweilige Person für Dinge mag, wie sie sich gerne sehen würde und was zu ihr passen würde. Darum wird dann eine Idee gestrickt.

MB: Deine Fotos sind Gesamtkunstwerke – hast Du ein Team oder machst Du alles selber vom Make-Up bis zur Bestimmung der Location?

Sally:Eigentlich mache ich alles selber, aber seit ca. einem Jahr habe ich ein kleines Team aus mir sehr nahe stehenden Menschen zusammengestellt. Da ist zum einen mein Freund Sascha, der sich gewissenhaft um die Terminkoordination und Fragen der Kunden kümmert und zum anderen Nina, eine begnadete Haar- und Make-Up-Künstlerin, die aus jedem ein Starlet zaubern kann. Alles Andere mache ich immer noch selber, und ich denke, das ist auch schwer aus der Hand zu geben, denn nur so können genau die Fotos entstehen, die ich mir so ausmale und die meine Handschrift tragen. Ok, ich könnte noch jemanden gebrauchen, der mir den ganzen Kram die Treppen rauf- und runterträgt … ;)

MB: Arbeitest du noch mit einer „Schraubleica“ oder verwendest du das neue Modell der Serie M mit eingebautem Blitz?
Sally: Ich bin schon ganz fortschrittlich mit einer digitalen Canon EOS D5 unterwegs. Ansonsten besitze ich noch die analoge Canon EOS 1VH, die ich mir mal für sehr viel Geld gekauft habe und die nun leider ein wenig verstaubt, da kaum noch einer Fotos auf Film braucht und bezahlen kann bzw. die Bilder ohnehin digital bearbeitet werden.

MB: Ohne ein Geheimrezept verraten zu wollen, entwickelst Du deine Bilder auch selbst?
Sally: Unbedingt!! Früher stand ich immer selber im Labor und habe die Abzüge gemacht. Da habe ich mir auch immer ordentlich blaue Flecke geholt, da es in der Dunkelkammer ja völlig duster sein muss, wenn man Farbfotos vergrößert. Mittlerweile bin ich komplett auf digital umgestiegen, was das Verletzungsrisiko ungemein reduziert.

MB: Hast Du das Fotografieren gelernt oder ist da aus einem Hobby Berufung geworden?
Sally: Ich habe eine richtig handfeste Ausbildung zur Fotografengesellin gemacht und zusätzlich noch ein Diplom obendrauf. Aber man kann durchaus sagen, dass ich mein Hobby bzw. meinen Traum zum Beruf gemacht habe.

MB: Wie schwer ist es für dich an die Jetsetter, Ikonen und Stars – den Motiven deiner Glamour-Ecke -heranzukommen?
Sally: Wenn ich so drüber nachdenke, kann ich nicht behaupten, dass ich das wirklich versuchen würde. Entweder entsteht eine Zusammenarbeit über einen Auftrag oder ich hatte bislang das Glück, dass mich die Mädels von sich aus kontaktiert haben. So kam es z.B. zur Zusammenarbeit mit Sabina Kelley oder Anne Lindfjeld.

MB: Hast Du bereits eine Fangemeinde in der Welt (in welcher Villa hängen deine Bilder)?
Sally:Also wenn ich mir so anschaue, wo überall her Anfragen für Fotoshootings und Einträge ins Gästebuch kommen, kann man das schon sagen. Das Internet macht’s möglich!

MB: Wer sind deine Vorbilder aus der Fotografie?
Sally: Da sind natürlich die alten Meister Bernhard Of Hollywood, George Hurrell, Laszlo Willinger, Ray Jones und wie sie alle heißen … Aus heutiger Zeit interessieren mich die Arbeiten von Danielle Bedics, Pierre & Gilles und David LaChapelle.

MB: Wen würdest Du gern mal vor die Linse bekommen?
Sally: Wenn man von noch lebenden Personen ausgeht, dann wären das mit Sicherheit Tilda Swinton, Kate Blanchet, Christopher Walken und Robert DeNiro.

MB: Bei all dem Aufwand – was kosten deine Bilder?
Sally: Das kann man so pauschal nicht sagen, es kommt immer ganz drauf an, was man denn haben möchte, aber natürlich mache ich kein Geheimnis draus, und man kann auf meiner Homepage die einzelnen Shooting-Möglichkeiten mit den Kosten nachlesen.

MB: Könntest Du 50 Jahre in die Zukunft reisen, welche Entwicklungen würdest Du Dir in der Fotografie wünschen?
Sally: Mittlerweile ist schon so viel möglich, ich weiß gar nicht, ob ich mir da noch was anderes wünschen würde, denn sonst geht vielleicht eine ganze Menge Handwerk verloren, was die persönliche Note jedes Fotografen zerstören würde?

www.cherrymuffin-studios.com

Das Interview mit Spooky Sally von Cherrymuffin Studios führte Karl Heinz Kloppisch