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In Treptow-Köpenick ist er längst kein Unbekannter mehr, mit dem Bürgerentscheid zur Parkraumbewirtschaftung hat er sich nun auch berlinweit einen Namen gemacht: Stefan Förster. Er ist Ur-Köpenicker, im Krankenhaus Köpenick geboren, hier aufgewachsen und lebt immer noch im Bezirk, für den er sich auch im besonderen Maße engagiert. Der studierte Historiker leitet den Heimatverein, den bezirklichen Denkmalrat und redet als Bürgerdeputierter im Stadtplanungsausschuss mit. Als Mitglied der FDP hat der 33-Jährige zehn Jahre lang – bis 2010 – für die Liberalen in der BVV gesessen, aber seine wahre Passion sind die Denkmäler. Das Maulbeerblatt sprach mit ihm über freie Parkplätze, über das Stadtbild und die Rahnsdorfer Ruderfähre.

Herr Förster, Sie haben gerade mit dem Bürgerentscheid gegen die Parkraumbewirtschaftung von sich reden gemacht. Sind Sie stolz auf Ihre Arbeit und das Ergebnis?
Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Die Wahlbeteiligung lag bei 21 Prozent, und das in der letzte Woche der Sommerferien. 38.000 Menschen im Bezirk haben ihre Stimme abgegeben, und von denen waren 86 Prozent gegen die Parkraumbewirtschaftung. Stolz bin ich vielmehr auf etwas anderes: Nämlich dass es uns Antragstellern – Antja Stantien von den Linken, dem Hauptmann-Darsteller Jürgen Hilbrecht und mir – gelungen ist, den ersten und auch gleich erfolgreichen Bürgerentscheid von Treptow-Köpenick auf den Weg gebracht zu haben. Ich hoffe, dass unser Beispiel Schule macht.

Dass Sie in dieser Sache als Mitglied der FDP mit den Linken zusammengearbeitet haben, haben Ihre Gegner versucht auszunutzen, indem sie den Bürgerentscheid ins Lächerliche zogen.
Was ihnen aber nicht gelungen ist. Im Gegenteil, es hat uns zusätzliche Aufmerksamkeit eingebracht – und es hat uns nicht geschadet. Und außerdem ist doch auf der Bezirksebene das Parteiengeplänkel gar nicht so ausgeprägt. Es geht darum, vernünftige Ziele zu verfolgen und durchzusetzen. Wenn man einen neuen Zebrastreifen braucht, kommt es nicht auf CDU, SPD oder FDP an.

Warum sind Sie dann nicht bei den Linken, wenn es doch nicht darauf ankommt?
Nein, verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin 2000 ganz bewusst in die FDP eingetreten. Ich stehe nämlich hinter der urliberalen Idee, dass jeder Mensch sich frei entfalten soll und das Recht haben muss, die Möglichkeiten, die sich ihm bieten, zu nutzen. Das gilt auch fürs politische Leben. Die Bürger sollen frei sein, Entscheidungen zu treffen. Das Stichwort ist: bürgerliches Engagement. Auch darum bin ich stolz darauf, den ersten Bürgerentscheid des Bezirks eingefädelt zu haben.

Zurück zu den Parkplätzen: Wie soll es denn nun in der Altstadt Köpenick weitergehen? Wie bekommt man das Problem in den Griff?
Der Parkdruck ist gar nicht so hoch. Das Gutachten, das der Bezirk in Auftrag gegeben hat, sagt, dass von 10 bis 17 Uhr auf 100 Parkplätze 110 Fahrzeuge kommen. Ich habe darum vorgeschlagen, zunächst noch einmal zu überprüfen, ob wirklich alle Halte- und Parkverbote in der Altstadt sinnvoll sind. An der Straße Alt-Köpenick etwa, zwischen Dammbrücke und Rathaus sind auf der rechten Seite etwa zehn bis fünfzehn Haltebuchten, aber sie dürfen nicht genutzt werden. Das ist nicht nachvollziehbar, weil die Parkplätze dort keine Behinderungen darstellen. Auch die Dammbrücke selbst bietet Parkmöglichkeiten. Damit wären die zehn fehlenden Parkplätze schon kompensiert.

Die Bürger von Treptow-Köpenick kennen Sie nicht bloß als Kämpfer für freies Parken und Initiator des Bürgerentscheids, sondern vor allem auch als Leiter des Heimatvereins. Seit sieben Jahren sind Sie dessen Vorsitzender.
Richtig, der frühe Tod von Claus-Dieter Sprink, der bis 2006 Leiter des Köpenicker Heimatmuseums war, hat eine Lücke hinterlassen. Sein Wissen und Engagement ging verloren, und um das historische und kulturelle Erbe zu bewahren, hat sich 2007 der Heimatverein gegründet. Wir sind 50 Mitglieder, darunter Bürgermeister Oliver Igel, und recht aktiv.

Was macht der Heimatverein ganz konkret?
Wir geben vor allem Schriftenreihen heraus, u. a. Sammelbände zur Geschichte des 800 Jahre alten Köpenicks, in einer anderen werden alte Schriften und Texte aus der Vergangenheit des Bezirks nachgedruckt, in einer dritten Reihe werden alte Gebäude vorgestellt. Darüber hinaus geben wir einzelne Ausgaben über Personen heraus, die sich um den Bezirk verdient gemacht haben. Straßenbenennungen und Exkursionen stehen auch regelmäßig auf dem Programm.

Damit nicht genug: Seit etwa einem Jahr leiten Sie auch den Bezirksdenkmalrat Treptow- Köpenick.
Ja, Denkmäler sind mein Steckenpferd, und ich habe schon lange Kontakt mit der Unteren Denkmalschutzbehörde im Bezirk, teilweise auch durch den Heimatverein. Und in Treptow-Köpenick gibt es über 4.000 Denkmäler: Angefangen beim Rathaus und dem Köpenicker Schloss über die Industrieanlagen, beispielsweise in der Wilhelminenhofstraße bis hin zu kleinen Häusern wie etwa im Fischerdorf Rahnsdorf.

Worin besteht die Aufgabe des Denkmalrats?
Der Denkmalrat unterstützt oder kritisiert die Arbeit des bezirklichen Denkmalschutzes. Außerdem beraten wir in problematischen Situationen Mieter, die in denkmalgeschützten Häusern wohnen. Für gewöhnlich sind deren Besitzer kooperativ, aber es gibt auch andere Beispiele wie in der Siedlung Mittelheide, wo die Eigentümer dem Grundgedanken des Denkmalschutzes unzugänglich sind. Auch die Maßnahmen zur Sicherung von Riviera und Gesellschafthaus, den ehemaligen Ausflugslokalen am Dahmeufer, haben wir mitgetragen. Denkmäler brauchen eine Lobby.

Wie meinen Sie das?
Ich finde es wichtig, dass ein Stadtbild erhalten bleibt. Dazu zählt nicht nur, Häuser zu erhalten. Wenn Baulücken geschlossen werden, sollte sich das neue Gebäude einfügen. Bestes Beispiel ist in der Bölschestraße der Neubau neben der Kirche, in dem jetzt wieder Kaiser’s untergebracht ist. Ich erwarte nicht, dass ein Altbau imitiert wird, es braucht auch keinen Stuck. Aber mit Formen und Baumaterial lässt sich schon viel bewirken. Und an diesem Standort hätte ein bisschen mehr Mühe nicht schaden können.

Aber das ist ein Neubau: Haben solche Überlegungen noch mit Denkmalschutz zu tun?
Sicher, das Stadtbild spiegelt doch den Charakter einer Stadt wider. Es gilt, das Bewusstsein dafür zu schärfen. Wenn ich in eine fremde Stadt reise, besichtige ich zuerst das Rathaus und die wichtigste Kirche. An diesen Gebäuden kann man am besten erkennen, ob die Stadt reich oder arm, mächtig oder schwach war. Und die nachfolgenden Generationen sollen doch auch in den Genuss alter Häuser kommen. Stellen Sie sich vor, alles würde bei der erstbesten Gelegenheit weggerissen oder verschandelt werden!

Bleiben wir bei der Sache, und machen doch inhaltlich einen kleinen Sprung: Gehört die Rahnsdorfer Ruderfähre auch zum Stadtbild?
Wenn Sie so wollen, ja. Die Ruderfähre ist Kult, und es wäre schade, wenn sie nicht mehr fahren würde.

Eigentlich war sie schon eingestellt, die Linie, die an der Rahnsdorfer Kirche über die Spree nach Müggelheim übersetzt und umgekehrt. Jetzt hat der Heimatverein die Fähre gekauft?
Richtig, die Stern- und Kreisschiffahrt hatte im Sommer das 20 Jahre alte Ruderboot zum Verkauf angeboten, und da haben wir uns gemeldet. Freundlicherweise wurde es uns zum Vorzugspreis von 1.785 Euro überlassen. Sie heißt übrigens „Paule III“ nach dem legendären Rahnsdorfer Fährmann Paul Rahn.

Und jetzt setzen Sie sich dafür ein, dass die Fähre doch wieder fährt?
Ja, der Heimatverein kümmert sich gemeinsam mit dem Rahnsdorfer Fischer Thamm um die Fähre. Winterquartier, Wartung, Anstrich, das machen wir alles. Den Fährmann aber muss die BVG beauftragen. Wir sind gerade mit Senator Michael Müller im Gespräch und es sieht ganz gut aus. Dann könnte sie vielleicht schon im kommenden Jahr von Mai bis Oktober ihren Betrieb aufnehmen. Der frühere Fährmann, Ronald Kebelmann, ist auch bereit, den Job wieder zu übernehmen. In diesem Sommer fuhr er die F21 in Schmöckwitz.

Das hieße aber doch, dass man für ihn einen Ersatz finden müsste.
Aber nur an den Wochenenden. Die Ruderfähre lohnt sich an den Werktagen nicht. Eine Überlegung ist zwar, sie auch am Freitag in Betrieb zu nehmen, weil da schon einige Touristen ihre Ausflüge machen. Doch die könnten auch auf die Motorfähre ausweichen. Aber sonnabends und sonntags, in den Sommermonaten, ist die kleine Ruderfähre bestimmt ein Gewinn.

Interview & Foto: Dietrich von Schell


Dietrich von Schell

Ein Beitrag von Dietrich von Schell

Sagt von sich selbst, dass er ein sonniges Gemüt hat. Seine journalistische Profession versteht er als Jäger- und Sammlertum: Fakten sammeln, für Geschichten auf die Jagd gehen. Zitat: (nach der Katastrophe) "Ist doch nischt passiert!"