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Kennen Sie Ihr Mantra? Nicht, dass Sie hierzu unbedingt nach Indien reisen und/oder zu Füßen eines erleuchteten Meisters sitzen müssten, der Ihnen zu gegebener Zeit heilige Silben ins Ohr raunt. Nein, ich meine Ihr tägliches Mantra, das Sie sich selbst vorsagen, wenn Ihnen wieder mal die S-Bahn vor der Nase weggefahren ist oder Sie die funktionsbestimmende Schraube auf dem Boden entdecken, nachdem Sie den vormals kaputten Toaster in mühevoller Fummelei gerade wieder zusammengebaut haben. „Verdammter Mist!“ „Das darf doch nicht wahr sein!“ „Ich Idiot!“
Oh ja, wir alle benutzen Mantren in mannigfaltiger Form. Jeden Tag. Dieser Begriff aus der (indisch-) vedischen Tradition bedeutet: das, was den Geist („man“) projiziert bzw. ausrichtet („tra“).
Alles was wir sagen und auch das, was wir denken, hat eine Schwingung. Durch ständige Wiederholung beginnen diese Schwingungen, in uns Wurzeln zu schlagen und Resonanzfelder zu erzeugen. Ähnlich einem Instrument beginnen wir dann bei entsprechendem Anschlag zu klingen. In welcher „Stimmung“ sind Sie denn heute? Erkennen Sie die Melodie? Und wir alle wissen: Der Ton macht die Musik.
Das erste Mantra, das wir in unserem Leben kennenlernen, ist unser Name und in vielen Fällen ist der Name (wenn überhaupt) das Einzige, was von uns übrig bleibt. Oft in Stein gemeißelt. Zunächst wiederholen ihn unsere Eltern für uns, als ob sie sich erinnern müssten, wer wir sind, dann beginnt sich unsere Identität um unseren Namen zu formen. Im Laufe unseres Lebens werden allerlei Bedeutungen von anderen und später von uns selbst der ursprünglichen Schwingung unseres Namens hinzugefügt: „Peter ist hibbelig.“ „Peter ist sensibel.“ „Peter ist ein stilles Kind.“
Diese Bedeutungsgebungen können zu Glaubenssätzen werden und diese sind die Zutaten, aus denen wir später unsere eigenen täglichen Mantren basteln: „Oooom manvas fuernars chichbin- Oooom manvas fuernars chichbin- “. Moment mal „Oh Mann, was für’n Arsch ich bin!“
Mantren wie wir sie oft in unserer halbbewussten Alltagstrance benutzen, dienen in ihrer negativen Form vor allem der Bestätigung unserer eigenen Beschränktheit und/oder als selbsterfüllende Prophezeiungen.
Doch es gibt auch andere Möglichkeiten: Ein Bekannter von mir ist Feuerwehrmann. Er erzählte, dass eines der ersten Dinge, die er bei der Feuerwehr gelernt habe, „So isses!“ gewesen sei. Wenn das Haus brennt, der Möbellaster vor der Feuerwehrzufahrt steht, ein Vorbeikommen unmöglich ist und das Warten auf den Abschleppdienst zu lange dauert, ist „So isses!“ das Mantra, das den Unterschied macht: „Nimm es wie es ist.“ „Mach das Beste draus!“ „Deine Handlung zählt!“ Können Sie erkennen, wie diese Worte, wenn Sie sie in sich schwingen lassen, Ihnen eine andere Ausrichtung geben können?
Genau das hat Yoga vor vielen tausend Jahren erkannt und diese Erkenntnis zu höchster Perfektion verfeinert: Mantren zu nutzen, um den eigenen Geist zu trainieren und die Mechanismen von halbbewusster, selbstaufrechterhaltender Negativität zu unterbrechen. Dann wird das Geplapper zwischen unseren Ohren zunehmend leiser. Unser Blick wird frei für das Offensichtliche und da bleibt in vielen Fällen ein knappes und klares „So isses!“ übrig.