Aktualisierung vom 05. 05. 08:

Das Treffen unter dem Baum, wie in diesem Beitrag angekündigt, wird nicht wie geplant stattfinden. Die Anwohnerinitiative wird am 10.5. und 11.5., während des Bölschefestes, am Stand der Werbegemeinschaft und der dichter.dran-Organisatoren zugegen sein. Hier kann der interessierte Bürger sich zum aktuellen Stand der Dinge und Planungen der Initiative informieren.

Eine Straße macht mobil

„Es ist billiger eine Straße ohne Bäume zu sanieren, als mit Bäumen“, so der Naturschutzreferent des BUND (Bund für Naturschutz Deutschlands), Herbert Lohner, an einem Sonntagabend im Restaurant Rolandseck.

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Sollte diese kühle Kosten-Nutzen-Rechnung hinter den vielen Fällungen in der Scharnweberstraße stehen? Die Bürgerinitiative Müggelsee alarmierte bereits Anfang März die Anwohner der Scharnweberstraße und lag mit ihrem Argwohn genau richtig. Der Berliner Senat hatte schon eine Million Euro für die Sanierung der Scharnweberstraße bereit gestellt. Was bei der Straßensanierung stört, sind die großen alten Bäume. Diese wurden von Bezirksstadtrat Michael Schneider (Linke) und seinen Fachbeamten als „verkehrsgefährdend“ deklariert und zur Fällung (übrigens mitten während der Brutzeit) freigegeben.Viele Friedrichshagener sind empört und wollen weiteren Kahlschlag nicht mehr hinnehmen. Sie gründeten eine Anwohnerinitiative und hatten bereits am Dienstag, dem 15.4. ihren ersten Ernstfall. Morgens um 7.00 Uhr, wollten die Kettensägenmänner des Bezirksamtes eine weitere Kastanie in der Scharnweberstraße fällen.

Doch die Anwohner waren alarmiert. Schon am Tag zuvor hatten sie eine Telefonkette organisiert. Am Morgen des 15.4. waren dann binnen einiger Minuten viele Anwohner vor Ort. Die Männer vom Fällkommando forderten Verstärkung an. Schließlich erschien gar die Amtsleiterin des Amtes für Umwelt und Natur, Frau Dr. Lehmann, persönlich, um „den Anwesenden die Notwendigkeit der heutigen Fällung zu erklären.“ Nachdem deutlich wurde, dass das Bezirksamt fest entschlossen war, die Kastanien zu fällen, riefen die Anwohner die Polizei. Immerhin ist dieser große, äußerst vitale Baum Lebensraum einer Eichhörnchenfamilie, wie Anwohner berichteten. Damit ist die Kastanie, laut Berliner Naturschutzgesetz §29, schutzwürdig. Nach vier Stunden gaben die Mitarbeiter des Bezirksamtes auf. Es solle ein zweites Gutachten geben, versprach Frau Dr. Lehmann. „Diese Kastanie ist die schönste in der ganzen, knapp zwei Kilometer langen, Straße“, erklärte Ellen Dubik aus dem Haus gegenüber. „Die Kastanie hat 1945 eine Fliegerbombe, nur wenige Meter weiter, überlebt und alle Stürme der letzten Jahre,“ fügt Walter Krüger, ein alter Friedrichshagener, hinzu, „warum solle dieser Baum ausgerechnet jetzt, im Frühjahr, umkippen? An eine angebliche Verkehrsgefährdung glaub ich nicht.“

Die Anwohnerinitiative Scharnweberstraße hat ihrerseits einen unabhängigen, von der IHK zugelassenen, Gutachter mit einer Begutachtung des Baumes beauftragt. Der Baum könne gut und gerne noch 15 Jahre leben, schätzt Dr. Michael Bräsig, der Baumgutachter ein.
Wie die zu erwartende Straßensanierung aussieht, kann man in der Lindenallee und der Rahnsdorfer Straße sehen. Hier wurden historisches Pflaster entfernt, Bäume gefällt und die Gehwege zu Gunsten von Parkplätzen verschmälert. Die Lindenallee verdient kaum mehr diesen Namen. Die Rahnsdorfer Straße lädt zum Gasgeben ein, mit dem „schönen glatten“ Asphalt, während sich Schüler der angrenzenden beiden Schulen auf einem 100 cm schmalen Gehweg drängeln. Diese Art der Sanierung gilt es in der Scharnweberstraße zu vermeiden. Die Anwohnerinitiative lädt am 10.5. und 11.5. während des Bölschefestes, jeweils ab Fünf vor Zwölf (11.55 Uhr), zu einem Picknick an der geretteten Kastanie, Scharnweberstraße, Ecke Breestpromenade, ein. Hier kann der interessierte Bürger sich zum aktuellen Kenntnisstand der Initiative zur Sanierung informieren.
Anm. der Redaktion: Neben Ihrem Interesse, würden sich die Aktivisten sicher auch über eine kleine Spende, für die Unkosten des privat bezahlten unabhängigen Baumgutachtens (200,- Euro) freuen.


Matthias Vorbau

Ein Beitrag von Matthias Vorbau

Matthias Vorbau nennt sich Chefredakteur des Maulbeerblattes. Eigentlich ist er Kommunikationsdesigner mit Diplom. Zitat: "Das Leben zwingt einen zu zahlreichen freiwilligen Entscheidungen."