Piraten unter gelber Flagge

Gerechtigkeit mit Philipp Rösler
Seit je her versuchen engagierte Eltern zu ergründen, wodurch die charakterliche Entwicklung ihrer Sprösslinge am stärksten geprägt wird. Sind es ihre eigenen pädagogischen Bemühungen, die zum gewünschten Ergebnis führen, oder ist jede Mühe vergebens, da ohnehin alles Gottgegeben und genetisch vorbestimmt ist? Letzteres würde einen stark entlasten, wenn der Filius wieder einmal sturzbetrunken, mit offener Hose, von der Polizei aufgegriffen wird. Doch leider trägt diese These nicht weit und deshalb ist mehr Eigenverantwortung auch in der Erziehung gefragt.

Piraten

Sollte es noch eines Beweises bedürfen, sei unser Gesundheitsminister als Kronzeuge benannt. Wie kaum ein anderer manifestiert Philipp Rösler das machtvolle Wirken einer konsequenten Erziehungsleistung. Wie wäre es anders zu erklären, dass ein unschuldiges vietnamesisches Waisenkind zu einem perfekt funktionierenden Vasall der deutschen Pharma- und Krankenversicherungslobby mutierte?

Diese kann dankbar sein für die gelungene Aufzucht, denn sollte Röslers Philipp dereinst seinen Willen durchsetzen, werden wir alle sehen, was wir davon haben.Da neben der Familie auch das soziale Umfeld für die Wertevermittlung unserer Jüngsten bedeutsam ist, darf man auch der gepflegten Bruderschaft nicht den Dank verwehren, welche Rösler in ihrer Mitte aufgenommen hat.

n Deutschlands einzig wahrer Piratenpartei – der FDP – fand der gut Konditionierte sein politisches Zuhause. Unter gelber Flagge kreuzt Westerwelles unerschrockene Kaperflotte seit Jahren durch Deutschlands seichte Binnengewässer und hält Ausschau nach ungeschützten Begriffen, die man gefahrlos entern kann. Nach erfolgreicher Requirierung werden diese von den Marodeuren ruck zuck semantisch umgedengelt, um fortan, ihrer eigentlichen Bedeutung beraubt, zumeist das glatte Gegenteil zu behaupten.

Diese nur scheinbar harmlosen Wortmutationen werden benutzt, um durch permanente lautstarke Wiederholung, gleich einem Hirntumor, das Bewusstsein der Bürger zu zerfressen. So gebraucht man das schöne alte Wort »Freiheit« heute immer dann, wenn es die andauernde Geiselhaft des Staates in den Händen von Großbanken und Wirtschaftslobbyisten zu verteidigen gilt. Die Willfährigkeit der Parteien gegenüber den Einzelinteressen von Großspendern lässt sich hingegen treffend mit »Demokratie« umschreiben.

Die Denunziation ganzer Bevölkerungsschichten und die Endsolidarisierung unserer Gesellschaft ist die eigentliche Stoßrichtung, wenn bei der FDP von „geistig-politischer Wende“ die Rede ist. Das Schleifen unserer sozialen Sicherungssysteme wird mit „Stärkung der Eigenverantwortung“ umschrieben und hinter der viel beschworenen Floskel der „bürgerlichen Parteien“ verbirgt sich nichts weiter als die personelle Bündelung eine peinlich dünkelhaften Überheblichkeit von vorgestern.

Die Umdeutung von des Wortes Sinn hat in Deutschland eine Lange ungute Tradition. Victor Klemperer hat den Sprachgebrauch der Nazis in seinem Buch L.T.I. analysiert. Auch nach dem totalen Krieg nahm das kein Ende. Auf der einen Seite hieß es „Wir wählen die Freiheit!“ und meinte Eigennutz und Geschichtsvergessenheit. Auf der Anderen sprach man von „Sozialistischen Errungenschaften“, während man kleinbürgerliche Träume pflegte und kritiklose Anpassung honorierte.

In der jüngeren Vergangenheit haben sich längst auch andere auf Kaperfahrt begeben. Roland Koch machte Wahlkampf mit seiner ausgrenzenden „Integrationspolitik“ und Rot/Grün ersetzte mal eben „Krieg“« durch „Friedenseinsatz“ und „Verstoß gegen die Menschenwürde“ durch das geflügelte Wort „Hartz-IV-Reform“.

Was meint nun Philipp Rösler wenn er heute von „Gerechtigkeit“ schwafelt? Richtig, damit charakterisiert der charmante Senkrechtstarter seine geplante Gesundheits-Kopfpauschale. In der gelben Welt des Philipp Rösler würden Unternehmensführer und Nachtwächter künftig mit dem gleichen Beitragssatz verarztet. Damit wäre auch geklärt, was unter »Solidargemeinschaft« zu verstehen ist.

Abschließend stellt sich die Frage, ob Piraterie im Sinne des Arbeitsrechtes eine anerkannte Tätigkeit ist. Wenn nicht, sollte man den gelben Freibeutern drastisch die Gehälter kürzen, denn mit einem haben sie natürlich Recht: Wer arbeitet, muss mehr haben, als derjenige, der nicht arbeitet!


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