fatboyslim

Eigentlich ist der Werdegang von Bassisten relativ identisch. Man verliert beim Instrumente ausknobeln und bekommt den Job, den andere nicht wollen, spielt die Gitarre schlechter als die restlichen Freunde in der Band und muss an den Bass oder ordnet sich der Präpotenz eines John Lennon unter.

Dann spielt man im Studio oder auf der Bühne und erhält oder auch nicht ein paar Credits auf dem Albumcover. Jeder erinnert sich an die Stimme der Band, manchmal auch an den Gitarristen und der Rest der Band wird, wenn der Hit verblasst ist, vom Rest der Welt schnell vergessen. Eben dieses Schicksal stand sicherlich einem gewissen Norman Cook bevor, der in den Achtzigern die dicken Saiten für die Band The Housemartins zupfte. Die Housemartins waren, für alle, die sich nicht erinnern können, wollen oder dürfen, wie ihre Vorbilder aus der Liverpooler Beat-Generation schlecht frisierte Babyfaces in Second-Hand-Anzügen, die Musik für metrosexuelle Überflieger machten, die wir heute als BritPop kennen und schätzen oder auch nicht schätzen . . Ihr größter Hit, das a Capella Stück Caravane of Love ist noch heute auf jedem gutgemachten 80er Sampler zu finden. Für weitere Chartplatzierungen reichte es dann nicht mehr und 1988 löste sich die Band auf. Sänger Paul Heaton und Schlagzeuger Dave Hemingway gründeten die relativ erfolgreiche Band The Beautiful South, die bis in die 2000 er Jahre Bestand haben sollte. Die anderen Musiker verschwanden in der Versenkung. Mit diesem Schicksal fand sich Bassist Quentin Leo alias Norman Cook nicht ab. Den Trend der Zeit erkennend widmete er sich fortan der elektronischen Musik und gründete die Band Beats International. Ihr Hit Dub be good to me war stilprägend und bewies das Gespür von Norman Cook für das wesentliche in der Tanzmusik. Cook sampelte seine Basslinien, mischte sie mit fetten Reggae- und Dub Beats und HipHop- Gesängen und animierte damit Millionen Tanzwütige zum Rumhampeln auf den Dancefloors dieser Welt. Mit der Gründung der Band Freakpower 1993 kehrte Cook zurück zu handgemachter Musik, spielte erst Gitarre dann auch wieder Bass und stellte damit seine herausragenden musikalischen handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis. Bekannt wurde der Song Turn On, Tune In, Cop Out durch einen sehr originellen Werbespot für eine recht bekannte Jeansmarke amerikanischer Bauart. (Absolut sehenswert und meine YouTube Empfehlung) Wieder war Norman Cook mit seinem Gespür mit seiner Band dabei, als ein Musikstil geprägt wurde, den wir als Trip-Hop kennen. Freakpower ist in gleichem Atemzug mit Jamiroqoai zu nennen und für jeden, der eine von vorn bis hinten gutgemachte Tanzmusik- Scheibe sucht, dem sei Drive Thru Booty wärmstens empfohlen. Aber immer noch war der ganz große Erfolg ausgeblieben. Das änderte sich, als die in den 90ern die elektronische Musik ihren Siegeszug antrat. Während die meisten Namen der Techno DJ´s sich im Strom der Massen verloren, fiel mir unter Ihnen nur einer auf, weil seine Songs sich in erheblichem Maße von anderen unterschieden, der von Fatboy Slim. Die Songs enthielten im Gegensatz zum gleichmäßigen Beat anderer erfolgreicher DJ´s viele Breaks und als absolutes No Go verwendete Fatboy Slim fette Gitarrenriffs. Sein Stil wurde unter dem Namen BigBeats bekannt. Auch auf dem Videosektor konnte FatboySlim punkten, für Praise You gab´s ordentlich Beachtung und für Weapon of Choice mit Hollywoodstar Christopher Walken (reichlich Tarantino) den Preis als bestes Musikvideo aller Zeiten. Mein Lieblingsvideo ist allerdings Push the Tempo. The Rockafeller Skank, ein Song, den wohl jeder schon einmal gehört hat und dessen Titel niemand geläufig ist, wurde Titelsong für das Fußball- Videospiel Fifa 99. Alles in allem sind seine Erfolge kaum noch zu zählen und ein Ende der Karriere ist nicht abzusehen. Das hinter dem Namen Fatboy Slim Norman Cook, der Basser von den Housemartins steht, das habe ich erst vor Kurzem erfahren und so spiele ich weiterhin meinen Bass und träume hoffnungsvoll von der ganz großen Karriere . Mit dem Bass hat schließlich alles angefangen. Mann, wer hätte das gedacht…

Bild: http://stoneyroads.com/fatboy-slim-talks-edm-skrillex-2/


Holger Claaßen

Ein Beitrag von Holger Claaßen

Berliner Schnauze. Professioneller Spaziergänger, der seine Streifzüge auch als Taxifahrer unternimmt. Ist mit sämtlichen Kiezgrößen bekannt und selbstverständlich EISERN. Motto: „Watt isn los Mausebeen?“ (Zum Chefredakteur)